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Trichterbrust/ Kielbrust



Neue Entwicklungen in der Behandlung von Trichterbrust/ Kielbrust in der HTTG Klinik der MHH

In den Jahren 2011 und 2012 wurden mehrere Untersuchungen publiziert, die eine teiweise deutlichen Leistungseinschränkung infolge Kompression des rechten Ventrikels durch eine Trichterbrust [Swanson et al. 2012, Lesbo et al. 2011] aufzeigten oder eine signifikante Verbesserung der Leistungsfähigkeit durch Korrekturoperationen nachwiesen [Tang et al. 2012, Neviere et al. 2012]. Dies ist einer der Gründe dafür, dass sich immer häufiger auch ältere Patienten einer Korrekturoperation unterziehen. Neben dem höheren Patientenalter ist auch die minimalinvasive Trichterbrustkorrekturoperation (MIPRE) ohne Resektion der Rippenknorpel mit einer deutlich ausgeprägten Schmerzsymptomatik verbunden [Stroud, Papic]. In einer vergleichenden Studie konnte gezeigt werden, dass Patienten nach MIPRE 25% mehr Opiode benötigten als konventionell offen operierte Patienten [Papic et al. 2014]. Eine weitere Ursache für stärkere Schmerzen sind sehr ausgeprägte Formen der Thoraxdeformitäten (Abb. 1a und b).

Mit dem Ziel die postoperativen Beschwerden so gering wie möglich zu halten und Haltungsfehlern im Zusammenhang mit der Thoraxdeformität entgegenzuwirken versuchen wir sowohl die OP-Technik als das peri- und postoperative Management zu optimieren. Beispiele für diese Entwicklungen sind:

  1. In Zusammenarbeit mit der Klinik für Rehabilitationsmedizin (Ansprechpartner OA Dr. C. Sturm) wird ein individuell angepasste physiotherapeutische Behandlungsprogramm entwickelt.  Die Patienten werden präoperativ hinsichtlich Fehlhaltungen und der myofaszialen Strukturen des Oberkörpers untersucht. Die individuelle Physiotherapie wird direkt postoperative in unserer Klinik begonnen und es wird eine detailierte Empfehlung für die weiterbehandelnden Kollegen erarbeitet. Ziel ist es die Schmerzsymptomatik positiv zu beeinflussen und Fehlhaltungen, die relativ häufig mit Thoraxdeformitäten assoziiert sind, langfristig entgegenzuwirken.

  2. Die Behandlung von nicht-fixierten Kielbrust – Deformitäten (Pectus carinatum) erfolgt nach individueller Indikationsstellung primär durch spezielle Orthesen (in Zusammen-arbeit mit der Klinik für Kinderchirurgie der MHH und der Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover Diakoniekrankenhaus Annastift gGmbH). Ein operativer Eingriff ist häufig gar nicht mehr notwendig.

  3. Bei sehr ausgeprägten Deformitäten (Abb. 2 a, b) kann durch das Einbringen von mehreren Stäben (in der Regel zwei Pectus bars (Abb. 3) eine Verteilung der wirkenden Kräfte und damit eine geringere Schmerzsymptomatik erreicht werden.

  4. Seit April 2014 wird eine Modifikation der minimalinvasiven Trichterbrustkorrektur–Operation, die  ursprünglich 1998 von Donald Nuss beschrieben wurde, angeboten. Die Pilegaard–Technik kann v.a. für nicht extrem ausgeprägte  Trichterbrust-Befunde ohne starke Asymmetrie hinsichtlich einer geringeren postoperativen Schmerzsymptomatik und einer weiteren Verringerung des Risikos für eine Stabdislokation Vorteile bieten. Es werden kürzere Stäbe asymmetrisch implantiert (Abb. 5a und b). Im Rahmen der ambulanten Sprechstunde werden, nach grundsätzlicher Klärung der OP–Indikation, die Vor- und Nachteile der Operationsverfahren mit jedem einzelnen Patienten ausführlich besprochen.



 

Abb 1: 18-jähriger Patient (OP 04/2011) mit sehr stark ausgeprägter Trichterbrust (a).
Befund 2 Jahre postoperativ (b).

 

Abb. 2: 17-jähriger Patient mit ausgeprägter Trichterbrust a) präoperativ und b)

 

 

Abb. 3: Auf Grund eines ausgeprägten Befundes wurden 2 Stäbe platziert.

 

Abb. 5a und b: 19-jähriger Patient – OP 06 / 2014 – ventraler kleiner Hautschnitt bei Implantation
eines kurzen asymetrischen Pectus bars in der Pilegaard - Technik

 



Die Literaturliste kann über Frau Tina Neumann angefordert werden.


Swanson JW, Avansino JR, Phillips GS, Yung D, Whitlock KB, Redding GJ, Sawin RS:
Correlating Haller Index and cardiopulmonary disease in pectus excavatum. Am J Surg. 2012 May;203(5):660-4.
Lesbo M, Tang M, Nielsen HH, Frøkiær J, Lundorf E, Pilegaard HK, Hjortdal VE: Compromised cardiac function in exercising teenagers with pectus excavatum. Interact Cardiovasc Thorac Surg. 2011 Oct;13(4):377-80.
Tang M, Nielsen HH, Lesbo M, Frøkiær J, Maagaard M, Pilegaard HK, Hjortdal VE: Improved cardiopulmonary exercise function after modified Nuss operation for pectus excavatum. Eur J Cardiothorac Surg. 2012 May;41(5):1063-7.
Neviere R, Pentiah AD, Montaigne D, Wurtz A: Pectus excavatum repair improves cardiovascular function at maximal exercise by facilitating heart filling. Eur J Cardiothorac Surg. 2012 Aug 19.

Papic JC1, Finnell SM2, Howenstein AM1, Breckler F3, Leys CM4. Postoperative opioid analgesic use after Nuss versus Ravitch pectus excavatum repair. J Pediatr Surg. 2014 Jun;49(6):919-23.