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Maßnahmen zur Verbesserung der Compliance bzw. Adherence in der Arzneimitteltherapie mit Hinblick auf den Therapieerfolg

 EBM & HTA  |  Projekte

Wissenschaftlicher Hintergrund

Mangelnde Compliance bzw. Adherence in der Arzneimitteltherapie kann erhöhte Morbidität, Mortalität und gewaltige Kosten im Gesundheitssystem verursachen (in Deutschland jährlich ca. 10 Milliarden Euro). Es werden verschiedene Methoden zur Verbesserung der Compliance bzw. Adherence eingesetzt.

 

Fragestellung

Es stellt sich die Frage nach Vorhandensein, Wirksamkeit, Kosten-Nutzen-Relation sowie nach ethisch-sozialen und juristischen Implikationen von Strategien zur Beeinflussung der Compliance bzw. Adherence mit Verbesserung des Therapieerfolgs bei der medikamentösen Therapie.

 

Methodik

Eine systematische Literaturrecherche wurde im Januar 2007 in den medizinischen, darunter auch gesundheitsökonomisch relevanten, elektronischen Datenbanken ab 2002 durchgeführt. Es wurden systematische Übersichten auf der Basis von randomisierten kontrollierten Studien (RCT) über Interventionen zur Beeinflussung der Compliance bzw. Adherence mit Hinblick auf den Therapieerfolg sowie systematische Übersichtsarbeiten von Studien mit gesundheitsökonomischen Analysen in die Bewertung einbezogen. Es wurde außerdem nach Publikationen mit expliziter Betrachtung von ethisch-sozialen und juristischen Aspekten dieser Maßnahmen für den deutschen Kontext gesucht.

 

Ergebnisse

Es wurde eine systematische Übersichtsarbeit mit Angaben für 57 RCT in die medizinische und eine mit Angaben für sechs Studien in die gesundheitsökonomische Bewertung einbezogen; es konnte keine Publikation zu ethisch-sozialen und juristischen Implikationen identifiziert werden. Bei 22 untersuchten Maßnahmen wurde über einen signifikanten positiven Effekt auf den Therapieerfolg berichtet. Bei mehreren Interventionen sind diese Ergebnisse als verlässlich einzustufen: Beratung mit Aushändigung eines Tagebuchs zur Compliance mit anschließender telefonischer Beratung bei Helicobacter pylori positiven Patienten, wiederholte Besprechungnen mit Patienten mit akuter Asthmasymptomatik, Telefonanrufe zur Erfassung der Compliance und Abgabe daran orientierter Empfehlungen bei der Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen. Dies galt ebenfalls für Anrufe von einem automatischen telefonischen System sowie telefonische Beratung von Diabetikern bei Problemfällen, verschiedene Maßnahmen der Familientherapie einschließlich Beratung und Schulung der Familienangehörigen sowie kulturell modifizierte Familientherapie bei Patienten mit Schizophrenie, ebenso für wiederholte Compliance Therapie -Sitzungen bei Patienten mit akuter Psychose. Bei anderen Interventionen sind die Ergebnisse mit etwas größeren Bedenken (wegen schlechterer methodischer Qualität der zugrunde liegenden Studien) zu betrachten. Die Stärke des Effekts der Maßnahmen ist aus den vorliegenden Informationsquellen nicht abzuschätzen. Aus den vorliegenden Daten konnten keine zuverlässigen Ergebnisse zur Kosten-Nutzen-Relation dieser Strategien ermittelt werden.

 

Diskussion

Viele der berücksichtigten Studien litten an mangelnder Berichts- und Studiendurchführungsqualität. Die Verlässlichkeit der Studienaussagen ist durch die methodischen Mängel eingeschränkt. Die in den gesundheitsökonomischen Studien ermittelten Wirksamkeits- und Kostenschätzer sind nicht auf die aktuelle Situation in Deutschland übertragbar. Es wird diskutiert, dass die Compliance bzw. Adherence fördernden Maßnahmen die Unabhängigkeit und Privatsphäre der Patienten einschränken können.

 

Schlussfolgerungen

In der Arzneimitteltherapie können Compliance bzw. Adherence fördernde Maßnahmen mit positivem Effekt auf den Therapieerfolg angewendet werden. Die Kosten-Nutzen-Relation dieser Maßnahmen sollte noch untersucht werden. Aus ethischer und sozialer Sicht sind die Patientenunabhängigkeit und -privatsphäre beim Einsatz dieser Interventionen so wenig wie möglich einzuschränken.