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Hodenhochstand (lat. "retentio testis")

 

 

  • Erkrankung:

                 

    Bei allen männlichen Neugeborenen sollten sich die Hoden schon kurz nach der Geburt sicher im Hodensack (Scrotum) nachweisen lassen. Bei einigen (vor allem frühgeborenen) Kindern kann es allerdings einige Wochen oder Monate dauern, bis die Hoden den Hodensack erreicht haben. Das liegt daran, dass die Hoden im Mutterleib zunächst im Bauchraum angelegt werden und erst im Verlauf der Schwangerschaft langsam durch den sogenannten Leistenkanal in den Hodensack. Hier müssen sie bis zum Ende des ersten Lebensjahres auch nachweislich angekommen sein. Sollte das nicht der Fall, so gibt es drei mögliche Situationen:

      

      

    Abb. 1    Hodenwanderung  

        

      

      

     Der Hoden ist von außen in der Leiste tastbar. Er lässt sich ohne wesentlichen Widerstand in den Hodensack schieben bzw. ziehen und bleibt dort auch liegen. Dann handelt es sich um einen sog. Pendelhoden, der regelmäßig durch den Kinderarzt und die Eltern kontrolliert werden muss. Eine Behandlung ist nicht notwendig.

      

     Der Hoden ist von außen in der Leiste tastbar. Er lässt sich aber nur unter Zug in den Hodensack verbringen und rutscht sofort wieder zurück in Richtung Leistenkanal (wie an einem „Gummiband“ gezogen). Dann handelt es sich um einen sogenannten Gleithoden, der spätestens mit Abschluss des ersten Lebensjahres operativ in den Hodensack verlagert werden sollte.

      

     Ist trotz ausführlicher Untersuchung auf einer oder beiden Seiten kein Hoden tastbar, dann gibt es prinzipiell 2 Gründe: entweder ist der Hoden bereits vor der Geburt unbemerkt zugrunde gegangen oder er ist auf seinem Weg in Richtung Hodensack VOR Erreichen des Leistenkanals im Bauch „hängen geblieben“. In jedem der beiden Fälle ist eine operative Behandlung notwendig. Zunächst wird mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie) festgestellt, ob auf der entsprechenden Seite  überhaupt ein Hoden vorhanden ist. Hierzu bringt der Kinderchirurg im Bauchnabel einen kleinen Schnitt an, durch den er ein dünnes Röhrchen (Trokar) in den Bauchraum führt. Durch den Trokar wird Luft in den Bauchraum geblasen und eine Kamera eingeführt (Bauchspiegelung). Hiermit kann der ganze Bauch inspiziert werden. Wenn sich der entsprechende Hoden noch im Bauchraum befindet, werden ggf. über zwei oder drei 3mm lange Hautschnitte weitere Arbeitskanäle (Trokare) in den Bauch eingebracht und der Hoden von dem ihn umgebenen Gewebe losgelöst (mobilisiert). Meist ist es hiernach immer noch nicht möglich, die Hodenverlagerung bis in den Hodensack durchzuführen, weil der Samenleiter (Ductus deferens) beziehungsweise die den Hoden versorgenden Blutgefäße nicht lang genug sind. Um dies zu ermöglichen, wurde einen spezielle Operationstechniken entwickelt (Operation nach Fowler-Stevens). Bei dieser Technik werden die hauptsächlichen den Hoden versorgenden Blutgefäße durchtrennt. Man weiß, dass der Hoden danach nicht „zugrunde“ geht, sondern sich kleinere Blutgefäße, die entlang des Samenstrangs verlaufen, vergrößern und die Blutversorgung des Hodens übernehmen.  Der „Trick“ besteht nun darin, dass diese neuen Blutgefäße lang genug sind, damit der Hoden im Rahmen einer weiteren Operation nach unten (= in den Hodensack) gezogen werden kann. Dabei besteht allerdings ein etwa 25%iges Risiko, dass der Hoden einschrumpft.

       

       

    Insgesamt ist beim Hodenhochstand ein möglichst früher Behandlungsbeginn notwendig, da die spätere Funktion des Hodens sehr wahrscheinlich davon abhängt, zu welchem Zeitpunkt  er seine endgültige Lage erreicht hat. Hier ist nach heutigem Kenntnistand das Ende des ersten Lebensjahres anzustreben.

        

  • Unser Behandlungskonzept:

       

    Bei  gesunden Kindern erfolgt auch bei uns die chirurgische Behandlung des Hodenhochstands ambulant. Dem Operationstag geht lediglich ein separater Vorstellungstermin in unserer Poliklinik voraus. Bei dieser Gelegenheit wird Ihr Kind untersucht. Wenn eine Operation notwendig ist, erfolgt ein umfangreiches und ausführliches Aufklärungsgespräch  über den vorgesehen Eingriff. Das Aufklärungsgespräch mit dem Narkosearzt (Anästhesist) sollte auch an diesem Tag erfolgen. Zur geplanten Operation kommen Ihr Kind und Begleitung frühmorgens in die Tagesklinik auf der Station 65. Von dort wird Ihr Kind dann in den OP-Bereich gebracht, während die Begleitperson im Aufenthaltsraum der Station 65 warten kann.  Nach dem Eingriff verbleibt Ihr Kind zunächst noch im Aufwachbereich, wo Sie jedoch bereits wieder am Bett sitzen können. Nach einer Erholungsphase auf der Station 65 erfolgt die Entlassung je nach dem Befinden Ihres Kindes, spätestens aber am frühen Nachmittag.

        
    Eine Wiedervorstellung zur Nachuntersuchung bei uns ist in der Regel nicht vorgesehen. Da wir nur Fäden verwenden, die sich von selber auflösen, erfolgt die postoperative Kontrolle durch Ihren Kinderarzt bzw. Kinderärztin. Sollten allerdings noch Fragen offen bleiben oder wir im Einzelfall eine Nachuntersuchung für angebracht halten, können Sie sich jederzeit wieder bei uns vorstellen.

        
    Besondere Formen des Hodenhochstands (z.B. Bauchhoden) oder Patienten, bei denen bereits Engriffe an der Leiste oder dem Hoden erfolgt sind, bedürfen ein individuelles Behandlungsschema, das  von dem oben geschilderten ambulanten Verfahren abweichen kann.  Den jeweiligen Behandlungsplan stimmen wir in diesen Fällen mit Ihnen und Ihrem Kinderarzt bzw. Kinderärztin ab. Eine Vorbehandlung durch die Gabe von Hormonen empfehlen wir nicht, da die Wirksamkeit dieser teuren und mit Nebenwirkungen belasteten Therapie bisher nicht nachgewiesen werden konnte. Auch das Argument, dass ein operativer Eingriff durch die Hormonbehandlung einfacher durchzuführen sei, lässt sich nicht belegen und wird von uns daher auch nicht unterstützt.

       

        

      

    Abb. 1    Operationsschritte: Der Hoden wird über einen Schnitt in der Leiste mobilisiert und über einen zweiten Schnitt in eine Tasche im Hodensäckchen verbracht.

       

       

  • Sie möchten ein Kind mit einem Hodenhochstand oder dem Verdacht eines Hodenhochstandes bei uns vorstellen:

     

     Der Ablauf:

       
    Alle Patienten, bei denen ein operativer Eingriff vorgesehen ist, stellen sich in unserer Ambulanz vor.

       

    Ein Termin für eine beratende Vorbesprechung kann unter folgender Telefonnummer vereinbart werden:

       

     

       

    Anmeldung:    0511 / 532 9043

          

    Anfragen:        kinderchirurgiemh-hannover.de

                

        

             

       

           Zusätzlich erreichen Sie den „Service-Point Kinderchirurgie“

         

       

    von Montag bis Donnerstag             von 8:00 bis 16:00 Uhr

      

          Freitags                                        von 8:00 bis 14:00 Uhr

      

       
    telefonisch:     0176 / 1 532 6784