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AG Klin. Mikrobiologie

 

Geschichte und Konzept

 

Gehäuftes Auftreten von sog. Problemkeimen war bereits Ende der Siebziger Jahre Anlaß zur Etablierung einer wöchentlichen mikrobiologischen Visite einiger Intensivstationen der MHH. Anfang der Neunziger Jahre wurde eine Arbeitsgruppe Klinische Mikrobiologie im Institut für Med. Mikrobiologie eingerichtet, die zur Zeit aus 3 ständig und schwerpunktmäßig in diesem Bereich tätigen Ärzten besteht. Assistenzärzte, die zum Abschluss ihrer Weiterbildung zum Facharzt für Mikrobiologie ihr klinisches Jahr absolvieren, gehören für diesen Zeitraum der AG an. Weitere in der Stationsbetreuung tätige Ärzte des Institutes sind der Arbeitsgruppe beigeordnet.

 

Tätigkeitsschwerpunkt der AG Klinische Mikrobiologie ist die infektiologische Betreuung möglichst aller Intensivstationen und weiterer Bereiche des eigenen Klinikums und externer Kliniken, in denen Patienten mit besonders hohem Infektionsrisiko behandelt werden. Dies umfasst eine tägliche Visite, bei der infektiologische Probleme, aktuelle Befunde sowie diagnostisches und therapeutisches Vorgehen besprochen werden. Auf dieser Basis entsteht eine weitreichende Kommunikation zwischen den diagnostischen Laboren, den Mitarbeitern der Arbeitsgruppe und den behandelnden Ärzten mit dem Zweck, durch zielgerichteten Einsatz mikrobiologischer Untersuchungen eine Optimierung der Differentialdiagnostik und der antimikrobiellen Therapie zu erreichen - oder auch, rational begründet, auf den Einsatz von Antibiotika zu verzichten.

 

Neben der Erörterung aktueller Fragen bedeutet das tägliche Gespräch eine ständige Weiterbildung der beteiligten Ärzte - Kliniker wie Mikrobiologen - auf dem Gebiet der Infektiologie. Da die Mikrobiologie einen klinischen Bereich in der Regel über einen längeren Zeitraum betreut, während die Besatzung der Intensivstationen nicht selten nach einem halben Jahr wechselt, wird der klinische Mikrobiologe neben dem Abteilungsoberarzt zum Kontinuitätsträger auf dem Gebiet der Infektiologie.

 

 

Werkzeuge und Arbeitsgebiete

 

Die AG verfügt über eine Keimhäufigkeits- und Resistenzstatistik, die in ihrer aktuellen Form Daten seit 1988 in Halbjahresintervallen für die gesamte Klinik und ihre Intensivbereiche in einem einheitlichen Format bereitstellen kann. Diese Daten sind ein wesentliches Werkzeug zur Beurteilung der Epidemiologie von Krankenhausinfektionen (Keimhäufigkeits- und Resistenzstatistik der Medizinischen Hochschule Hannover (nur intern verfügbar)). Immer wieder zeigt sich der enge Zusammenhang von Verordnungsverhalten und Verbrauch von Antibiotika sowohl in der Prophylaxe als auch in der Therapie und der resultierenden Keimhäufigkeit mit der Inzidenz von Antibiotikaresistenzen. Aus der Analyse des Antibiotikaumsatzes ergeben sich Maßzahlen zur groben Bewertung des Antibiotikagebrauchs einer Station. Die in der klinisch mikrobiologischen Arbeit gewonnenen Erkenntnisse werden damit wichtige Faktoren in der Gestaltung von Vorgaben in der Antibiotikapolitik. Daher ist eine Mitarbeit im Arzneimittelbeirat ebenfalls integraler Bestandteil dieser Tätigkeit.

 

Die Epidemiologie der Krankenhausinfektionen steht aber nur zu einem kleinen Teil im Zusammenhang mit dem Antibiotikaeinsatz. Die zeitnahe Sichtung von mikrobiologischem Befund und klinischem Bild sowie die stations- und abteilungsweite Synopse ermöglicht es, einzelne und insbesondere gehäuft auftretende Fälle von Hospitalinfektionen rasch zu erkennen und erfüllt damit die Funktion eines Frühwarnsystems. In enger Zusammenarbeit mit der Krankenhaushygiene werden Infektketten aufgeklärt. Soweit dies personell zu leisten ist, unterstützt die Arbeitsgruppe in ausgewählten Klinikbereichen die Durchführung einer Infektionserfassung auf hohem, internationalen Standards genügenden Niveau. In Zusammenarbeit mit der Krankenhaushygiene wurde 1992 ein Programm zur Vermeidung der Übertragung von oxacillin-resistentem Staphylococcus aureus (ORSA) etabliert, das seine Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt hat. Das Programm wurde inzwischen auf Maßgaben zum Umgang mit anderen zunehmend Probleme verursachenden multiresistenten Erregern ausgeweitet.

 

Die klinische Mikrobiologie integriert derzeit die Betreuung der Intensivbereiche in Fragen der Infektiologie sowohl auf diagnostischem als auch therapeutischem Gebiet in Zusammenarbeit mit der Krankenhaushygiene, die infektiologische Krankenhausepidemiologie sowie die Erfassung und Bekämpfung von nosokomialen Infektionen. Für diese Tätigkeit ist die Kommunikation und Zusammenarbeit mit Klinik, Krankenhaushygiene und Arzneimittelbeirat essentiell. Der Ausbau der Kommunikationsstrukturen bringt wesentliche Aspekte der Qualitätssicherung voran: Die Integration von in vielen Teilbereichen vorhandenem Wissen führt zu gesteigerter Qualität auf dem Gesamtgebiet der Infektiologie.

Nicht nur die Arbeit der Arbeitsgruppe stellt einen komplexen Prozeß dar, auch die Gruppe selbst befindet sich in stetiger Entwicklung. Mit zunehmender Erfahrung stellen sich Ansatzpunkte zur Effizienzsteigerung und zur Verbreiterung des Arbeitsgebietes dar. So ist absehbar, daß angesichts einer weiterhin sehr knapp bemessenen Personalausstattung Mittel zur Rationalisierung genutzt werden müssen. Eine moderne, auch unter den Gesichtspunkten der klinischen Mikrobiologie konzipierte Labor-EDV kann dabei wesentliche Hilfe leisten.

 

Neben dem Einsatz im Klinikum der MHH werden die Mitglieder der Arbeitsgruppe wiederholt zu konsiliarischen Beratungen an anderen Krankenhäusern der Region gebeten.

 

 

Resultate

 

In den vergangenen Jahren ist es gelungen, den Antibiotikaumsatz in den Intensivbereichen stabil zu halten, während er auf den aus Personalgründen weniger intensiv betreuten Normalstationen kontinuierlich gestiegen ist.

Die Nachweisrate von MRSA an der MHH war bis 2001 auch im nationalen Vergleich außerordentlich niedrig; die Inzidenz nachgewiesener Übertragungen von MRSA-Stämmen innerhalb des Klinikums sehr gering. Auf den deutschlandweit zu findenden Anstieg der MRSA Häufigkeit wurde mit Maßnahmen reagiert, die zu einem signifikanten Rückgang der nosokomialen MRSA Infektionen geführt hat (siehe auch Krankenhaushygiene).

 

 

Mitglieder der AG Klinische Mikrobiologie

 

OA Dr. med. S. Ziesing

 

Arbeitsgruppenleiter

Klinisch-mikrobiologische Betreuung der Herz-Thorax-Gefäßchirurgie, im Besonderen der Intensivstation 74, der Stationen 12 und 15 sowie  Brandverletztenzentrum Stat. 71 

Vertreter der Mikrobiologie im Arzneimittelbeirat und der Antibiotikakommission der MHH

Inhaltliche und redaktionelle Ausarbeitung der Empfehlungen zur Antibiotikatherapie an der MHH

Führung der Keimhäufigkeits-, Resistenz- und Antibiotikaverbrauchsstatistiken

 

OA PD Dr. med. P. Kirschner

Klinisch-mikrobiologische Betreuung der Kardiologischen Intensivstation 24B, Infektionsstation 78 sowie der Hämato-Onkologie (Stationen 42 und 79)

 

In der klinisch - mikrobiologischen Betreuung tätig sind weiterhin:

OA Prof. Dr. med. A. Klos (Unfallchirurgische Intensivstation 73)

OA Dr. med. L. Sedlacek (Abdominalchirurgische Intensivstation 81, Pädiatrische Intensivstation 67, Hämato-Onkologie-Stationen 62 und 64a, Cystische Fibrose)

OA Prof.  Dr. med. R.-P. Vonberg (Intensivstationen 34 und 44, Anna- und Henriettenstift)

Dr. P. Chhatwal (Friederikenstift Intensivstation 1 Süd und Intermediate Care Station 1 West)

 

 

Keimhäufigkeits- und Resistenzstatistik der Medizinischen Hochschule Hannover (nur intern verfügbar)