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AVWS Therapien

Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse lassen sich therapeutische Interventionen in drei große Gruppen einteilen:
1. Interventionen zur Verbesserung auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (übende Verfahren)
2. Verfahren zur (verbesserten) Kompensation gestörter Funktionen (z.B. metakognitive Verfahren)
3. Kompensatorische Verfahren zur Verbesserung der akustischen Signalqualität

Zu 1: Übende Verfahren sollten defizitspezifisch und auf der Basis der diagnostischen Befunde einschließlich der sprachlichen und weiteren Untersuchungsergebnisse erfolgen. Hierzu gehören z.B. Übungen zur Lokalisationsfähigkeit, Phonemdifferenzierung, Phonemidentifikation, Phonemanalyse, Phonemsynthese, phonologischen Bewusstheit. Typischerweise sind diese Übungen eingeteilt in Übungen mit sprachfreiem Material bzw. mit Sprachmaterial. Inwieweit es Transferprozesse zwischen den einzelnen Übungen geben kann, ist nicht bekannt. Aufgrund der klinischen Beobachtungen sind diese allerdings nach dem derzeitigen Stand des Wissens durchaus zu vermuten. Aufgrund der bisherigen klinischen Erfahrungen ist davon auszugehen, dass der Einsatz störungsspezifischer Übungen zur Verbesserung der jeweiligen Funktion der auditiven Verarbeitung und Wahrnehmung sinnvoller und effizienter ist als der unspezifische Einsatz solcher Übungen.
Zu 2: Das Einüben bzw. das Lernen kompensatorischer Strategien beruht darauf, dass im vermehrten Umfang übergeordnete bzw. unspezifische Hirnleistungen oder andere Wahrnehmungs- oder Verarbeitungsstrategien z.T. weiterer Sinnesmodalitäten (z.B. Absehen des Mundbildes) oder intakte auditive Fähigkeiten zur Kompensation auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen eingesetzt werden. Diese können metakognitive und metalinguistische Maßnahmen umfassen. Es ist davon auszugehen, dass der Einsatz solcher erlernter oder erübter Maßnahmen insbesondere dann sinnvoll ist, wenn das akustische Signal nicht in optimaler Qualität angeboten wird.
Zu 3: Maßnahmen zur Verbesserung der Signalqualität beinhalten insbesondere die Verbesserung des Signalstörschallverhältnisses sowie der Intensitätserhöhung des an das Ohr kommenden Signals (z.B. Verbesserung der Schallreflexion in Schulräumen durch Anbringen geeigneter Textilien, Verringerung des Störschalls durch Verkleinerung der Gruppenstärke im Unterricht, Sitzplatz im vorderen Bereich der Klasse, in Einzelfällen Hörsysteme, auch in Verbindung mit einer FM-Übertragung). Da apparative Hörsysteme potenziell geeignet sind, das Neuroepithel des Innenohres (zusätzlich) zu schädigen, sollte die Versorgung nur nach strenger Indikationsstellung und mit Überwachung durch einen Phoniater/Pädaudiologen erfolgen.
Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität akustischer Signale können auch darin bestehen, dass z.B. im Klassenraum der Lehrer langsamer und besser artikuliert spricht. Zusätzlich können mögliche Informationen durch visuelle Hilfen ergänzt und damit metakognitive bzw. metaperzeptive Strategien erleichtert werden. Die behandelnden Fachärzte sollten den Pädagogen für Rückfragen und Beratungen zur Verfügung stehen.
Interventionen aus allen drei Bereichen können einzeln oder kombiniert eingesetzt werden. Für Maßnahmen, die zu Lasten der Krankenkassen verordnet und durchgeführt werden, ist eine Nachkontrolle einschließlich Katamnese erforderlich. Die therapeutischen Interventionen sollten möglichst frühzeitig nach Diagnosestellung erfolgen, um unter Berücksichtigung der hohen Plastizität des Nervensystems im Kindesalter optimale Therapieerfolge zu erzielen und bleibende Funktionsdefizite zu vermeiden. Die Behandlung sollte möglichst umfassend erfolgen und alle drei vorgenannten Bereiche berücksichtigen. Die Behandlung und deren Ziele sind auf der Basis der diagnostischen Befunde, der individuellen Vorgeschichte sowie der sprachlichen und entwicklungspsychologischen Untersuchungsdaten zu planen.

 


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