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Frauengesundheit nach Partnertod (abgeschlossen)

Projektmitarbeitende

 

 

Für das Projekt verantwortlich war Frau Prof. Dr. G. Fischer, die wissenschaftliche Leitung hatte Prof. Dr. Siegfried Geyer. Projektbeginn war Dezember 2001 und es wurde im Juni 2004 abgeschlossen.

 

Die Durchführung lag bei Heike Koch-Giesselmann und Dr. Maren Dreier

 

 

Einleitung

 

Das Projekt wurde vom NFFG (Norddeutscher Forschungsverbund für Frauen-/Geschlechterforschung in Naturwissenschaften, Technik und Medizin) seit 2002 gefördert und wurde Juni 2004 abgeschlossen. Im Zentrum des Projektes stand ein typisches Frauenschicksal im Alter, der Partnerverlust. Frauen sind von diesem kritischen Lebensereignis 4-5 mal häufiger betroffen als Männer. Ergebnisse der Altersforschung geben Hinweise darauf, dass sich der Tod des langjährigen Lebenspartners nicht nur auf die psychische Gesundheit auswirkt, sondern zu Neuerkrankungen und einer erhöhten Mortalitätsrate führen kann.

 

Die zentrale Fragestellung des Projekts bezog sich auf Veränderungen des gesundheitlichen Status von Frauen oberhalb des 70. Lebensjahres sowie der Inanspruchnahme medizinischer Dienste nach Partnertod und ob dies auf Verschlechterungen des Morbiditätsstatus zurückgeführt werden kann.

 

Von den Ergebnissen wurden Aufschlüsse darüber erwartet, in welcher Weise die allgemeinmedizinische Versorgung von Verwitweten im höheren Lebensalter optimiert werden kann. Aufgrund des demographischen Wandels nehmen die untersuchten Lebenskonstellationen zu, und geriatrische Belange werden in der medizinischem Versorgung einen immer größeren Stellenwert einnehmen und auf eine zunehmende Zahl von Patientinnen und Patienten zutreffen.

Darüber hinaus sollten die Ergebnisse der Studie zur Weiterentwicklung theoretischer Erkenntnisse zu Lebensereignissen und Krankheit beitragen. Dies betrifft insbesondere die bislang unzureichend behandelte Frage, ob belastende Ereignisse spezifische oder unspezifische gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen.

 

 

Folgende Fragestellungen sollen untersucht werden

 

  • Vergleich von mentaler, psychischer und funktioneller Gesundheit, Lebensqualität, Gesundheitsverhalten und Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen bei verwitweten und verheirateten Frauen im Verlauf eines Jahres
  • Gibt es bei den Verwitweten unterschiedliche Bewältigungsstrategien und haben diese Auswirkung auf die Gesundheitsparameter?
  • Hat der Kontext des Partnertodes (z.B. Pflegesituation, Heimunterbringung, plötzlicher und unerwarteter Tod) Auswirkung auf Bewältigung und Gesundheitsparameter?
  • Welchen Einfluss haben belastende Lebensereignisse und chronische Schwierigkeiten auf die Gesundheit älterer Frauen?

 

 

Studiendesign

 

In einem Fall-Kontroll-Design wurden verwitwete Frauen über 70 Jahre und länger als fünf Jahre verheiratete Frauen zu zwei Messzeitpunkten zu Hause interviewt. Die Ersterhebung wurde bei den Verwitweten 2-5 Monate nach Partnertod durchgeführt, die Verlaufserhebung ein Jahr nach Partnertod. Die verheirateten Kontrollpersonen wurden in einjährigem Abstand befragt. Das ca. 90minütige Interview erfolgte mittels qualitativer und quantitativer Erhebungsverfahren.

 

Der Schweregrad des Partnertodes, weitere lebensverändernde Ereignisse retrospektive ein Jahr und das Bewältigungsverhalten (Coping) wurden mit einem leitfadengesteuerten Interview erfasst; die Klassifikationen wurden mittels dem Life Event and Difficulties Schedule (LEDS) und dem Bedford College Coping Inventory durchgeführt. Beide Verfahren basieren auf der standardisierten Auswertung qualitativer Interviews.

 

Mit Hilfe von standardisierten Instrumenten wurde die mentale und psychische Gesundheit, der Funktionsstatus, sowie die subjektive gesundheitsbezogene Lebensqualität, das Gesundheitsverhalten und die Soziodemographie erhoben. Als Screeninginstrument zur Aufdeckung kognitiver Einschränkungen wird der Mini- Mental-State-Examination (MMSE) eingesetzt. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität wurde mit dem SF-12 in seiner Interviewform für ein Zeitfenster von vier Wochen vor der Befragung gemessen.

 

Zur Erfassung depressiver Symptome bei alten Menschen wurde die Geriatric Depression Scale (GDS-15) verwendet.

 

Die Beeinträchtigung funktioneller Gesundheit bzw. die Fähigkeit Bewältigung alltäglicher Verrichtungen wurde mit dem Activities of Daily Living/ Instrumental Activities of Daily Living (ADL/IADL) gemessen. Zum Screening des Vorliegens einer Alkoholabhängigkeit bei Älteren wurde der CAGE-Fragebogen eingesetzt. Mittels eines eigenen Fragebogens wurden Daten über gesundheitsbezogenes Verhalten, Medikamentenkonsum und Essgewohnheiten erfasst.

 

Zusätzlich wurden Informationen zur Inanspruchnahme medizinischer Dienste und zu chronischen Erkrankungen und Neuerkrankungen mittels einer standardisierten patientenbezogene Befragung der Hausärzte über den gesamten Erhebungszeitraum gewonnen. In der Gruppe der Verwitweten wurden die Hausärzte außerdem nach trauerbezogenen Interventionen gefragt.

 

 

Zusammenfassung der Ergebnisse

 

Die Teilnehmerinnen waren durchschnittlich 76 Jahre alt und im Mittel 48 Jahre verheiratet. Bei 18 Verwitweten (P1) wurde die Schwere des Partnertodes als sehr hoch beurteilt, bei den restlichen 27 (P2) als weniger hoch. Die Schwere des Partnertodes wurde anhand der Vorhersehbarkeit des Ereignisses und nach der Qualität der Partnerschaft mittels der verwendeten Auswertungsmanuale der LEDS klassifiziert.

 

Die Fall- und die Kontrollgruppe unterschieden sich nicht in Bezug auf die körperliche Lebensqualität und die funktionelle und mentale Verfassung zum Zeitpunkt der Ersterhebung. Die Fälle wiesen eine schlechtere psychische Verfassung auf, wobei ein schwererer Verlust (P1) in der Tendenz mit einer ungünstigeren psychischen Verfassung assoziiert war. Von den Hausärzten wurden im Rahmen der trauerspezifischen Maßnahmen ein Drittel der Verwitweten mit Psychopharmaka behandelt, der Anteil der schwerer betroffenen Frauen (P1) war hier doppelt so hoch.

 

Mit zunehmend schlechterer psychischer Verfassung war das Bewältigungsverhalten nach Partnertod geprägt von Hilflosigkeit, geringer Meisterung, wenig Kontrolle und Hoffnung, so wie Schuldgefühlen, Traurigkeit und Wut.

 

Innerhalb der Fallgruppe fanden sich keine signifikanten Unterschiede im Bewältigungsverhalten, außer bei der positiven Einschätzung des Ereignisses.

 

War das Ereignis weniger schwer (P2), also eher vorhersehbar, u./o. die Qualität der Partnerschaft beeinträchtigt, konnten dem Tod des Partners auch positive Aspekte zugeschrieben werden, diese Gruppe war in der Tendenz auch weniger hilflos und traurig, litt jedoch stärker unter Schuldgefühlen.

 

Im Endbericht der Studie finden Sie ausführlichere Darstellung der Ergebnisse.