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Akupunktur bei Störungen der Kommunikation

 

Akupunktur hat eine über 3000 Jahre alte Tradition. Prinzipiell bedeutet Akupunktur eine Stimulation der Haut an bestimmten anatomischen Stellen. Es gibt eine ganze Reihe von verschiedenen Akupunkturformen, z.B. Nadelakupunktur, manuelle Akupunktur, Ohrakupunktur, Akupressur und Wärmeapplikation/Moxibustion. Die meisten Akupunkturpunkte basieren auf der Vorstellung der traditionellen chinesischen Medizin. Nach diesen Vorstellungen entstehen Erkrankungen oder Fehlfunktionen, wenn der Fluss der Körperenergien an bestimmten Stellen geblockt oder gestört ist. Akupunktur bewirke eine Normalisierung/Stabilisierung eines normalen Energieflusses, dies wiederum führe zur Heilung von der Krankheit. Bis zum 2. Weltkrieg war die Akupunktur in Europa und Nordamerika weitgehend unbekannt, danach wurde sie zunehmend populär. Die therapeutischen Auswirkungen der Akupunktur wurden für eine ganze Reihe von Erkrankungen untersucht, so z.B. für Schwindel und Erbrechen, Alkoholabhängigkeit, chronische Kopfschmerzen, Arthritis (68), Fibromyalgie, Angststörung und Schmerzzustände, z.B. chronischer Rückenschmerz.

Die steigende Akzeptanz und sogar Popularität der Akupunktur beruht heute auch darauf, dass die neurophysiologischen Mechanismen der Akupunktur zunehmend besser verstanden werden. So wurden z.B. wissenschaftliche Untersuchungen zu den analgesierenden Wirkungen der Akupunktur durchgeführt. Die Ergebnisse zeigten, dass Akupunktur Nervenfasern innerhalb von Muskeln aktivieren kann, diese aktivieren das Rückenmark, das Mittelhirn und subkortikale bzw. kortikale Areale und triggern dann die Freisetzung verschiedener Neurotransmitter wie Enkephaline und Serotonin bzw. Neurohormone. Auch mittels der funktionellen Kernspintomographie wurden Akupunkturmechanismen untersucht.

Verschiedene Untersuchungen beschäftigten sich mit den Auswirkungen der Akupunktur bei Schlaganfallpatienten. Im Vordergrund stand allerdings die Erholung motorischer Funktionen. Die Würdigung dieser Studienergebnisse ist problematisch, da sich die Studien hinsichtlich der verwendeten Akupunkturverfahren, der Therapiesitzungen, des Studiendesigns und der Messvariablen erheblich unterschieden. Bei einigen Untersuchungen wurden auch die kognitiven Funktionen mit untersucht, die Bewertungsmaßstäbe waren allerdings subjektiv und bedauerlicherweise wurde weder eine Inter- noch eine Intraraterreabilität kommuniziert. Außerdem wurden häufig Patienten mit schweren kognitiven Problemen ausgeschlossen.

Speziell die Auswirkungen auf die Sprachfähigkeit bei Aphasie-Patienten wurde von einigen chinesischen Gruppen untersucht. So wurde dann z.B. berichtet, dass nach Akupunktur ein Großteil der untersuchten 150 Aphasiker besser die Labial-, Dental- und Palatal-Laute bilden konnten. Insgesamt scheint es nach diesen Studien so zu sein, dass Akupunktur besser bei motorischen als bei sensorischen Aphasien hilft.

Ebenfalls bei Aphasie-Patienten, aber auch bei Patienten mit Demenz vom Alzheimer-Typ wurden die Effekte der transkutanen Nervenstimulationen TENS untersucht. TENS ist ähnlich wie Akupunktur und beinhaltet die Stimulation der Haut an bestimmten Lokalisationen, die häufig den Akupunkturpunkten entsprechend. Hiermit sollen spezifische neuronale Pfade und neuronale Transmittersysteme stimuliert werden. Dies ist wohl abhängig von der Stimulationsfrequenz und dem Stimulationsort.

In der Tat zeigte sich bei Alzheimer-Patienten, die mit TENS behandelt wurden, eine signifikante Verbesserung sprachlicher Kompetenzen wie auch des emotionalen Status. Allerdings galt das eher für Patienten mit milder Demenz Vallar et al  konnten zeigen, dass sich bereits nach einer einzigen TENS-Sitzung bei Patienten mit einem rechtshirnigen Insult die taktile Perzeption und der Neglect verbesserten. Obwohl diese Effekte recht ermutigend klingen, muss darauf hingewiesen werden, dass TENS wohl nur kurzzeitig wirkt. Außerdem herrscht Uneinigkeit darüber, welche Stimulationsfrequenzen in wie vielen Sitzungen tatsächlich verwendet werden sollen.

Unklar ist ebenfalls die Situation bei Patienten mit Schädelhirntrauma oder M. Parkinson. Zwar sind bei diesen auch Akupunktur-Verfahren eingesetzt worden, es wurden allerdings hauptsächlich die Reaktionen auf die motorischen Symptome bewertet. Die linguistischen Fähigkeiten oder der kognitive Status wurden eher weniger untersucht  oder es wurden sogar Patienten mit kognitiven Defiziten ausgeschlossen. Betrachtet man die bisherigen Untersuchungsergebnisse kritisch, kommt man zu dem Schluss, dass trotz einiger ermutigender Berichte eine definitive Empfehlung für eine Akupunktur zur Behandlung von Kommunikationsstörungen oder kognitiven Störungen noch nicht gegeben werden kann. Eine wesentliche Limitation der bisher publizierten Studien ist, dass deren Design nicht erlaubt, zwischen echten Effekten und Plazeboeffekten zu unterscheiden. Ein besseres Design könnte z.B. darin bestehen, dass randomisiert entweder echte Akupunkturpunkte oder „Scheinakupunkturpunkte“ benutzt werden. Bisher durchgeführte Studien dieser Art konnten keinen überzeugenden Akupunktureffekt nachweisen. Ein weiteres Problem bei der Bewertung der bisherigen Studien ist, dass verschiedene Akupunkturprotokolle verwendet wurden, so dass ein Vergleich zwischen den Studien schlecht möglich ist. Letztlich ist auch nicht bekannt, welche Patienten wirklich von einer Akupunktur profitieren könnten. So ist z.B. möglich, dass Patienten mit einem bestimmten ethnokulturellen Hintergrund eher von einer Akupunktur profitieren als andere. Insgesamt muss man also festhalten, dass es ein deutliches Ungleichgewicht zwischen der wissenschaftlicher Datenlage einerseits und der hohen Nachfrage nach Akupunktur als zusätzlicher Behandlung bei neurologischen Störungsbildern mit Kommunikationsstörungen gibt.


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