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Preise und Auszeichnungen

2014

PD Dr. Sandra Steffens

2014 erhielt Frau PD Dr. Sandra Steffens die MHH-Fördermittel in Höhe von 5.000 € für ein Forschungsprojekt aus dem Bereich der geschlechtersensiblen Medizin.

 

Uroonkologische Untersuchung zum Einfluss des Geschlechtes auf die Therapie von Nierenzellkarzinom: Erhalten Männer eine schonendere operative Behandlung als Frauen?

 

Das Nierenzellkarzinom wird weltweit pro Jahr bei etwa 209.000 Patientinnen und Patienten neu diagnostiziert, circa 102.000 betroffene Personen versterben pro Jahr an dieser Erkrankung. Damit ist das Nierenzellkarzinom der dritthäufigste urologische Tumor. Männer sind häufiger vom Nierenkarzinomen betroffen als Frauen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 6.000 Frauen und 10.000 Männer neu an einem Nierenzellkrebs. Darüber hinaus zeigen sich bei Männern häufiger größere Tumore, die auch aggressiver sind, als diejenigen der weiblichen Patienten. Die bislang einzig wirksame Behandlung bei einer lokalisierten Erkrankung liegt bei beiden Geschlechtern in der operativen Entfernung des Tumors. Dies geschieht entweder nierenerhaltend oder als komplette Entfernung der betroffenen Niere, wenn aufgrund der anatomischen Lage des Tumors keine partielle Nephrektomie durchgeführt wird. Ziel der Therapie ist es, für den Patienten oder die Patientin möglichst viel Nierengewebe und damit Nierenfunktion bei der Operation zu erhalten (jedes Nephron zählt).

 

Bei der klinischen Versorgung von mit Nierenzellkarzinomen erkrankten Personen ergab sich in einer vorherigen Untersuchung der überraschende Eindruck, dass Männer häufiger eine nierenerhaltende Operation erhalten haben als Frauen, obwohl Männer häufiger größere und aggressivere Tumoren haben als Frauen.

 

Das Ziel des geförderten Forschungsvorhabens ist es deshalb herauszufinden, ob das operative Vorgehen bei Nierenkarzinomen von dem Geschlecht der betroffenen Person oder von den Tumorcharakteristika (Größe, Lage, Grading) abhängig ist.

 

Diese Fragestellung soll anhand einer etablierten Datenbank, in der Patientinnen und Patienten mit einem Nierenzellkarzinom, die an der MHH in den Jahren 1991-2008 operativ behandelt wurden, retrospektiv beantwortet werden. Insgesamt konnten bis zum Jahre 2005 bereits 1091 erkrankte Personen eingeschlossen werden. Der erfasste Nachsorgezeitraum geht gegenwärtig bis 2013. Dazu wird die Datenbank im Rahmen des Forschungsvorhabens um diejenigen Betroffenen, die in den Jahren 2005 bis dato an der MHH operiert wurden, erweitert. Darüber hinaus sollen 5-Jahres-Cluster gebildet werden, um einen möglichen "Shift" in der operativen Therapie je nach Geschlecht zu erkennen. Damit kann dann insgesamt auf ein geschätztes Kollektiv von ca. 2000 Patientinnen und Patienten mit Nierenzellkarzinom zugegriffen und die Fragestellung an diesem großen Kollektiv bearbeitet werden.

2012

Dr. Marcel Sieberer

Herr Dr. Marcel Sieberer (klin. Psychiatrie) erhielt von der Kommission für Gleichstellung der MHH für das Forschungsvorhaben "Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Psychopharmakotherapie von Depression bei stationär psychiatrisch behandelten Patientinnen und Patienten" 5.000 € aus einer Spende zur Förderung der geschlechtersensiblen Medizin.

 

 

Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Psychopharmakotherapie von Depressionen

 

Die Ergebnisse einer Auswertung von Krankenkassenroutinedaten (Glaeske et al. 2012) haben im vergangenen Jahr in der Fachöffentlichkeit zu einer kontroversen Diskussion darüber geführt, ob Frauen möglicherweise eher unspezifisch oder häufiger ohne vorliegende Indikation mit Psychopharmaka behandelt werden. Seitens der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN), der hierzulande größten wissenschaftlichen psychiatrischen Fachgesellschaft, wurde dieser These zwar scharf widersprochen (Gründer et al., 2012), bisher liegen aber keine aussagekräftigen Daten vor, mit denen wissenschaftlich haltbar in die eine oder in die andere Richtung argumentiert werden könnte. Bisherige Untersuchungen deuten mehrheitlich zwar auf mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede der Versorgung mit bzw. bei der Verordnung von Psychopharmaka für Patientinnen und Patienten mit Depressionen hin. Dabei blieb bisher aber immer unbeantwortet, inwieweit die geschlechtsunterschiedliche Häufigkeit von Depressionen für diese Beobachtungen hauptverantwortlich ist.

 

Ziel des auf Antrag geförderten Forschungsvorhabens ist es, mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede in der medikamentösen Behandlung depressiver Störungen bei Patientinnen und Patienten aufzudecken. Einerseits soll dabei geklärt werden, ob Patientinnen mit Depressionen in stationärer Behandlung tatsächlich zu einem höheren Prozentsatz mit Antidepressiva behandelt werden und, ob Frauen häufiger polypharmazeutisch (d. h. durch zwei oder mehr Psychopharmaka in Kombination), mit anderen Dosierungen oder vorzugsweise mit anderen Präparaten und Wirkstoffklassen (z. B. häufiger Benzodiazepine, häufiger ältere Wirkstoffe, usw.) behandelt werden als männliche Patienten.

 

Zur Beantwortung der Fragestellung wird eine retrospektive Analyse von Behandlungsdaten erfolgen. Dazu hat der Projektleiter inzwischen die Möglichkeit erhalten, auf die deutschlandweit größte Datenbank über Verordnungen von Psychopharmaka bei Patientinnen und Patienten in stationärer psychiatrischer Behandlung zuzugreifen. Die vorliegenden Daten erlauben, die Praxis der Psychopharmakaverordnung in über 60 Kliniken in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter den Gesichtspunkten der Behandlungsdiagnose, der verordneten Medikamente, Dosierungen und von Alter und Geschlecht retrospektiv über einen mehrjährigen Zeitraum zu analysieren. Die ersten Ergebnisse werden voraussichtlich bis Mitte des laufenden Jahres vorliegen und hoffentlich einen substanziellen Beitrag zu der Diskussion um geschlechterspezifische Unterschiede in der Psychopharmakotherapie liefern können.

 

PD Dr. Marcel Sieberer

(Projektleiter)

 

 

 

 

2010

Prof'in Meike Stiesch, Dr. Thorben König, Dr. Bärbel Miemietz (v.l.)

 

Am 3. September 2010 wurde zum ersten Mal der "Dissertationspreis für geschlechtersensible Medizin" an der MHH vergeben.

 

Nachstehend die Laudatio von Professorin Meike Stiesch, Leiterin der MHH-Klinik für Zahnärztliche Prothetik und biomedizinische Werkstoffkunde und Vorsitzende der Senatskommission für Gleichstellung:

 

"Ich freue mich sehr, dass wir  heute-  zum ersten Mal in der Geschichte der  MHH – einen Dissertationspreis für geschlechtersensible Medizin verleihen können. Der Preis konnte dank einer Spende eingerichtet werden und ist mit 5000 EUR dotiert. Eine solche Initiative kann sicherlich einen Beitrag dazu leisten, die Forschung in diese Richtung auch in der Zukunft weiter zu unterstützen.

 

In die Auswahl für den Dissertationspreis wurden Arbeiten einbezogen, die medizinische Themen im Hinblick auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Geschlechtern theoretisch und methodisch konsequent aufgearbeitet haben. Die  Auswahl erfolgte von der MHH Senatskommission für Gleichstellung in Verbindung mit dem Kompetenzzentrum für geschlechtersensible Medizin an der MHH.

 

Der Preis wird in diesem Jahr verliehen an Herrn Dr. Thorben König, geboren am 17.2.1981 in Hamburg. Herr König hat an der MHH Humanmedizin studiert und im November 2007 seine Approbation als Arzt erhalten. Seitdem ist er in der Klinik für Kardiologie und Angiologie der MHH Hannover tätig. Herr König war zudem Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. 

 

Die mit dem Dissertationspreis ausgezeichnete Arbeit von Herrn Dr. König hat den Titel: „Einfluss der Androgendefizienz auf die kardiale Elektrophysiologie der Maus“, befasst sich also mit geschlechterspezifischen Unterschieden bei kardialen Erkrankungen, die er in einem von ihm etablierten Mausmodell untersucht. 

 

Von großer Bedeutung in dieser Dissertation sind insbesondere die Ergebnisse bezüglich des Einflusses von Geschlechtshormonen auf Befunde im Elektrokardiogramm. Seine Ergebnisse zeigen, dass Frauen ein größeres Risiko für eine bestimmte lebensbedrohliche Arrythmie aufweisen als Männer. Die vorgelegte Arbeit stellt somit einen wichtigen Schritt für das Verständnis geschlechterspezifischer Unterschiede bei kardialen Erkrankungen dar und gibt damit wertvolle Hinweise im Hinblick auf die Risikoeinschätzung sowie auf die Prophylaxe und Therapie dieser Erkrankungen.   

 

Herr König hat seine Bewerbung um den Preis folgendermaßen überschrieben „Ungleich behandeln um gleiches zu erreichen“ ein gutes Motto für die geschlechterspezifische Medizin, die darauf abzielt, bei weiblichen und männlichen Patienten trotz möglicherweise unterschiedlicher Ausgangsvoraussetzungen ein vergleichbar gutes Therapieergebnis zu erzielen.    

 

Herr König, ich danke Ihnen für diesen wesentlichen Beitrag zur geschlechtersensibeln Forschung, gratuliere Ihnen ganz herzlich und wünsche Ihnen für Ihre Zukunft als Arzt und Forscher - hoffentlich weiter auf diesem Forschungsgebiet -  alles Gute."

 

Prof'in Dr. Meike Stiesch