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Trichterbrust

 

 

  • Erkrankung:

     

     Trichterbrust (Pectus excavatum)

        


    Die Trichterbrust ist eine Fehlbildung des Brustkorbs. Sie tritt in einer Häufigkeit von etwa einem Fall pro 1000  Geburten auf. Jungen sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen. Bei einer Trichterbrust verformt sich bei Kindern und Jugendlichen das Skelett des Brustkorbs ohne eine erkennbare Ursache. Dabei entsteht in den meisten Fällen das Bild einer Trichterbrust, bei der das Brustbein („Sternum“) deutlich unter das Niveau der vorderen Brustwand einsinkt. Dieser Prozess beginnt manchmal schon im ersten Lebensjahr, meistens aber erst während des pubertären Wachstumsschubs. Diese Entwicklung kann durch sportliche Betätigung oder Krankengymnastik leider nicht beeinflusst werden. Obwohl bei ausgeprägten Befunden das Herz in den linken Teil des Brustkorbs gedrängt wird, wird die Funktion der Brustorgane durch die Verformung („Deformität“) nicht eingeschränkt. Trotzdem kann die Deformität des Brustkorbs so stark ausgeprägt sein, dass sie von dem Betroffenen als entstellend oder „unschön“ empfunden wird. Dieser Eindruck verstärkt sich durch das Verhalten Anderer (Anstarren, indiskrete Fragen, Verhöhnung), wenn der Patient sich mit freiem Oberkörper in der Öffentlichkeit bewegt. Diese unerfreulichen und verletzenden Reaktionen können bei den Betroffenen dazu führen, dass sie sich sozial isolieren und vor allem solche Aktivitäten meiden, bei denen sich die Trichterbrust nicht verstecken lässt (Sport, Schwimmen, Strandurlaub, etc.). Hierdurch kann ein Betroffener gerade während der Phase der Selbstfindung und Festigung seiner Persönlichkeit erheblich beeinträchtigt werden. In dieser Hinsicht erfüllt die Trichterbrust die Definition einer „Erkrankung“, sodass wir die Patienten, die unter einem hohen Leidensdruck stehen, die operative Korrektur anbieten.

        

    Die überwiegende Zahl der Operationen wird durch den Betroffenen selbst gewünscht. Nur bei extrem ausgeprägten und damit seltenen Fällen besteht eine messbare Funktionseinschränkung der Lunge oder des Herzens.

         

     

      

    Abb. 1    Kind mit Trichterbrust   

      

    Abb. 2    Querschnitt des Brustkorbes bei einer Computertomographie. Markiert ist der Abstand von Brustbein zu Wirbelsäule (= tiefster Punkt des Trichters)      

         

          

      

      
    Offene Operationen (nach „Ravitch“, „Rehbein“, u. a.)

        
    Bei den offenen Verfahren wird die vordere Brustwand freigelegt, damit die Knorpelverbindungen zwischen dem Brustbein und den Rippen entfernt und das Brustbein anschließend auf das Niveau der vorderen Brustwand angehoben werden kann. Das Operationsergebnis wird dann durch Implantate aus Metall stabilisiert. Für diese Technik, die meistens mit dem Namen des „Erfinders“ verbunden sind, gibt es auf dem Markt zahlreiche Implantate, die nach einigen Monaten wieder entfernt werden müssen. Die offenen Operationsverfahren können in jedem Alter durchgeführt werden, haben heute aber weitgehend an Bedeutung verloren.

        

        
    Video-assistierte minimalinvasive Korrektur (nach D. Nuss)

         
    Diese innovative Technik wurde 1998 durch den Kinderchirurgen D. Nuss (Norfolk, USA) entwickelt und hat sich bis heute weltweit als neuer Standard der Trichterbrustkorrektur etabliert. Das Prinzip der Operation basiert auf der Formbarkeit des noch wachsenden Brustkorbs. Bei dieser Technik wird mit einem Spezialinstrument das Brustbein von Innen bis auf das Niveau der vorderen Brustwand angehoben. Während des ganzen Eingriffs ist durch eine in den Brustkorb eingeführte Videokamera eine kontinuierliche Kontrolle aller Operationsschritte garantiert. Um die neue Position des Brustbeins zu halten, wird anschließend ein individuell geformter Stahlbügel in den Brustkorb eingebracht und an beiden Seiten der Brustwand fixiert. In der Regel kann dieser Bügel nach 3 Jahren wieder entfernt werden, da sich nach dieser Zeit die knöcherne Struktur des neukonfigurierten Brustkorbs stabilisiert hat.

         

  • Unser Behandlungkonzept:

        

    Die erste Kontaktaufnahme erfolgt immer durch ein ambulantes Informationsgespräch. Dabei werden die Möglichkeiten einer operativen Behandlung ausführlich dargestellt und alle Fragen zum Thema Trichterbrust diskutiert. Es ist uns wichtig, die Erwartungen des Patienten/ der Patientin mit dem zu erwartenden Resultat abzugleichen. Unrealistische Erwartungen wären für die Zufriedenheit der von uns behandelten Jungendlichen hinderlich. Wir möchten Sie vor der Operation ausführlich und ehrlich über alle Vor- und Nachteile der Operation sowie das realistisch zu erwartete Operationsergebnis aufklären.

       

       

     Diagnostik:

            
    Bitte bringen Sie zum ersten ambulanten Informationsgespräch alle bereits vorliegenden Untersuchungsergebnisse mit. Vor einem geplanten Eingriff benötigen wir

       

    eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs „Röntgenthorax-Aufnahme in 2 Ebenen“

        

    eine „Lungen-Funktionsuntersuchung

      

    und eine ausführliche Herzuntersuchung (Echokardiographie).

        

    All diese Untersuchungen können bereits vorher in Wohnortnähe erfolgen, wodurch sich der Krankenhausaufenthalt für den Patienten verkürzt. Nach der ersten ambulanten Vorstellung erhält der zuweisende Arzt einen Brief, in dem auch auf die bereits genannten Untersuchungen eingegangen wird.

        

         
     Therapie:

        
    Der Eingriff selbst erfolgt dann einen Tag nach der stationären Aufnahme und dauert ca. 90 Minuten. Um dem Patienten eine möglichst ungestörte postoperative Phase zu ermöglichen, kehrt er vom OP unmittelbar auf die Normalstation zurück, wo er sich unter Patienten-gesteuerter Schmerzbehandlung („PCA“) am Besten erholen kann. Alle Patienten werden angehalten, sich schon sehr bald nach der Operation aufzustehen und sich möglichst „normal“ zu bewegen („Frühmobilisation“) und erhalten ein intensives Atemtraining. Mit diesen Maßnahmen beträgt für die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus für die meisten Patienten weniger als eine Woche.

      

         

     Nachbehandlung:

       
    Für einen Zeitraum von ca. 3 Monaten empfehlen wir, nur leichte Sportarten auszuüben (Schwimmen, Laufen, etc.). Diese Einschränkung kann danach aufgehoben werden und auch Kontaktsportarten sind wieder möglich.
        

    Verlaufsuntersuchungen bei uns sind nicht notwendig. Allerdings empfehlen wir, sich immer dann mit uns sofort in Verbindung zu setzen, wenn Fragen auftauchen oder irgendetwas anders ist als bei der Entlassung besprochen wurde.

        
    Die Entfernung des Bügels erfolgt in der Regel nach 3 Jahren. Dazu ist ein erneuter stationärer Aufenthalt notwendig.   

        

  • Sie möchten ein Kind mit einer Trichterbrust bei uns vorstellen:

     

     Der Ablauf:

       
    Alle Patienten, bei denen ein operativer Eingriff vorgesehen ist, stellen sich in unserer Ambulanz vor.

       

    Ein Termin für eine beratende Vorbesprechung kann unter folgender Telefonnummer vereinbart werden:

       

     

       

    Anmeldung:    0511 / 532 9043

          

    Anfragen:        kinderchirurgiemh-hannover.de

                

        

             

       

           Zusätzlich erreichen Sie den „Service-Point Kinderchirurgie“

         

       

    von Montag bis Donnerstag             von 8:00 bis 16:00 Uhr

      

          Freitags                                        von 8:00 bis 14:00 Uhr

      

       
    telefonisch:     0176 / 1 532 6784

     

     

  • Abbildungen:

        

       

    Vorher 1

    Nachher 1

                                                                               

     

                                                               

    Vorher 2

    Nachher 2

         

              

       

        

       

    Korrektur mit 1 Bügel Vorderansicht

    Korrektur mit 1 Bügel seitlich

                                                                               

     

                                                               

    Korrektur mit 2 Bügeln Vorderansicht

    Korrektur mit 2 Bügeln seitlich