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Klinische Versorgung

 

Radioaktive Diagnostika und Therapeutika sind Arzneimittel wie "normale", nicht radioaktive Arzneimittel auch und unterliegen daher prinzipiell denselben gesetzlichen Bestimmungen und Anforderungen an Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Mit diesen Anforderungen gehen bestimmte verbindliche Regeln einher, wie und unter welchen Umständen Arzneimittel hergestellt werden dürfen.

 

Der Beachtung und vor allem der fachlich einwandfreien Umsetzung dieser Regeln kommt im Bereich der Nuklearmedizin besondere Bedeutung zu, da radioaktive Arzneimittel vor allem wegen ihrer kurzen Lebensdauer nicht, wie beispielsweise in einer Apotheke sonst üblich, gelagert und bei Bedarf kurzfristig "aus dem Regal" abgegeben werden können. Außerdem spielen diverse Aspekte des Strahlenschutzes eine wesentliche Rolle.

 

Praktisch bedeutet das, dass radioaktive Arzneimittel vor jeder Untersuchung bzw. Therapie erst hergestellt und patientenindividuell dosiert werden müssen. Dies ist Hauptaufgabe und Kernkompetenz der Radiopharmazeutischen Chemie. Um den gesetzlichen Anforderungen zur Herstellung von Arzneimitteln dabei gerecht zu werden, etablieren wir im Zuge des Um- und Neubaus von Laboren und Reinraum-Herstellungsbereichen den höchstmöglichen, international anerkannten Qualitätsstandard, das sogenannte GMP ("Good Manufacturing Practice"), der auch für die pharmazeutische Industrie gilt.

 

Für die PET-Radiopharmaka [18F]FDG und [18F]NaF besitzen wir die Herstellerlaubnis nach §13 AMG. In den Bereichen, die noch nicht endgültig voll GMP-konform betrieben werden können, stellen wir die benötigten Radiopharmaka mit größtmöglicher Sorgfalt und Fachkompetenz unter direkter Verantwortung des Arztes nach §13(2b) AMG her.

  • SPECT: Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie

       

    Hinter diesem komplizierten Begriff, der in der Fachwelt meist nur mit SPECT abgekürzt wird (von engl. "Single-Photon-Emission Computed Tomography"), verbirgt sich das wichtigste und meist angewandte bildgebende Verfahren der Nuklearmedizin. Mit ihm können viele unterschiedliche Krankheitsbilder und Symptome untersucht werden. In der Regel wird dafür ein Arzneimittel verabreicht, an das das radioaktive Metall Technetium gekoppelt wurde. Die Verteilung des Arzneimittels im Körper kann dann durch Aufnahmen des Patienten mit speziellen Kameras, die die vom Technetium ausgesandte Gamma-Strahlung erfassen, von außen gemessen werden. Dadurch werden Rückschlüsse auf den Zustand des Patienten hinsichtlich der klinischen Fragestellung möglich. Neben Technetium kommen in selteneren Fällen auch radioaktive Isotope anderer Elemente zum Einsatz, wie etwa Indium, Chrom oder Iod.

     

    Bei radioaktiven Arzneimitteln für die SPECT handelt es sich in der Regel um von der Industrie gefertigte, kommerziell erhältliche Vorstufen, die im Heißlabor der Radiopharmazeutischen Chemie von qualifizierten Personal fachgerecht mit Radioaktivität markiert, patientenindividuell dosiert und als applikationsfertige Zubereitung an das medizinische Personal abgegeben werden.

     

    Das genaue Leistungsspektrum an SPECT-Untersuchungen unserer Klinik finden Sie hier.

  • PET: Positronen-Emissions-Tomographie

      

    Die prinzipelle Funktionsweise der Positronen-Emissions-Tomographie ist ähnlich der SPECT: dem Patienten wird ein radioaktives Arzneimittel verabreicht, dessen Schicksal im Körper von außen durch das Aufnehmen mit einer entsprechenden Kamera verfolgt werden kann - jedoch ist die Bildgebung mittels PET empfindlicher und hochauflösender und daher für bestimmte Untersuchungen und Fragestellungen besonders geeignet. Dieser Umstand ist der Tatsche geschuldet, dass besondere radioaktive Nuklide, sog. ß+-Strahler (oder auch "Positronstrahler", daher der Name der Methode), verwendet werden.

      

    Für die Gewinnung der meisten für die PET in Frage kommenden Positronstrahler benötigt man ein Zyklotron, da viele von ihnen sehr kurzlebig sind und sofort nach Erzeugung zu einem radioaktiven Arzneimittel verarbeitet werden müssen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, dass (fast) jedes radioaktive Arzneimittel vor einer PET-Untersuchung direkt vor Ort patientenindividuell hergestellt und dosiert werden muss. Das Team des PET-Labors der Radiopharmazeutischen Chemie ist dafür zuständig und bietet in der Routineversorgung folgende Nuklide bzw. radioaktive Arzneimittel an:

     

    Fluor-18:

    [18F]Fludeoxyglucose (FDG), ein universeller Marker für Entzündungen und Tumore / Metastasen

    [18F]Fluorethyltyrosin (FET), ein spezieller Marker für Hirntumore

    [18F]FluoroDOPA (F-DOPA), ein Marker für den Dopaminstoffwechsel im Hirn, z.B. bei Morbus Parkinson

    [18F]Natriumfluorid (NaF), ein Marker für den Knochenstoffwechsel

     

    Gallium-68:

    [68Ga]GaDOTA-TATE, ein Marker für neuroendokrine Tumore

    [68Ga]GaPSMA-11, ein spezieller Marker für Prostatakarzinome

    [68Ga]GaDOTA-Pentixafor, ein spezieller Entzündungs- und Tumormarker

     

    Das genaue Leistungsspektrum an PET-Untersuchungen unserer Klinik finden Sie hier.

  • Radionuklid-Therapie

     

    Unter dem Begriff Radionuklid-Therapie versteht man das Veröden krankhaften Gewebes mittels Radioaktivität, und zwar  - im Gegensatz zur Strahlentherapie  - von innen durch Verabreichung eines radioaktiven Arzneimittels, das sich an das krankhafte Gewebe "anlagert" und dort Strahlung geeigneter Art und Energie abgibt. Durch verschiedene, an das jeweilige Krankheitsbild angepasste Radiopharmaka kann sehr gezielt nur das krankhafte Gewebe effektiv behandelt werden, während gesundes Gewebe weitestgehend geschont wird.

     

    Zum Leistungsspektrum unserer Klinik gehört die sogenannte Radioiod-Therapie mit [131I]Natriumiodid (NaI) in Kapselform zur Behandlung diverser überfunktionaler Schilddrüsenerkrankungen. Sie erfolgt in der Regel stationär auf der seit 2013 wiedereröffneten Therapiestation 75. Nach umfangreichen Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen der Radiopharmazeutischen Chemie wir dort seit September 2016 außerdem auch wieder die sogenannte PRRT ("Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie") zur gezielten Behandlung neuroendokriner Tumore sowie des metastasierten Prostata-Karzinoms (PSMA-Therapie) mit dem Betastrahler Lutetium-177 durchgeführt.

     

    Seit 2013 kann ebenfalls unter stationärer Aufnahme und in Zusammenarbeit mit der Klinik für diagnostische und interventionelle Radiologie sowie der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie der MHH die sogenannte SIRT ("Selektive interne Radiotherapie") mit dem hochenergetischen Betastrahler Yttrium-90 zur Behandlung bösartiger Lebertumore angeboten werden.

     

    Neben den stationär durchgeführten Therapien ist bei gegebener Indikation die ambulante Therapie von Knochenmetastasen bei Prostatakarzinom mit dem Alphastrahler Radium-223 (zugelassenes Medikament Xofigo®) möglich. Durch die zwar hoch energetische, aber in ihrer Reichweite sehr begrenzte Alphastrahlung, die den Körper des Patienten nicht nach außen verlassen kann, ist ein stationärer Aufenthalt nach Injektion der Radioaktivität nicht erforderlich.

     

    Weiterführende Informationen zu den Angeboten im Bereich der Radionuklid-Therapie unserer Klinik wie Kontaktdaten zur Terminvergabe, benötigte Unterlagen etc. finden Sie hier.