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Veranstaltungen

 

 

 

10.-11. JULI 2019

 

Workshop:

 

Kriegstrennungen im Zweiten Weltkrieg – Familienzerstörung zwischen „Kollateralschaden“ und Biopolitik

 

Programm

 

10. bis 11. Juli 2019 im Hanns-Lilje-Haus Hannover

Veranstalter:
Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizinischen Hochschule Hannover, Dr. Wiebke Lisner; Historisches Seminar der Leibniz Universität Hannover, Prof. Dr. Cornelia Rauh und Historisches Seminar, Universität Hamburg, PD Dr. Lu Seegers in Kooperation mit dem Leibniz Forschungszentrum „Inclusive Citizenship“ (CINC)

 

Familienleben — als Zusammenleben der Kernfamilie von Vater, Mutter und Kindern — im Bürgertum seit dem 19. Jahrhundert idealisiert und nach dem Ersten Weltkrieg zur gesellschaftlichen Norm erhoben, wurde in Kriegszeiten gleichwohl zur Ausnahme. Temporäre Trennungen bis hin zur endgültigen Zerstörung von Familien waren im Europa des 20. Jahrhunderts die unvermeidliche Folge der immer „totaler“ geführten Kriege, — Begleiterscheinungen des Kriegsdienstes der Männer und „Kollateralschäden“ von Gewalteinsatz, Krankenmorden, Flucht, Vertreibung, Umsiedlung und Tod. Familientrennungen wurden insofern zu einer kollektiven Kriegserfahrung. Trennungsbedingungen und Handlungsoptionen gestalteten sich hierbei für Familien jedoch nicht gleich. Vielmehr generierten  gesellschaftliche Kategorien von Differenz, wie „rassische“ Zuordnung, medizinische Kategorisierung und soziale Schichtzugehörigkeit unterschiedliche Bedingungen und Deutungen der Trennungen bis hin zu unterschiedlichen Überlebenschancen.

 

Der Zweite Weltkrieg wurde von deutscher Seite als rassischer Vernichtungskrieg geführt mit dem Ziel der Gewinnung neuen „Lebensraums“, ja einer „ethnischen Neuordnung“ Europas. Unter diesen Kriegsbedingungen wurden Familien zu einem zentralen Feld nationalsozialistischer Rassen-, Volkstums-, Gesundheits- und Biopolitik. Sie bildeten eine wichtige Ressource für den Zusammenhalt und die Mobilisierung der „Volksgemeinschaft“ für den totalen Krieg – von der Produktion und Organisation bis hin zur Reproduktion. Umgekehrt zielte das NS-Regime durch rassistisch motivierte Ausgrenzung, durch Verfolgung und Vernichtung auf die Zerstörung von Familien, die als „rassisch minderwertig“ oder „erbkrank“ galten. Heiratsverbote zielten auf die Verhinderung von Familiengründungen, eine antinatalistische Biopolitik wollte „unerwünschten“ Nachwuchs verhindern. Rassenpolitische wie eugenische resp. rassenhygienische Eingriffe führten zur gewaltsamen Trennung von Familien. Wer als „erbkrank“ oder „rassisch minderwertig“ galt, wurde sterilisiert, separiert und  vernichtet. Die Zerstörung bzw. Trennung von Familien während des Zweiten Weltkriegs war insofern nicht nur ein in Kauf genommener „Kollateralschaden“, sondern auch integraler Bestandteil von  Unrechtsmaßnahmen des NS-Regimes.

 

„Rasse“ wurde im Nationalsozialismus zur zentralen Differenzkategorie, die Zugehörigkeiten von Familien zur „Volksgemeinschaft“ sowie Exklusion von dieser definierte und Handlungsmöglichkeiten und Überlebenschancen bestimmte. NS-Rassenpolitik war hierbei – wie in der Forschung herausgearbeitet – nicht geschlechtsneutral und wirkte entsprechend unterschiedlich auf Familienmitglieder. Welche Bedeutung aber kam sozialer Schichtzugehörigkeit hinsichtlich sozialer Praxen und Handlungsoptionen von Familien(mitgliedern) in Trennungssituationen zu?

 

Der Workshop will — schichtspezifisch differenziert — Familientrennungen als „Kollateralschaden“ von Kriegshandlungen, als Konsequenz gesundheits- und biopolitischer Maßnahmen sowie nationalsozialistischer Unrechtsmaßnahmen sowohl derjenigen beleuchten, die zur  nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft“ zählten, wie jener, die aus dieser ausgeschlossen waren. „Soziale Schichtzugehörigkeit“ als zentrale gesellschaftliche Kategorie von Differenz neben „Rasse“ und „Geschlecht“ wird hierbei verstanden als durch soziale Merkmale, wie materielle Absicherung, Beruf, Bildungshintergrund und Religion begründeter sozialer Unterschied. Territorial sollen sowohl das Gebiet des „Altreiches“ (Deutschland in den Grenzen von 1937) betrachtet werden, wie die annektierten (z.B. Westpolen) und die besetzten Gebiete (z.B. Frankreich und Dänemark), um Deutungen, soziale Praxen und Handlungsoptionen unterschiedlicher Familien zu analysieren. Der
Begriff „Familie“ umfasst hierbei nicht ausschließlich die Kernfamilie, sondern schließt darüber hinaus gehende verwandtschaftliche bzw. wahlverwandtschaftliche Beziehungen mit ein.

 

Weitere Informationen:

Dr. Wiebke Lisner
Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin
Medizinische Hochschule Hannover
Telefon: 0511 532-3506
E-Mail: Lisner.Wiebkemh-hannover.de

 

 

 

SONNTAG, 14. JULI 2019

 

Ein verkanntes Ensemble. Architekturgeschichtlicher Rundgang durch die MHH

 

 

Leitung des Rundgangs: Dr. Sylvia Necker (University of Nottingham)

 

Datum: Sonntag, 14. Juli 2019, 12:00 Uhr und 15:00 Uhr

Treffpunkt: Haupteingang der MHH

 

Anmeldung (verlängert bis 5. Juli 2019):
Dr. Wiebke Lisner
Institut für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin
Medizinische Hochschule Hannover
Telefon: 0511 532-3506
E-Mail: Lisner.Wiebkemh-hannover.de

 

 

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