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Grundlagen der Tonschwellenaudiometrie

 

In der pädaudiologischen bzw. hno-ärztlichen Praxis wird häufig die sog. Tonschwelle ermittelt.
Hierunter wird meist die Intensität eines akustischen Signals, i.d.R. eines Sinustones mit definierter Frequenz, bei dem das Signal vom Patienten gerade noch gehört wird, verstanden. Die Intensität bzw. der Schalldruck wird in der klinischen Tonschwellen - Audiometrie als Pegel in dB HL = dB hearing level angegeben.
Pegel ist ein Verhältnismaß (das 20-fache des gesuchten Schalldrucks zum Bezugsschalldruck bzw. das 10-fache der gesuchten Intensität zur Bezugsintensität). Hierbei wird auf das Hörvermögen gesunder Versuchspersonen für Sinustöne (bzw. bei der dB SPL Angabe auf 20uPa) Bezug genommen.
In der Psychoakustik können aber auch ganz andere Schwellen gesucht bzw. untersucht werden, für die ein „Bezug“ möglicherweise noch gar nicht bekannt ist. Deshalb sollte man dann allgemein von Intensität sprechen, auch wenn Intensitäten bzw. Schalldrucke in Pegel (dB SPL) angegeben werden. Verwendet man den Begriff Schalldruck, sollte, insbesondere bei anderen als Sinussignalen, zwischen Druckänderungsamplitude und Effektivwert (rms) unterschieden werden.

Konsequenz einer mit einem tonschwellenaudiometrischen Verfahren ermittelten Schwelle kann z.B. die Empfehlung zur Hörgeräteversorgung sein.

Das Ergebnis einer Tonschwellenaudiometrie, d.h. die ermittelte „Schwelle“, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Für den klinischen Alltag eminent wichtig ist z.B., wie gut der Patient instruiert wurde, was er bei der Messung machen soll, wie exakt die audiometrischen Gerätschaften kalibriert sind und ob die Audiometriekabine gut schallisoliert ist, bzw. wie gut Störgeräusche unterdrückt werden.

In der Praxis wird immer wieder die Erfahrung gemacht, dass trotz exakt kalibrierter audiometrischer Geräte, minimalem Störgeräusch, guter Instruktion u.s.w. wechselnde Angaben zur Schwelle gemacht werden. Die therapeutische Empfehlung beruht dann ggf. auf scheinbar unsicherer Datenlage.

Gleiches gilt für psychoakustische Experimente, mit denen Hypothesen zur Funktionsweise des Gehörs überprüft werden. Hier steht allerdings weniger die Ruhehörschwelle im Vordergrund, sondern z.B. die Schwelle für Signale (nicht unbedingt Sinustöne!) bei gleichzeitigem, gleichbleibendem Maskierungsrauschen (Mithörschwelle) oder die Schwelle für Signale bei vorangegangenem oder danach angebotenem Maskierungsrauschen (Vor- und Nachverdeckung). Diese Beispiele sind aus der Vielzahl denkbarer „Schwellen“ willkürlich gewählt.

Bei der Tonschwellenaudiometrie in der klinischen Praxis kann man sich bei unsicheren, wechselnden oder scheinbar widersprüchlichen Angaben des Patienten mit objektiven Messverfahren wie der Ableitung auditorisch evozierter Potentiale behelfen, obwohl diese Verfahren prinzipiell ganz andere Aspekte des komplexen Prozesses Hören messen (siehe hierzu z.B. [1]).

Dies ist bei experimentellen psychoakustischen Fragestellungen (z.B. bei der Frage nach der pathologischen Vorverdeckung bei Kindern mit Legasthenie [2]) nicht sinnvoll bzw. nicht möglich. Nicht selten sind in der experimentellen Psychoakustik für Annahme oder Ablehnung der Hypothese wenige dB entscheidend.

Wünschenswert wären Untersuchungsverfahren, mit denen innerhalb kurzer Zeit, exakt, zuverlässig und reproduzierbar Schwellen gemessen werden könnten. Deshalb wird seit längerem das Entscheidungsverhalten des Patienten / Probanden in Schwellennähe untersucht. Basierend auf modellhaften Erklärungen dieses Entscheidungsverhaltens wurden Testverfahren entwickelt, die eine Unterscheidung zwischen „sensorischer Fähigkeit“ und patientenbedingten Faktoren (z.B. Motivation, Mut zur Entscheidung) ermöglichen bzw. die den Einfluss patienten- bzw. probandenbedingter Faktoren minimieren sollen.


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