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Schluckstörungen

Grundlagen des Schluckvorgang
Schlucken ist ein hochkomplexer physiologischer Vorgang, bei dem Speichel und Nahrung von der Mundhöhle in den Magen transportiert wird. Der Schluckprozeß ist teils willentlich steuerbar, teils wird er durch eine komplexe Reflexkette gesteuert. Während des Schluckens muß die Aktivität von 50 gepaarten Muskeln koordiniert werden. Man kann vier Phasen unterscheiden:

I. die orale Vorbereitungsphase, die dem Kauen und Vermischen der Speise mit Speichel dient. Diese ist vollständig willentlich steuerbar. In dieser Phase wird das Speisematerial zerkleinert. Gleichzeitig wird der schluckfertige Bissen (Bolus) richtig plaziert. Ebenfalls in dieser Phase wird das Essen hinsichtlich der Beschaffenheit (Geruch, Geschmack, Temperatur, etc.) analysiert.


II. die orale Phase, die die Bolusbeförderung über die hinteren Anteile der Zunge in den Oropharynx bis zur Auslösung des Schluckreflexes beinhaltet.


III. Die pharyngeale Phase dient der Beförderung des Bolus durch den Pharynx in den Ösophagus, gleichzeitig sind die Luftwege verschlossen. Die zugrundeliegende Bewegungskette ist reflexgesteuert. Alle Aktionen sind sehr eng miteinander gekoppelt und gut aufeinander abgestimmt.


IV. Die Ösophagus-Phase dient dem Bolus-Transport durch den Ösophagus in den Magen.

 

Für die Therapieplanung ist eine Untersuchung erforderlich. Bei dieser Untersuchung muss festgestellt werden, in welcher Phase Defiite vorhanden sind, d.h. wie genau der Schluckakt gestört ist.. 

 

Therapieverfahren

Therapeutische Bemühungen bei Schluckstörungen müssen, wie bei der Phonations- und Artikulationsrehabilitation, auf der genauen Kenntnis dessen beruhen, welcher Teil des Schluckvorgangs gestört ist. Darüber hinaus muß sicher differenziert werden, welche Aspekte der Störung durch operativ verursachte Substanzdefekte oder Innervationsstörungen verursacht sind.
Die therapeutischen Verfahren lassen sich in folgende Hauptgruppen einteilen:

 

 Übende Verfahren einschließlich verschiedener Stimulationsmethoden


Die übenden Verfahren haben die Restitution oder Kompensation der gestörten motorischen und sensomotorischen Funktionen zum Ziel. Hierzu sind z.B. die neurophysiologisch orientierten Behandlungsmethoden (entwicklungsneurologische Behandlung nach Bobath oder propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation nach Kabat, Knott und Voss sowie die sensorische Stimulation nach Rood)zu zählen. Grundlage der Behandlungsmethoden ist, daß der gewünschte Bewegungsablauf erleichtert und ungewünschte Reaktionen gehemmt werden. Eine relativ neue Methode ist die Biofeedback-Technik mit der Ableitung elektromyographischer Potentiale, die für den Patienten während des Schluckvorgangs sichtbar gemacht werden. Konventionelle Therapiemethoden dienen ebenso zum Anbahnen und Verbessern der Sprech- und Schluckbewegungen. Grundvoraussetzung der Anwendung der verschiedenen Verfahren ist die Ausgangslage, die den Muskeltonos normalisiert und unerwünschte Begleitreaktionen verhindert. Generell sind die Therapieverfahren dreistufig gegliedert:
• Stimuli
(Stimulation der Schleimhäute, Drucktapping an den Wangen, statischer Druck auf die Zungenspitze, streichender Druck auf den Zungenrücken, Pinseln am musculus zygomaticus, Wärmeapplikation u.a.)
• Mobilisationstechniken
(isotonische Kontraktionen durch Widerstand gegen eine dynamische Bewegung, isometrische Kontraktion durch Widerstand gegen einen statischen Halt, rhythmische Bewegungsinitiierung, Entspannungstechniken und andere).
• Autonome Bewegungsübungen
(motorische Funktionsübungen, pragmatische Übungen, Sprech-Atem-Stimmübungen)

Generell wird das Schlucktraining in 10 Schritten durchgeführt:
1. Haltungsmuster
2. vorbereitende Übungen
3. Abbau pathologischer Reflexaktivitäten
4. Stimulation des Schluckreflexes
5. orofaziale Bewegung
6. Kieferbewegungen
7. Zungenmotorik
8. Velumfunktion
9. laryngeale Adduktion
10.Larynxelevation

 

Kompensatorische Maßnahmen einschließlich verschiedener Hilfsmittel


Hierbei handelt es sich um Verfahren, die das Schlucken erleichtern sollen, ohne auf die erkannte oder vermutete Ursache des neuromuskulären Defektes einzuwirken. Man unterscheidet folgende Schwerpunkte:

Diätetische Maßnahmen
Über das bewußte Einsetzen von Nahrungsmitteln mit verschiedenen Fließ- und Formbarkeiten soll der Nahrungstransport beeinflußt werden.

Plazierung der Nahrung
Hierbei kann je nach Anwendung der Nahrungstransport oder die Reflexauslösung beeinflußt werden.

 Haltungsänderung
Durch Einwirken der Schwerkraftverhältnisse soll der Nahrungstransport begünstigt werden.

Supraglottisches Schlucken
Hierbei wird willkürlich angeatmet, um dadurch einen Kehlkopfschluß zu erreichen, nach dem Schluckreflex wird sofort abgehustet, um die Speise aus dem Larynx zu befördern.

Mendelsohn Manöver
Der Patient erlernt die Wahrnehmung und Verlängerung der Larynxelevation während des Schluckaktes. Hierdurch wird die Zungenschubkraft erhöht und die cricopharyngeale und ösophageale Öffnung verlängert.

 Hilfsmittel
Es wurden verschiedene Trink- und Eßhilfen vorgeschlagen, die den Patienten mit Dysphagie die Nahrungsaufnahme erleichtern sollen. Hierzu zählen z.B. die Flasche nach Ramsey mit Schlauch und Mundstück bzw. mit einem Sauger, Plastikbecher mit Mundstück, die sogenannte Schnabeltasse, griffverstärkte Essbestecke, angewinkelte Bestecke u.a.


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