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Bedeutung der zytogentischen Diagnostik

 

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Bedeutung der tumorzytogenetischen Diagnostik

1956 wurde das erste Mal die Chromosomenzahl des Menschen mit 46 korrekt beschrieben. Seitdem ist die Entwicklung der Zytogenetik rasant vorangeschritten.
Die zytogenetische Untersuchung ist heute unverzichtbarer Bestandteil der Diagnostik hämatologischer Neoplasien und in zunehmendem Maße auch der Diagnostik maligner Lymphome. Aus ihren Ergebnissen lassen sich wichtige Hinweise für die Diagnostik und Prognose ableiten, die für die Planung einer risikoadaptierten Therapie relevant sind.
 

Charakteristische Chromosomenaberrationen stellen inzwischen auch einen Angriffspunkt für eine kausale Therapie von Leukämien dar. Die Bedeutung der Zytogenetik zeigt sich unter anderem darin, dass die ehemals benutzte FAB-Klassifikation der AML in der neuen WHO-Klassifikation durch die Benennung der Subtypen nach zytogenetischen Aberrationen ersetzt wurde.
 

1960 wurde das Philadelphia-Chromosom als erste charakteristische Chromosomenaberration eines menschlichen Tumors, der chronisch myeloischen Leukämie (CML), beschrieben.
Erst in den 70ern konnte die zugrunde liegende Translokation zwischen den Chromosomen 9 und 22 nachgewiesen werden, welche in dem Fusionsgen BCR/ABL resultiert. Der Nachweis einer Philadelphia-Translokation gilt noch heute als Goldstandard für die Diagnosestellung und den Therapieverlauf der CML.
 

Die Einführung der Fluoreszenz-in-situ Hybridisierung in den 80ern, gilt als Geburtsstunde der molekularen Zytogenetik. Neu gewonnene Erkenntnisse aus zytogenetischen und molekularzytogenetischen Analysen, führten zu einem  enormen Wissenszuwachs in der Grundlagenforschung und im Bereich hämatologischer Neoplasien.
 

Tumorassoziierte Chromosomenaberrationen sind auf den Tumorzellklon beschränkt. Sie entstehen durch eine somatische Mutation in der Ursprungszelle eines Tumors. Alle Zellen, die durch Teilung aus dieser Zelle hervorgehen, bilden den so genannten Tumorzellklon. Beim Nachweis einer Aberration sollte eine angeborene Chromosomenaberration (welche in der Regel in jeder Körper- und Keimzelle des Betroffenen vorliegt) grundsätzlich ausgeschlossen werden. Üblicherweise ist dies durch eine Chromosomenanalyse von Blutlymphozyten möglich, welche durch eine spezielle Zellkultivierung mit Phythämagglutinin (PHA) gewonnen werden.
 

Eine Chromosomenanalyse kann an

  • Heparinisiertem Knochenmarkaspirat
  • heparinisiertem Blut
  • Lymphknoten
     
    oder
     
  • anderen Tumorbiopsien 

durchgeführt werden. Voraussetzung ist, dass das Material steril entnommen und innerhalb kurzer Zeit in das zytogenetische Labor transportiert wird.

 

(Quelle: Göhring Gudrun, Schlegelberger B.: Die Bedeutung der tumorzytogenetischen Diagnostik im klinischen Alltag. TumorDiagnostik u. Therapie, 2011, 32: 62-65.)