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Laparoskopische vs. offene Appendektomie. Systematische Übersicht zur medizinischen Wirksamkeit und gesundheitsökonomische Analyse

 EBM & HTA  |  Projekte

Wissenschaftlicher Hintergrund

Die Appendizitis ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes des Blinddarms und die häufigste Ursache für ein akutes Abdomen. Bei der Entfernung des Wurmfortsatzes (Appendektomie) wird ein offener chirurgischer Eingriff (Öffnung der Bauchhöhle) oder ein laparoskopischer Eingriff (Einführen des Optiksystems und der Instrumente durch drei kleine Einschnitte in die Bauchdecke) angewandt.

 

Fragestellung

Die Bewertung soll Fragen nach der medizinischen Wirksamkeit des Einsatzes von laparoskopischer Appendektomie im Vergleich zur klassischen offenen Appendixentfernung und der Kostenwirksamkeit vor dem Hintergrund des deutschen Gesundheitssystems beantworten.

 

Methodik

Die Literaturrecherche wurde in den wichtigsten medizinischen elektronischen Datenbanken im Oktober 2005 durchgeführt. Die medizinische Analyse wurde auf Basis der aktuellsten systematischen Übersicht randomisierter kontrollierter Studien (RCT), neu publizierten RCT und einer eigenen quantitativen Informationssynthese aller Studien sowie methodisch hochwertigerer RCT durchgeführt. Bei der gesundheitsökonomischen Analyse wurden relevante Publikationen ausgewertet sowie Kostenunterschiede beim Einsatz der beiden Interventionen berechnet.

 

Ergebnisse

Insgesamt wurden eine systematische Übersicht und 56 Einzelstudien in die medizinische Bewertung einbezogen, 24 dieser Studien konnten in die Subanalyse auf Basis methodisch hochwertigerer Studien eingeschlossen werden. Es ist insgesamt eine Relation von drei vermiedenen Wundinfektionen pro zusätzlichem intraabdominalen Abszess beim Einsatz laparoskopischer Appendektomie im Vergleich zu offener Operation zu erwarten. Diagnostische Laparoskopie im Rahmen einer geplanten Appendektomie bei geburtsfähigen Frauen reduziert die Rate der nicht festgestellten Diagnosen. Beim routinemäßigen Belassen der makroskopisch blanden Appendix wird die negative Appendektomierate signifikant und deutlich gesenkt. Die Ergebnisse sprechen für einen geringen Vorteil der laparoskopischen Appendektomie hinsichtlich Schmerzintensität, der Zeit bis zur ersten Aufnahme flüssiger und fester Nahrung, der Zeit bis zum ersten Stuhlgang sowie für ein etwas besseres kosmetisches Ergebnis und eine etwas bessere Lebensqualität. In der heutigen Praxis in Deutschland ist von einer längeren Operationszeit, einer Reduktion der Verweildauer beim Einsatz laparoskopischer im Vergleich zur offenen Appendektomie sowie von einer ähnlichen Zeit bis zur Arbeitswiederaufnahme auszugehen. Der Einsatz von laparoskopischer Appendektomie ist in der aktuellen Versorgungssituation in Deutschland mit zusätzlichen Operationskosten von ca. 150 bis 200 Euro im Vergleich zur offenen Appendektomie verbunden. Durch Einsparung von ca. 200 Euro durch die Verkürzung der Verweildauer gestalten sich die Gesamtkosten der stationären Versorgung beider Verfahren ungefähr gleich. Aufgrund von ähnlichen indirekten Kosten liegen die Totalkosten (direkte + indirekte Kosten) der beiden Verfahren im gleichen Bereich und das inkrementelle Kostenwirksamkeitsverhältnis der beiden Technologien geht gegen Null.

 

Diskussion

Durch Verwendung der Ergebnisse aus der vorliegenden medizinischen Bewertung für die ökonomischen Berechnungen ermöglicht Aussagen der gesundheitsökonomischen Bewertung auf gleichem Evidenzniveau wie die der medizinischen Analyse.

 

Schlussfolgerungen

Die laparoskopische Appendektomie zeigt sowohl zum Teil geringe Vor- (Diagnostik, Wundinfektionen, Schmerzintensität, kosmetisches Ergebnis und Lebensqualität) als auch Nachteile (intraabdominale Abszesse) im Vergleich zur offenen Appendektomie. Aus gesundheitsökonomischer Sicht sind laparoskopische und offene Appendektomien bei Betrachtung der direkten stationären und indirekten Kosten insgesamt ähnlich. Die Entscheidung zwischen den beiden Alternativen sollte daher von den behandelnden Ärzten individuell getroffen werden.