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Kinderaudiometrie

 

In den 50er Jahren galt der Grundsatz, dass ein hörgestörtes Kind erst dann mit einer individuellen Hörhilfe zu versorgen sei, wenn es bereits gut zu sprechen gelernt habe. Durch eine solche Spätversorgung wollte man das hörgestörte Kind vor der eigenen, durch die Schwerhörigkeit unvollkommenen Sprache schützen. Eine Früherkennung von Hörstörungen war also, wegen der ohnehin durchgeführten Spätversorgung, nicht erforderlich (17).
Gerade im Hinblick auf den Spracherwerb, aber auch im Hinblick auf die emotionale und soziale Entwicklung des Kindes hat sich diese Einstellung grundlegend geändert. Heute gilt, dass eine Schwerhörigkeit möglichst früh, das heißt zeitnah zum Einsetzen der Schwerhörigkeit, erkannt werden und entsprechend behandelt werden soll(4, 11, 21, 26).
Der Wandel in dieser Ansicht ist im wesentlichen auf die zunehmende Kenntnis über die funktionelle und morphologische Ausreifung des auditorischen Systems zurückzuführen: Es wird heute geschätzt, dass bei Geburt ca. 70 % aller Verschaltungen vom Nervensystem vorprogrammiert sind, dass aber die restlichen 30 % der Nervenzellverschaltungen noch durch äußere Faktoren beeinflussbar sind. Für das Hörorgan bedeutet dies, dass auf die restlichen 30 % der funktionell bedeutsamen Nervenzellkontakte durch eine entsprechende akustische Stimulation Einfluss genommen werden kann. Man geht heute davon aus, dass zwar das periphere Hörorgan im Innenohr, das den Schallreiz in Nervenimpulse umsetzt, bei Geburt ausgereift ist. Die Ausreifung des zentralen auditorischen Systems dauert dagegen viel länger, wesentliche Teile der Ausreifung sind erst mit dem zweiten Lebensjahr abgeschlossen. Für das auditorische System gibt es eine Reihe von experimentellen und klinischen Befunden, die belegen, dass bei einer effektiven Frühversorgung mit konsekutiver Frührehabilitation eine Nachreifung des zentralen auditorischen Systems stattfinden kann (Übersicht bei 19). Daraus folgt, dass bei Kindern mit einer angeborenen beidseitigen Innenohrschwerhörigkeit oder permanenten Mittelohrschwerhörigkeit die erste Hörgeräteversorgung mit dem 6 Lebensmonat abgeschlossen sein sollte. Damit ist dann auch die Grundlage für eine eventuelle Versorgung mit einem Cochlear Implant geschaffen, sofern das Kind trotz Hörgeräten keine Reaktionen auf akustische Reize zeigt.

 

Derzeitiger Stand der Früherkennung

Während es heute also einhellige Meinung ist, dass man eine Schwerhörigkeit so bald wie möglich erkennen muss, sind die Zahlen zur tatsächlichen „Früherkennung“ in Deutschland erschreckend (6-8):

So ergibt sich der erste Verdacht auf eine Hörminderung bei Kindern mit hochgradiger Schwerhörigkeit durchschnittlich mit 9 Monaten, die ärztliche Bestätigung erfolgt mit 25 Monaten und die erste Hörgeräteversorgung erst mit 27 Monaten.

Bei einer mittelgradigen Schwerhörigkeit ergibt sich der erste Verdacht mit 34 Monaten, die ärztliche Bestätigung mit 52 Monaten und die erste Hörgeräteversorgung erfolgt mit 56 Monaten.
Methoden der Diagnostik
Seit langem wird versucht, die Früherkennung kindlicher Schwerhörigkeiten zu verbessern. Hierbei wurde insbesondere diskutiert, bei welchen Kindern eine Überprüfung des Hörvermögens sinnvoll ist und mit welchen Methoden diese Überprüfung durchgeführt werden soll.

Hierbei muss man sich vergegenwärtigen, dass Hören ein hochkomplexer Vorgang ist. Dieser komplexe Vorgang kann, auch in diagnostischer und therapeutischer Hinsicht, grob in folgende Teilfunktionen unterteilt werden (18):
1. Im äußeren Ohr (Ohrmuschel und Gehörgang) wird das Schallsignal auf das Trommelfell geleitet. Hierbei kommt es zu einer Modifizierung des Frequenz-Intensitätsverhältnisses des ursprünglichen Schallsignals.
2. Am Trommelfell als Grenze zwischen äußerem Ohr und Mittelohr wird das Schallsignal von einem Luftschall in einen Körperschall umgewandelt.
3. Im Mittelohr wird der Körperschall zum Innenohr transportiert. Die spezielle Anordnung des Trommelfells und der Gehörknöchelchen bewirkt neben einer Vorverstärkung eine Impedanzanpassung vom akustische Widerstand der Luft zum akustischen Widerstand der Innenohrflüssigkeiten.
4. Im Innenohr wird zunächst die mechanische Energie des Schallsignals nochmals aktiv verstärkt (elektromechanische Transduktion) und anschließend in bioelektrische Energie (Nervenimpulse - mechanoelektrische Transduktion) umgewandelt (28).
5. Die Impulse werden im Hörnerven zum Nucleus cochlearis im Hirnstamm weitergeleitet.
6. Im Hirnstamm werden akustisch evozierte Nervenimpulse verarbeitet (Kodierung von Frequenz, Intensität, Phase und Stimulationszeit, Signal-Merkmalsextraktion).
7. Dem auditorischen Kortex (primäre, sekundäre und tertiäre Felder) werden die Funktionen Laut- und Geräuschempfindung, Klang- und Wortverständnis, akustische Aufmerksamkeit und Speicherung von Wort-, Musik- und Sprachinhalten zugeschrieben.
Bei einer Hörstörung können alle Teilfunktionen einzeln oder in Kombination betroffen sein. Grob orientierend spricht man von einer Schallleitungsschwerhörigkeit, wenn der Schalltransport bis zum ovalen Fenster gestört ist. Ist die Umwandlung der mechanischen Energie des Schalls in ein bioelektrisches Signal gestört, spricht man von einer Schallempfindungsschwerhörigkeit. Unter einer auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (zentralen Hörstörung) versteht man die Störung der Verarbeitung (Hirnstammniveau) und Wahrnehmung (höhere auditorische Funktionen unter Einbeziehung kognitiver Funktionen) dieser nervalen Impulse (20).

Störungen des Schalltransports bis zum Trommelfell sind durch Inspektion i.d.R. problemlos zu erkennen, dagegen ist die Erkennung mittel- oder innenohrbedingter Schwerhörigkeiten deutlich schwieriger. Mit subjektiven Hörtests (s.u.) wird auch immer teilweise die auditive Verarbeitung und Wahrnehmung mit geprüft.

Grundsätzlich kann man sog. subjektive und objektive Hörtests unterscheiden. Subjektive Hörtests beruhen alle im Prinzip darauf, dass dem Kind ein Schallreiz angeboten wird. Vom Untersucher wird dann die Reaktion des Kindes beobachtet und bewertet. Bei Neugeborenen wird hierfür z.B. der Schreckreflex beobachtet.

 

Subjektive Methoden
Ein klassisches Beispiel für die subjektive Audiometrie ist die Ablenkaudiometrie: Hierbei spielt zunächst ein Kind mit einen einfachen Spielzeug. Wichtig ist, dass die Aufmerksamkeit des Kindes dabei nicht zu sehr in Anspruch genommen wird. Dann hört das Kind einen vorher genau vermessenen Schallreiz, z.B. ein geeignetes Kinderlied, das in bestimmten Frequenzbereichen geregelt ist. Hört das Kind diesen Schallreiz, wird es in der Regel abgelenkt, d.h. es lauscht auf den Schallreiz. Die Reaktion eines Kindes bzw. die Ablenkbarkeit des Kindes wird beobachtet und protokolliert.
Für ältere Kinder werden spielaudiometrische bzw. verhaltensaudiometrische Verfahren eingesetzt. Für einige dieser Verfahren werden die Kinder vor dem eigentlichen Hörtest konditioniert: in dieser Phase lernen sie, daß, gleichzeitig mit einem Schallreiz, auf einem links bzw. rechts von ihnen angebrachten Bildschirm ein Dia aufleuchtet. In der eigentlichen Testphase ertönt zunächst von rechts oder links der Schallreiz. Wenn dann die Kinder den Kopf zur richtigen Seite wenden, werden sie mit einem Dia „belohnt“. Die Wahl des „richtigen“ subjektiven Verfahrens erfordert, dass man sich zunächst einen Eindruck vom Entwicklungsstand des Kindes macht und richtet sich dann nach der intellektuellen Reife des Kindes und keineswegs nur nach dem biologischen Alter.

Ein Ergebnis der subjektiven Audiometrie sollte immer durch ein Ergebnis eines objektiven Hörtests gestützt sein.

 

Objektive Methoden
Objektive Hörtest sind keine wirklich objektiven Hörtests, sie erfordern lediglich keine Mitarbeit des Kindes. Bei den meisten sog. objektiven Hörtests ist es sogar von Vorteil, wenn das Kind schläft. Die Schallreiz-Darbietung erfolgt (halb-)automatisch, gleichzeitig werden bestimmte neurobiologische Reaktionen registriert. Auch hier erfordert die Bewertung der registrierten Biosignal-Antworten auf den Schallreiz große Erfahrung, insbesondere wenn die Reizantwort durch die durch Muskelaktivitäten hervorgerufenen elektrischen Signale überlagert ist. Bekannte objektive Hörtests sind die Stapediusreflexmessung und die Hirnstammaudiometrie. Bei der Stapediusreflexmessung handelt es sich um die Messung einer Muskelbewegung (Steigbügelmuskel = Musculus stapedius) im Mittelohr.
Bei der Hirnstammaudiometrie werden die Hirnstromänderungen nach einem Schallreiz (i.d.R. einem kurzen Klickreiz, der gleichzeitig viele Frequenzen enthält) gemessen. Dieses Verfahren gilt von allen objektiven Audiometrien als genaueste Methode und wird deshalb in vielen Untersuchungen als Referenzmethode bezeichnet.

Eine weitere objektive Hörprüfung ist die Messung der evozierten otoakustischen Emissionen. Nach entsprechender akustischer Stimulation lassen sich im Gehörgang mit hochempfindlichen Mikrophonen Reizantworten messen. Diese auf einen Schallstimulus entstehenden akustischen Antworten gelten als Epiphänomen der Aktivität äußerer Haarzellen, einer funktionell wichtigen neuroepithepialen Struktur im Innenohr.
Der Messvorgang ist von der Messtheorie recht kompliziert.  Die transitorisch evozierten otoakustischen Emissionen (TEOAE) werden, ähnlich wie bei der Hirnstammaudiometrie, mit einem Klick evoziert.
Bei den Distorsionsprodukt – otoakustischen Emissionen (DPOAE) macht man sich zunutze, dass das Innenohr ein nichtlinear arbeitendes Verstärkungssystem ist und dass sogenannte Verzerrungsprodukte auftreten. Ähnliches ist als Klirrfaktor von Stereoanlagen bekannt. Prinzipiell stimuliert man mit zwei Primärfrequenzen f1 und f2, die im Verhältnis 1:1,3 stehen und misst dann das Verzerrungsprodukt, welches die höchste Intensität bei 2f1-f2 hat.

Vorteil dieses Verfahrens ist es, dass man frequenzspezifisch die Funktionstüchtigkeit des Innenohres überprüfen kann.

 

Zeitpunkt der Diagnostik
Grundsätzlich muss zwischen angeborenen und erworbenen frühkindlichen Schwerhörigkeiten unterschieden werden.

Um angeborene Schwerhörigkeiten frühzeitig zu entdecken, werden heute, da eine komplette Überprüfung des Hörvermögens bei allen Neugeborenen nicht praktikabel ist, Siebtestverfahren eingesetzt mit denen die Kinder erkannt werden sollen, bei denen eine aufwändige komplette Diagnostik erfolgen muss. Die Orientierung an Risikokatalogen (d.h. nur bei Neugeborenen mit entsprechenden Risikofaktoren, s. Tab. 1) hat sich nicht bewährt, da so nur ca. 50 % aller Schwerhörigen erfasst werden (3). Bei Vorliegen von Risikofaktoren und wenn die Eltern meinen, dass Kind höre nicht richtig, muss allerdings immer eine genaue Überprüfung des Hörvermögens durchgeführt werden.

 

Screeningverfahren
In den 50er Jahren sind solche Hörtests unter Verwendung von Musikinstrumenten und Klangkörpern (Ewing - Instrumente) vorgeschlagen worden. Heute weiß man, dass diese Instrumente nicht nur nicht zuverlässig sind, sondern u.U. auch gefährlich, weil sie kurzzeitig hohe Schallintensitäten erzeugen können, die in der Lage sind, die empfindlichen Innenohrzellen zu schädigen (23).
Derzeit werden hauptsächlich zwei Verfahren als geeignet für eine Screening - Audiometrie diskutiert (2, 5, 10, 12, 14-16, 27):
• die halbautomatisierte Hirnstammaudiometrie (im Gegensatz zu der o.a. Methode wird hier eine andere Klickreizfolge bzw. Anordnung gewählt) und
• die Messung otoakustischer Emissionen.

Zusätzlich wird ein 2- Stufen – Screening (erst OAE, dann BERA) vorgeschlagen.
Bei diesen Verfahren scheinen limitierende Faktoren, die sich aus der unterschiedlichen Erfahrung der Untersucher mit der Interpretation nicht automatisierter Messungen ergeben, eliminiert zu sein.
Dennoch hängt die Qualität des Screenings nicht nur vom gewählten Messverfahren ab, sondern auch von seiner technischen Realisation, von der Präzision und Routine der praktischen Durchführung durch das beauftragte Personal und von Störfaktoren aus der räumlichen Umgebung des Screenings (16). Wenn diese Faktoren nicht beherrscht werden, kann sogar ein mit Enthusiasmus begonnenes Screening-Programm (22) letztendlich an praktischen Problemen und zu hohen Kosten scheitern (9).

Screening-Verfahren müssen, wie andere medizinische Maßnahmen, sicher und effektiv sein und sollten zudem kostengünstig sein. Um dies abzuschätzen, können eine Reihe von Parametern herangezogen werden (Sensitivität, Spezifität, Erfassungsgrad, Kosten pro erkanntem Schwerhörigkeitsfall, Kosten pro untersuchtem Kind, Überweisungsrate (referral rate) etc.. Die Angaben zu den verschiedenen Methoden bzw. der verschiedenen Screeningprogramme differieren derzeit noch erheblich.

Zur Berechnung von Sensitivität und Spezifität ist es notwendig, alle Screening-Messungen mit einem anerkannten Referenzverfahren - meist eine Ableitung früher akustisch evozierter Potentiale mit diagnostischer Qualität - zu vergleichen(1, 24). Solche Studien sind natürlich aufwendiger als andere, da mehrere Messungen pro Individuum durchgeführt werden müssen. Deshalb schließen solche Studien typischerweise viel weniger Individuen ein als Studien ohne direkten Methodenvergleich einschließlich einer Referenz. Auf der Habenseite ist aber zu verzeichnen, dass Berechnungen von Sensitivität und Spezifität möglich werden, die ohne direkten Methodenvergleich - obwohl publiziert (13, 25) - eigentlich wissenschaftlich nicht zulässig sind; wenn nur die auffälligen Screening- Ergebnisse mit der Referenz kontrolliert werden, ist lediglich die Angabe einer Nachuntersuchungsrate ("referral rate") möglich.

Um die Berechnung von Sensitivität und Spezifität bei einer geringen Fallzahl bei gleichzeitig geringer Prävalenz in der Grundgesamtheit (1-2/1000) zu ermöglichen, muss die Prävalenz in der Studie durch "case-mix" erhöht werden (1). Dies bedeutet, dass in eine solche Studie vermehrt Kinder mit Risikofaktoren für Hörstörungen aufgenommen werden müssen, um die Wahrscheinlichkeit für auffällige Hörbefunde zu steigern.
Die Ergebnisse methodenvergleichender Studien hängen stark von der Auswahl der Referenzverfahren ab, insbesondere aber von der Übereinstimmung der untersuchten Hörfrequenzbereiche von Screening- und Referenzmethode. Wie eine Studie von Reuter et al. zeigte, ist diese Übereinstimmung nicht immer gegeben und kann sich besonders auf die Spezifität der Screeningmethode negativ auswirken (24).

Die enormen Fortschritte bezüglich der Technik der verwendeten Screeninggeräte dürfen keinesfalls zu einem sorglosen Umgang mit den ggf. trotzdem bestehenden Zweifeln der Eltern am Hörvermögen ihres Kindes verleiten lassen: so wurde z.B. in unserer Klinik ein Kind im Alter von 8 Wochen als beidseitig hochgradig schwerhörig identifiziert, bei dem im Rahmen eines Neugeborenen-Hörscreening Modellprojekts im Raum Hannover auf beiden Ohren (!) das TEOAE-Screening unauffällig ausgefallen war, die Eltern allerdings trotzdem den Verdacht hatten, ihr Kind reagiere nicht auf akustische Reize.
Ausblick
Betrachtet man die Möglichkeiten zur sicheren Erfassung ein Hörstörung, und die derzeitige Realität der Früherfassung von Hörstörungen, so fällt eine deutliche Diskrepanz auf. Dies mag zum einen daran liegen, dass die benötigten audiometrischen Geräte teuer sind und nicht genug Pädaudiologen zur Verfügung stehen, um die Messungen selbst durchführen. Hier biete sich als Ausweg an, geeignete Siebtestverfahren (zumindest ei allen Neugeborenen) durchzuführen.
Andererseits ist sicher immer noch nicht bekannt genug, dass eine Schwerhörigkeit im Kindesalter umgehend erkannt und behandelt werden muss. Die Vorteile einer Früherkennung und Frühtherapie bzw. Rehabilitation sind nicht nur für das betroffene Kind, sondern darüber hinaus auch volkswirtschaftlich enorm, z.B. wenn durch eine frühe Hörgeräteversorgung und eine spezielle Frühförderung eine Nachreifung des Hörorgans und ein wesentlich besserer Spracherwerb möglich werden und eine Sonderbeschulung vermieden werden kann.

Das Vertrösten von Eltern, die meinen, ihr Kind würde nicht richtig hören, mit Beruhigungen wie „das Kind kann schon hören, will aber nicht“ oder „das Hören kommt mit dem Älterwerden“ ist, ohne dass eine qualifizierte Untersuchung durchgeführt wurde, unverantwortlich. Andererseits können alle, die mit Kindern zu tun haben, z.B. durch einfache Beobachtungen (Tab. 2) schon früh Hinweise gewinnen, ob das so wichtige Sinnesorgan Hören geschädigt ist.

 


Schlussfolgerungen:
- Eine kindliche Schwerhörigkeit muss so früh wie möglich erkannt und behandelt werden.
- Die Notwendigkeit eines universellen Neugeborenenscrenings gilt als unbestritten.
- Der Verdacht der Eltern, ein Kind höre nicht richtig, muss immer definitiv ausgeräumt (bzw. bestätigt) werden.
- Moderne apparative Methoden ermöglichen die Erkennung einer hörgerätepflichtigen Innenohrschwerhörigkeit auch bei sehr jungen Kindern.
- Die genaue Bestimmung des Hörschadens ist Aufgabe des Pädaudiologen.

 

 

 
Literatur:

 1. Baumann U, Schorn K (2001) Früherkennung kindlicher Hörschäden. Visuelle und automatische Verfahren im Vergleich. HNO 49:118-125

 2. Davis A, Bamford J, Stevens J (2001) Performance of neonatal and infant hearing screens: sensitivity and specificity. Br J Audiol 35:3-15

 3. Davis A, Bamford J, Wilson I, Ramkalawan T, Forshaw M, Wright S (1997) A critical review of the role of neonatal hearing screening in the detection of congenital hearing impairment. Health Technol Assess Winch Eng 1:i-iv,1-176

 4. DeCasper AJ, Fifer WP (1980) Of human bonding: Newborns prefer their mothers' voices. Science 208:1174-1176

 5. Downs MP (1995) Universal newborn hearing screening--the Colorado story. Int J Pediatr Otorhinolaryngol 32:257-259

 6. Hartmann H (1985) Memorandum zum Stand der Erkennung und Förderung schwerhöriger Kleinkinder in der Bundesrepublik Deutschland. Bundesgemeinschaft der Eltern und Freunde schwerhöriger Kinder e.V., Hamburg

 7. Hartmann K (1985) Zum Stand der Früherkennung und Frühförderung hörgeschädigter Kleinkinder in der Bundesrepublik Deutschland und in Westberlin - eine Vergleichsstudie von 1976, 1980 und 1984. In: Bundesgemeinschaft der Eltern und Freunde schwerhöriger Kinder e.V. (Hrsg.) Früherkennung?, 2. Aufl., Hamburg

 8. Hildmann H, Hildmann A (1997) Zuverlässige und unzuverlässige Screeningmethoden - Der Stand Deutschlands im internationalen Vergleich. In: Bundesärztekammer (Hrsg.) Fortschritt und Fortbildung in der Medizin, Bd. 21. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln

 9. Kanne TJ, Schaefer L, Perkins JA (1999) Potential pitfalls of initiating a newborn hearing screening program. Arch Otolaryngol Head Neck Surg 125:28-32

10. Kileny PR (1988) New insights on infant ABR hearing screening. Scand Audiol Suppl 30:81-88

11. Kuhl PK, Williams KA, Lacerda F, Stevens KN, Lindblom B (1992) Linguistic experience alters phonetic perception in infants by 6 months of age. Science 255:606-608

12. Kurman B, Spivak LG (1998) Instrumentation for newborn hearing screening. In: Spivak LG (Hrsg.) Universal newborn hearing screening. Thieme, Stuttgart

13. Mason JA, Herrmann KR (1998) Universal infant hearing screening by automated auditory brainstem response measurement. Pediatrics 101:221-228

14. Mencher GT, Davis AC, DeVoe SJ, Beresford D, Bamford JM (2001) Universal neonatal hearing screening: past, present, and future. Am J Audiol 10:3-12

15. Norton SJ, Gorga MP, Widen JE, Folsom RC, Sininger Y, Cone-Wesson B, Vohr BR, Mascher K, Fletcher K (2000) Identification of neonatal hearing impairment: evaluation of transient evoked otoacoustic emission, distortion product otoacoustic emission, and auditory brain stem response test performance. Ear Hear 21:508-528

16. Orlando MS, Prieve BA (1998) Models for universal newborn hearing screening programs. In: Spivak LG (Hrsg.) Universal newborn hearing screening. Thieme, Stuttgart

17. Ptok M (1997) Differentialdiagnose von Hörstörungen im Säuglings- und Kindesalter. In: Bundesärztekammer (Hrsg.) Fortschritt und Fortbildung in der Medizin, Band 21. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln

18. Ptok M (1997) Das schwerhörige Kind. Dt Ärztebl 1997;94:A-1932-1937

19. Ptok M (1999) Consequences of late detection and benefits of early habilitation. In: Grandori F, Lutman M (eds) The European Consensus Statement on Neonatal Hearing Screening. CBE, Project AHAED, Mailand

20. Ptok M, Berger R, von Deuster C, Gross M, Lamprecht-Dinnesen A, Nickisch A, Radü HJ, Uttenweiler V (2000) Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen -  Konsensus-Statement. HNO 48:357-360

21. Ptok M, von Deuster C, Axmann D (1988) Frühdiagnostik und -therapie bei schwerhörigen Kindern. Anmerkungen zur "Pasadena - Studie" aufgrund eigener Beobachtungen. 15 UEP Congress, Erlangen

22. Ptok M, Ptok A, Zenner (1994) NIH-Konsens-Konferenz zur Früherkennung der kindlichen Schwerhörigkeit. HNO 42:82-83

23. Ptok M, Sesterhenn G, Ptok A, Arold R (1993) Spektralanalysen erzeugter Klänge von Musikinstrumenten und anderen Klangkörpern zum Hörscreening bei Kindern. Folia Phoniatr Basel 45:229-238

24. Reuter G, Bordgen F, Dressler F, Schafer S, Hemmanouil I, Schönweiler R, Lenarz T (1998) Neugeborenenhörscreening mit dem automatisierten Messgerat Echosensor fur otoakustische Emissionen. Eine vergleichende Untersuchung. HNO 46:932-941

25. Shehata-Dieler WE, Dieler R, Keim R, Finkenzeller P, Dietl J, Helms J (2000) Universelle Hörscreening-Untersuchungen bei Neugeborenen mit dem BERAphon. Laryngorhinootologie 79:69-76

26. Stoel-Gammon C, Otomo K (1986) Babbling development of hearing-impaired and normally hearing subjects. J Speech Hear Disord 51:33-41

27. White KR, Vohr BR, Maxon AB, Behrens TR, McPherson MG, Mauk GW (1994) Screening all newborns for hearing loss using transient evoked otoacoustic emissions. Int J Pediatr Otorhinolaryngol 29:203-217

28. Zenner HP (1994) Physiologische und biochemische Grundlagen des normalen und gestörten Gehörs. In: Naumann HH, Helms J, Herberhold C, Kastenbauer E (Hrsg.) Oto-Rhino-Laryngologie ind Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart, New York


 
Risikofaktoren, die bei Neugeborenen einen Hörtest erforderlich machen:

• Postnatal erforderliche intensivmedizinische Behandlung (Risiko einer beidseitigen Schwerhörigkeit 1-3 %!)
• Kraniofaziale Anomalien
• Bekannte familiäre Schwerhörigkeit
• Intrauterine Infektion
• Perinatale Zytomegalieinfektion
 
 Erstrebenswert ist ein Hörscreening bei allen Neugeborenen!
 
 Risikofaktoren, die bei allen betroffenen Kindern einen Hörtest erforderlich machen:
 
• Von Eltern geäußerter Verdacht auf eine Schwerhörigkeit
• Ausbleiben altersentsprechender sprachlichen Fortschritte
• Bakterielle Meningitis
• Schädelhirntrauma mit Hör- oder Gleichgewichtsproblemen
• Virale Labyrinthitis und Enzephalitis
• Lärmtrauma
• Einnahme ototoxischer Medikamente
• Bekannte familiäre Schwerhörigkeit
• Chronische Lungenkrankheiten
• Diuretische Therapie
• Wiederholte Mittelohrentzündungen und persistierender Paukenerguß.

Tabelle 1: Risikofaktorenkatalog der Klinik und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie der Medizinischen Hochschule Hannover:
Liegen bei einem Kind ein oder mehrere Risikofaktoren vor, muss ein aussagefähiger Hörtest durchgeführt werden.


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