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Stimmstörungen

Die Rolle der Stimme in der Kommunikation

Wenn wir mit jemandem sprechen, rufen oder singen, setzen wir unsere Stimme ein. Durch das Sprechen oder Singen werden dann die Luftteilchen in Schwingungen versetzt, es entsteht eine Schallwelle. Diese Schallwelle erreicht dann das Ohr des Zuhörers. Durch das Gehör kann dieses Schallsignal in Nervenimpulse umgesetzt und letztlich „verstanden“ werden. In der Regel wird der Zuhörer aber nicht nur den Informationsgehalt der gesprochenen Nachricht verstehen, sondern auch, durch eine unbewusste Auswertung des Stimmklangs, sich ein Bild über den Zustand des Sprechers machen. Ist die Stimme heiser, liegt z.B. die Vermutung nahe, dass der Sprecher erkältet ist. Häufig interpretiert man den Stimmklang aber auch hinsichtlich der emotionalen Verfassung des Sprechers. Eine normale Stimmfunktion wird als selbstverständlich hingenommen. Wie wichtig die Stimme für die zwischenmenschliche Kommunikation ist, merkt man erst, wenn man eine längerfristige Stimmstörung hat. Nicht von ungefähr stammt das Wort „Person“ von „per sonare“ („durch – tönen) ab. Jemand, der seine Stimme nicht mehr richtig einsetzten kann, wird sich möglicherweise vom Kontakt mit anderen zurückziehen.


Wie entsteht die Stimme?

Das Sprechen bzw. die Ausführung des Sprechvorgangs wird zunächst im Gehirn geplant. Das Sprechen selbst passiert dann durch drei Vorgänge:

- Die Lunge fördert die Luft durch den Kehlkopf in den Mundraum.
-Durch die strömende Luft angeregt, schwingen die im Kehlkopf befindlichen Stimm-lippen; es entsteht ein „Rohton“.
- Der „Rohton“ wird im Mundraum (sogenanntes Ansatzrohr oder Vokaltrakt) „geformt“, d.h. akustisch gefiltert. Durch die Filterung entstehen dann die unter-schiedlichen Vokale bzw. stimmhaften Mitlaute.


Was versteht man unter einer Stimmstörung?

Als Stimmstörung (medizinischer Fachausdruck: Dysphonie) werden alle Störungen der Stimmlippen - Schwingungen, d.h. Störungen der Stimmerzeugung bezeichnet. Sie kön-nen belastungsabhängig und unabhängig, zeitweilig und dauerhaft im Kindes- und Er-wachsenenalter auftreten Ihr Ausprägungsgrad kann geringgradig, mittelgradig, hoch-gradig dysphon und aphon (stimmlos) sein .

Man unterscheidet bei einer Stimmstörung zusätzlich zwischen einer Beeinträchtigung der Stimmleistung (z.B. hohe und tiefe Töne singen zu können) und einer Störung des Stimmklangs (heiser, rauh, behaucht). Eine normale Stimme klingt rein, man sollte mindestens 3 – 4 Stunden mühelos seine Stimme einsetzten können.

Viele Stimmstörungen treten erst nach Stimmbelastung auf. Dies kann z.B. bedeuten, dass eine Lehrerin beim Arzt berichtet, ihre Stimme sehr nicht mehr belastungsfä-hig. Wenn diese Untersuchung am Morgen stattfindet und die Patientin noch nicht unterrichtet, d.h. ihre Stimme eingesetzt hat, wird der Arzt möglicherweise bei einer Kehlkopfspiegelung keinen krankhaften Befund erheben können. Dies kann dazu führen, dass jemand mit einem Sprechberuf (Lehrer, Pfarrer etc.) zu Unrecht als Simulant verdächtigt wird.


Wodurch wird eine Stimmstörung ausgelöst?

Stimmstörungen können durch direkte und indirekte Schädigungen und Schädigungsfol-gender Stimmlippen (Fachausdruck: organogene Dysphonie, z.B. nach Schilddrüsenope-ration), durch falschen Stimmgebrauch (usogene Dysphonie, z.B. „Marktschreierstim-me“) oder durch psychische Faktoren (psychogene Dysphonie, mangelnde stimmliche Leistungsfähigkeit bei Depression) auftreten.

Wichtig: jede Stimmstörung, die länger als 2 bis 3 Wochen anhält, muss fachärztlich abgeklärt werden!

 

Wie diagnostiziert man eine Stimmstörung?

Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Patienten (biographische Anamnese, Berufsanamnese, Stimmgebrauch (Sprech- und Singstimme), respiratorische Belastung (irritativ, allergisch, toxisch), Allergien, Medikamenteneinnahme, anderweitige Erkrankungen, orientierender Psychostatus) wird ein sog. kompletter phoniatrischer Organstatus der Stimm- und Sprechwerkzeuge und der oberen Atemwege sowie der Ohren erhoben.

Dann erfolgt die störungsspezifische Untersuchung, u.a. mit einer endoskopischen Schwingungsanalyse und einer apparativen Stimmbeurteilung (Leistung und Stimmklang).


Wie wird eine Stimmstörung therapiert?

Man unterscheidet zwischen nichtoperativen (konservativen) und operativen Therapien.

Konservative Therapien beinhalten:
Anleitung und Training respiratorischer, phonatorische, artikulatorische und kommu-nikatorische Funktionen hinsichtlich Stimmproduktion, Respiration und laryngealer Ventilfunktion
Beratung und Anleitung zu stimmhygienischen Maßnahmen
Stimmtraining Sprechstimme
Stimmtraining Singstimme
Training zur besseren Wahrnehmung der eigenen Stimme
Verhaltenstraining
Beratung und Führung von Familienangehörigen und Begleitpersonen


Operative Maßnahmen sind z.B.:
(direkte und indirekte Eingriffe) im Kehlkopf
Injektionen
Implantationen
Kehlkopfgerüstoperationen wie z.B. Medialisierung einer Stimmlippe, Stimmlippenni-veauangleichung und -spannungsänderung
minimal-invasive phonochirurgische Eingriffe
geschlechtsumwandelnde Kehlkopfoperationen
Ersatzstimmoperationen nach Kehlkopfentfernung (z.B. Shuntventilprothesen)
Probeexzisionen zur histologischen Dignitätsbestimmung

ggfs. weiterhin erforderlich:
physikalische Therapie
Physiotherapie
Psychotherapie

 

Wie schnell kann man eine Stimmstörung therapieren?

Oft werden in der Sprechstunde Patienten vorstellig, bei denen die Stimmstörung sich über Jahre entwickelt hat. Wenn keine organische Ursache vorliegt (z.B. Stimmlippenpolyp) und eine Übungsbehandlung eingeleitet wird, muss man damit rechnen, dass sich die Stimme erst langsam wieder erholt. Dies gilt insbesondere für die Stimmstörungen, die aufgrund eines falschen Stimmgebrauchs entstanden sind. Zwar wird es häufig möglich sein, innerhalb weniger Therapiestunden (z.B. bei einer Logopädin), Techniken zu erlernen, die die Stimme besser klingen lassen. Die Schwie-rigkeit besteht aber in der regeln darin, dass diese Techniken auch in den Alltag übertragen werden müssen. Dies ist ein mühsamer Prozess, der Monate und Jahre in Anspruch nehmen kann.

 

Wer bezahlt die Therapien?

Diagnostiziert der Arzt eine Stimmstörung und verordnet eine Therapie durch eine Logopädin, wird die Krankenkasse die Kosten übernehmen. Hierzu erteilt die Kranken-kasse einen Kostenübernahmebescheid.

Nicht von der Krankenkasse werden die Kosten für Sprecherziehung, Rhetoriktraining und Gesangsunterricht übernommen.


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