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Choledochuszyste

 

 

  • Erkrankung:

        

    Unter dem Begriff Choldedochuszyste werden zystische* Veränderungen / Erweiterungen der Gallenwege zusammengefasst, die außerhalb der Leber verlaufen (sog. "extrahepatische Gallenwege").  Die Ursache dieser Erweiterungen (Dilatationen) ist unbekannt. Eine der Theorien besagt, dass die extrahepatischen Gallenwege und der Ausführungsgang des Bauchspeicheldrüse (Pankreas) auf einer kurzen Strecke einen gemeinsamen Kanal bilden (was normalerweise nicht der Fall ist). Dadurch könnte das Sekret aus der Bauschspeicheldrüse in die Gallenwege gelangen und diese in ihrer Struktur schwächen. Bei  Aufstau von Galle würde es dann  zu einem erhöhten Druck in den Gallenwegen, deren Erweiterung und zur Zystenbildung* kommen. Allerdings ist dieses Erklärungsmodell sehr spekulativ, eher für die Wissenschaft von Interesse und hat keinen Einfluss auf die Therapie Ihres Kindes.

          

      
    Choledochuszysten werden gelegentlich schon während der Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft beobachtet. Meistens fallen sie aber erst nach der Geburt bei einer Ultraschalluntersuchung auf. Dann sind es entweder Zufallsbefunde oder die Kinder klagen über Bauchschmerzen und zeigen Symptome des Galleaufstaus (Gelbfärbung von Haut und Bindehaut am Auge, entfärbter Stuhlgang, dunkler Urin). Die endgültige Diagnose wird in der Regel schon im Ultraschall gestellt.  Wenn allerdings Zweifel bestehen, können eine Kernspintomografie (MRCP) oder auch eine Endoskopie** (ERCP) Klarheit schaffen.

        

       

      

       

      

       

         

      
    Die Behandlung erfolgt chirurgisch. Hierbei müssen die Choledochuszyste und die betroffenen Gallenwege mit einer Operation immer vollständig entfernt werden, da verbleibendes Gewebe im späteren Leben bösartig entarten kann. Da jede Choledochuszyste ein hohes Risiko für eine generalisierte Gallenwegsentzündung (Cholangitis) aufweist, sollte die Operation so früh wie möglich geplant werden. Denn jeder entzündliche Prozess, der sich in diesem Gewebe abspielt, erschwert die Operation und erhöht das Operationsrisiko.     

       

      
    Die Operation einer Choledochuszyste kann offen oder minimalinvasiv („laparoskopisch“) erfolgen. Das Prinzip der Operation ist in beiden Fällen dasselbe. Die veränderten Gallenwege, die von der Leber zum Zwölffingerdarm (Duodenum) ziehen, werden einschließlich der Gallenblase vollständig entfernt. Um die Galle aus der Leber wieder in den Verdauungstrakt abzuleiten, wird eine Dünndarmschlinge mit den verbliebenen Gallenwegen verbunden. Nach der Operation können sich die Kinder ganz normal ernähren und sind hinsichtlich ihrer Entwicklung und ihrer Lebensqualität nicht eingeschränkt. Mögliche Spätfolgen sind ein erhöhtes Risiko, im jungen Erwachsenenalter  Gallensteine zu entwickeln.

       

       

      

      

       

        

       

       

      

    Abb. 1    Klassifikation

              

    Abb. 2    Cholangiographie. (Darstellung der Gallenwege mittels Röntgenkontrastmittel)

       

    Abb. 3    Computertomographie        

     

    Abb. 4    Schematische Darstellung der anatomischen Verhältnisse nach der Operation.

              

      

     

    *Zyste: griechisch kystis „Blase“ = ein durch ein Epithel (Häutchen) abgeschlossener Gewebehohlraum

       
    ** mit einem flexiblen Gerät, was über den Mund in den Darm eingeführt wird und mit dem man das Innere des Darms (u.a. die Mündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm) untersuchen kann.      

          

  • Unser Behandlungskonzept:

         

    Die Diagnostik und operative Behandlung von Gallenwegs- und Lebererkrankungen bei Kindern ist eine Spezialisierung des Zentrums Kinderchirurgie Hannover, welches ein Referenzzentrum für pädiatrische Leber- und Gallenwegserkrankungen ist. Jeder neue Fall wird in enger Zusammenarbeit mit den Fachrichtungen untersucht, die auf besondere diagnostische oder therapeutische Maßnahmen spezialisiert sind. Hierzu gehören z.B. die (Kinder)gastroenterologen. Gemeinsam werden für jeden Patient die nötigen Untersuchungen geplant und  ein individuelles Behandlungskonzept erstellt.  Durch die spezielle Ausrichtung unseres Zentrums auf diese Erkrankung kann jeder Patient nach einem sehr hohen Behandlungsstandard behandelt werden.     

        

      

     Diagnostik:

           
    In den meisten Fällen wird die Choledochuszyste bereits durch einen Ultraschall zuverlässig diagnostiziert. Wenn Ihr Kind sonst keine weiteren Symptome aufweist, können wir mit Ihnen zusammen eine zeitnahe  Operation planen. Sollten allerdings Zweifel an der korrekten Diagnose bestehen, können offene Fragen mit einer Kernspintomografie (bei kleinen Kindern in Vollnarkose und bei älteren in Sedierung (mit einem „leichten Beruhigungsmedikament“) beantwort werden. Alternativ oder ergänzend kann der Befund auch mittels Endoskopie** (immer in Vollnarkose) bestätigt werden. Unser Zentrum verfügt über entsprechend kleine Endoskope, sodass in diese Untersuchung in unserem Haus auch bei Neugeborenen bereits Routine ist.

       

          

     Therapie:

        
    Die Operation der Choledochuszyste richtet sich immer nach der individuellen Situation und Anatomie Ihres Kindes. Dabei spielen die Vorgeschichte, die Ausdehnung der Zyste und andere Faktoren eine Rolle. In den meisten Fällen können wir Ihnen ein minimalinvasives („laparoskopisches“) Verfahren anbieten, das sich im Zentrum Kinderchirurgie Hannover auch bei Säuglingen zum Routineeingriff entwickelt hat. Hierbei bringt der Kinderchirurg im Bauchnabel einen kleinen Schnitt an, durch den er ein dünnes Röhrchen (Trokar) in den Bauchraum führt. Durch den Trokar wird Luft in den Bauchraum geblasen und eine Kamera eingeführt (Bauchspiegelung). Hiermit kann der ganze Bauch inspiziert werden. Die Operation folgt demselben Prinzip wie beim offenen Verfahren, nur dass statt des langen Bauchschnitts über zwei oder drei 3mm lange Hautschnitte weitere Arbeitskanäle (Trokare) in den Bauch eingebracht werden. Die veränderten Gallenwege, die von der Leber zum Zwölffingerdarm (Duodenum) ziehen, können so einschließlich der Gallenblase wie beim offenen Verfahren vollständig entfernt werden. Auf den Einsatz von Wunddrainagen und Magensonden versuchen wir möglichst zu verzichten.

       
    Der überwiegende Anteil der ca. 60 Patienten, die wir in den letzten Jahren operiert haben, konnte von den Vorteilen der laparoskopischen Operation profitieren. Hierzu gehören neben dem besseren kosmetischen Ergebnis vor allem auch eine schnellere Erholung nach der Operation. Aber auch das offene Vorgehen hat seinen Stellenwert, insbesondere dann, wenn Entzündungen im Bereich der Zyste vorangegangen sind.

       
    Die Vor- und Nachteile jedes einzelnen Verfahrens und welche Operationsmethode in Ihrem individuellen Falle die Beste ist, besprechen wir in einem ausführlichen Informations- und Aufklärungsgespräch. Denn schließlich müssen wir zusammen die Entscheidung für das jeweilige Operationsverfahren treffen. Das können Sie nur dann, wenn Sie ausführlich informiert sind.

         
    Die erste Nacht nach der Operation verbringen die Patienten gewöhnlich im sogenannten „Intermediate-Care-Bereich“ („Mischung“ aus Normalstation und Intensivstation) und kehren am nächsten Tag auf die Normalstation zurück. Der Kostaufbau beginnt meistens schon am 1. oder 2. Tag nach der Operation und richtet sich in erster Linie nach dem Befinden und dem Appetit Ihres Kindes. Ähnliches gilt auch für die Dauer des Krankenhausaufenthaltes. Wenn der Verlauf unkompliziert und es Ihrem Kind wieder gut geht, steht einer Entlassung und der ambulanten Nachbetreuung nichts mehr im Wege.
          

       

    ** mit einem flexiblen Gerät, was über den Mund in den Darm eingeführt wird und mit dem man das Innere des Darms (u.a. die Mündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm) untersuchen kann.

  • Nachsorge:

      

    Die Nachsorge sollte in jedem Fall in enger Zusammenarbeit zwischen unserer Klinik und dem behandelnden Kinderarzt erfolgen. Dabei gilt es die Leberwerte zu kontrollieren und für jeden Patienten individuell die Dauer der antibiotischen Infektprophylaxe anzupassen. Einschränkungen hinsichtlich der Ernährung oder eine spezielle Diät werden von uns nicht empfohlen. Eine langfristige Begleitung der Patienten ist aber auf jeden Fall notwendig, da ein erhöhtes Risiko für die Bildung von gallensteinen besteht. Diese sollten erkannt und auch behandelt werden, bevor sie klinische Probleme bereiten.

       

  • Sie möchten ein Kind mit einer Choledochuszyste bei uns vorstellen:

     

     Der Ablauf:

       
    Alle Patienten, bei denen ein operativer Eingriff vorgesehen ist, stellen sich in unserer Ambulanz vor.

       

    Ein Termin für eine beratende Vorbesprechung kann unter folgender Telefonnummer vereinbart werden:

       

     

       

    Anmeldung:    0511 / 532 9043

          

    Anfragen:        kinderchirurgiemh-hannover.de

                

        

             

       

           Zusätzlich erreichen Sie den „Service-Point Kinderchirurgie“

         

       

    von Montag bis Donnerstag             von 8:00 bis 16:00 Uhr

      

          Freitags                                        von 8:00 bis 14:00 Uhr

      

       
    telefonisch:     0176 / 1 532 6784