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Lymphome

 

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Lymphome 

„Aus zytogenetischen Befunden bei Non-Hodgkin-Lymphomen können Hinweise auf den klinischen Verlauf abgeleitet werden. Der Nachweis bestimmter genetischer Veränderungen in malignen Zellen trägt wesentlich zur Diagnosestellung und Risikostratefizierung bei.“
(PD Dr. med. Gudrun Göhring, Ltd. Oberärztin) 
 

Hintergrund

Lymphome unterteilen sich in die Hodgkin und die Non-Hodgkin-Lymphome.
Bei beiden Entitäten sind unterschiedlich differenzierte lymphatische Zellen Ursprungszellen des Tumors.
Das nach Thomas Hodgkin 1832 benannte Lymphom zeigt auffällige morphologische Strukturen wie die Sternberg-Reed -  oder die Hodgkin Zellen. Für dieses Lymphom gibt es keine eindeutigen zytogenetischen oder molekulargenetischen Marker.
 
Bei den Non-Hodkin Lymhomen, zu denen unter anderem das follikuläre und das Mantelzell-Lymphom zählt, können hingegen spezifische Chromosomenveränderungen und molekulargenetische Marker für die Diagnosestellung eingesetzt werden. 
 
 

Das klassische Modell der Chromosomenaberrationen bei Non-Hodgkin-Lymphomen ist die Burkitt-Translokation t(8;14)(q24;q32). Das c-MYC-Gen gerät durch diese Chromosomenaberration unter den Einfluß von Kontrollelementen, eines Enhancers, des in B-Zellen aktiven IGH-Gens.  Dadurch wird das c-MYC-Gen verstärkt exprimiert und eine große Menge c-Myc-Protein gebildet.

Inzwischen sind eine ganze Reihe anderer Chromosomenaberrationen beschrieben, bei denen Protoonkogene an das IGH-Gen in der Bande 14q32 angelagert werden.
Beispiele sind

  • die Translokation t(14;18)(q32;q21), die zu einer IGH-BCL2-Fusion führt und regelmäßig bei den follikulären Lymphomen nachzuweisen ist,
  • die Translokation t(11;14)(q13;q32), die zu einer IGH-CCND1-Fusion führt und regelmäßig bei den Mantelzell-Lymphomen nachzuweisen ist.
  • die Translokation t(3;14)(q27;q32), die zu einer IGH-BCL6-Fusion führt und gehäuft bei hochmalignen B-Zell-Lymphomen gesehen wird.

Bei den Varianttranslokationen sind statt des IgH-Gens die Gene für die leichten Ketten des Immunglobulins, das IG-kappa-Gen auf Chromosom 2p13 oder das IG-lamda-Gen auf Chromosom 22q11, betroffen.

Bei T-Zell-Lymphomen gibt es analog zur Burkitt-Translokation Chromosomenaberrationen, die zu einer Verlagerung von Protoonkogenen in die Nähe der T-Zell-Rezeptorgene (TCR-Gene), des TCR-beta-Gens in Chromosom 7q35 und  des TCR-alpha/delta-Gens in Chromosom 14q11 führen.
 
 
 

Als charakteristische numerische Chromosomenaberrationen bei Non-Hodgkin-Lymphomen sind die Trisomie 12 bei der chronischen lymphatischen Leukämie vom B-Typ und die Trisomie 3 bei peripheren T-Zell-Lymphomen, insbesondere bei T-Zell-Lymphomen vom AILD-Typ, zu nennen.
 
 
 

Aus zytogenetischen Befunden bei Non-Hodgkin-Lymphomen, können Hinweise auf den klinischen Verlauf abgeleitet werden.
 

Besonders gut untersucht ist die prognostische Bedeutung zytogenetischer Befunde bei Lymphomen mit einer Translokation t(14;18). Hier treten regelmäßig sekundäre Chromosomenaberrationen auf, die den klinischen Verlauf determinieren.
 
 
 

Ist neben der Translokation t(14;18) eine Trisomie 7 oder ein 6q–-Marker vorhanden, haben die Patienten eine deutlich kürzere Überlebenszeit als Patienten ohne diese Veränderungen. Besonders schlecht ist die Prognose für die Patienten, die eine Burkitt-Translokation als sekundäre Veränderung aufweisen.
 
 
 

Untersuchungen

Nachweis von Fusionsgenen / Rearrangements

  • t(11;14)(q21;q32) / CCND1-IGH
  • t(14;18)(q32;q21) / IGH-BCL2
  • t(8;14)(q24;q32) / MYC-IGH
  • t(V;14)(V;q32) / IGH
  • t(V;8)(V;q24) / MYC
  • t(V;14)(V;q11) / TCRalpha/delta
  • t(V;3)(V;q27) / BCL6

Nachweis von unbalancierten Aberrationen (Deletionen / Zugewinne)

  • Deletion von 6q
  • Deletion von 17p13 (TP53)
  • Weitere Aberrationen (Anomalien)

Mutationsanalysen

  • Somatische Hypermutationen in den Genen der schweren Ketten (IgVH)
  • Mutationen im  Tumorsuppressorgen TP53