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Lehre

Neugierig auf das große Rätsel Medizin

Prof. Dr. Hermann Haller ist Leiter der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen.

 

Als der Modellstudiengang vor elf Jahren an den Start ging, sagten Prof. Haller, HannibaL steht für einen neuen Weg über die Alpen und den Angriff auf etablierte Strukturen in der Lehre. Hat HannibaL mittlerweile die „Alpen" überwunden?

 

Wir sind noch nicht auf der anderen Seite angekommen, aber nach elf Jahren intensiver Arbeit sehen wir bereits den Alpenhauptkamm, und es liegen einige Zweitausender hinter uns. Die Herausforderungen sind jedoch die gleichen geblieben: praxisnahe Ausbildung, Begeisterung für die Wissenschaft wecken, verlässliche Organisation und gute Betreuung. Die Studierenden sollen verantwortungsvolle Ärzte werden, denen die Patienten vorbehaltlos anvertraut werden können. Gleichzeitig wollen wir medizinische Wissenschaftler ausbilden, die neugierig und aufgeschlossen das große Rätsel Medizin erforschen. Das ist ein riesiges Spannungsfeld. Darum haben wir die starre Trennung zwischen reinen naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern und praktischer ärztlicher Ausbildung aufgehoben, indem wir den Patientenkontakt in die ersten Studienjahre vorgezogen haben.

 

Welche Herausforderungen ergeben sich daraus?

Wir müssen den Studierenden die naturwissenschaftlichen Fakten und Vorstellungen spannend und in hoher Qualität vermitteln und bei ihnen gleichzeitig ein Problembewusstsein für das Leid der Patienten und deren Ansprüche an Diagnostik und Therapie entwickeln. Der Patient steht bei HannibaL immer im Mittelpunkt der Betrachtungen.  Zur Linderung von Krankheiten gehört ein Verstehen des Leids und der Probleme unserer Patienten. Doch die moderne molekulare Medizin ist ohne die naturwissenschaftlichen Fächer undenkbar. Als akademischer Arzt  und Lehrer muss ich diese beiden Pole der modernen Medizin zusammen sehen. Die Menge an aktivem Wissen, welches im Studium gelernt werden muss, führt zu einem sehr anspruchsvollen und zeitintensiven Lehrplan. Die Zeit, die die Studierenden in diesen Kursen verbringen, ist extrem lang. Die Lehrenden müssen Kompromisse in der Gestaltung der Curricula eingehen unter dem Stichwort: Was und wie viel muss von dem zu lernenden Stoff gelehrt werden?

 

Wie zufrieden sind die Studierenden mit HannibaL?

 

Die Studierenden, die den Regel- und den Modellstudiengang erlebt haben, beurteilen HannibaL als wesentlich besser. Ein Grund dafür ist, dass Studierende und Lehrende in der Studienkommission gemeinsam an der Entwicklung und Gestaltung von HannibaL beteiligt sind. Eine wichtige Kritik der Studierenden ist, dass der Modellstudiengang sehr verschult ist, was die Prüfungen und Noten betrifft, und darum wenig Freiraum für das Eigenstudium bietet. Das empfinden die Studierenden als große Belastung. Allerdings eröffnet gerade der Modellstudiengang hier größere Freiheiten in der Gestaltung des Curriculums, die wir in Zukunft noch mehr nutzen sollten.

 

Wie macht sich diese Belastung bemerkbar?

Die Studierenden kritisieren die psychische Belastung durch die häufigen Prüfungen – das hat mich sehr überrascht. Wir haben bei der Einführung von HannibaL bewusst die Mammutprüfungen Physikum und Erstes Staatsexamen abgeschafft und durch kontinuierliche kleinere Testate ersetzt, weil wir den Studierenden genau diese psychische Belastung ersparen wollten. Ich möchte, dass die Studierenden im Studium Begeisterung für den Stoff entwickeln und die regelmäßige Leistungsüberprüfung lediglich als sportliche Trainingseinheit sehen.

 

 

Wie können Sie das ändern?

Ein wichtiges Ziel in der Weiterentwicklung von HannibaL ist, den Lehrstoff zu komprimieren und die Seminare und Praktika sinnvoll zu kombinieren. Dadurch gewinnen die Studierenden mehr Flexibilität und Freiräume für das Eigenstudium. Die Frage, wie viel und welche Betreuung die Studierenden brauchen und was wir an der MHH anbieten können, wird im kommenden Jahr erörtert werden müssen. Ein weiteres Ziel ist, angehende Mediziner und Zahnmediziner für die molekulare Biomedizinforschung zu begeistern. Ein zentrales Angebot des Modellstudiengangs ist darum, das Strukturierte Doktorandenprogramm (StrucMed) möglichst gut in die Lehrveranstaltungen zu integrieren.

 

HannibaL hat sich einer externen Evaluation durch die Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover (ZEvA) gestellt, eine gemeinsame Einrichtung der niedersächsischen Hochschulen. Worum ging es dabei?

Die ZEvA hat das Qualitätsmanagement und die Organisationsstruktur des Medizinstudiums an der MHH, wie zum Beispiel die Abläufe der Prüfungen, evaluiert. Es ging hierbei nicht speziell um die Inhalte des Modellstudiengangs sondern um die Organisation und Abläufe des Studiums.

 

 

Was sind die Ergebnisse?

Die Gutachter haben unseren Ansatz und die Ziele sehr positiv bewertet. Auch die von uns in den vergangenen Jahren entwickelten Strukturen des Modellstudiengangs wurden begrüßt und als vorbildlich dargestellt. Unser Prüfungssystem wurde hoch gelobt – vor allem die computergestützten Klausuren, die elektronische Auswertung und die flächendeckende Evaluation im Anschluss an die Prüfung. Hier liegt die MHH im bundesweiten Vergleich mit anderen medizinischen Fakultäten an der Spitze. Gleich im Anschluss an die Lehrveranstaltungen und evaluieren die Studierenden die Vorlesung  . Dadurch haben wir eine extrem hohe Rücklaufquote von 90 Prozent. Mit unserem Evaluationssystem sind wir in der Lage, innerhalb kürzester Zeit auf Ergebnisse zu reagieren und dann gezielt nachzubessern.

 

 

Gab es auch Kritik?

 

Ein großer Kritikpunkt ist die Kommunikation über den Studiengang innerhalb der Hochschule. Insbesondere die Evaluationsergebnisse werden nicht ausreichend transparent kommuniziert, obwohl wir sie in das Internet stellen und in der MHH aushängen. Für die Lehrkultur an der MHH ist es wichtig, dass wir ganz offen, im Sinne einer personenbezogenen Evaluation, darüber reden, wer gut oder schlecht abgeschnitten hat.

 

 

Welche Konsequenzen hätte das denn?

 

Wir wollen in Zukunft gute Lehre direkt belohnen und dafür Lehrpreise vergeben. Das ist eine qualitätsabhängige Mittelvergabe für gute Lehre.  Insgesamt sollen dafür mehr als 200.000 Euro zur Verfügung stehen, dies könnte Lehrpreise in Höhe von 15.000 bis 20.000 Euro für eine exzellente Lehrveranstaltung bedeuten. Das ist nicht zu verwechseln mit der jetzigen Mittelvergabe in der Lehre, die im Wesentlichen die Quantität des Unterrichts zum Maßstab hat. Die Vergabe von Lehrpreisen wird auch zu einer Diskussion mit Lehrenden führen, die schlecht in der Evaluation abschneiden. Hier werden Beratungen und didaktische Weiterbildungen angeboten werden.

 

 

Wie sehen Sie die Beurteilung der ZEvA?

Ich bin zufrieden, weil wir von erfahrenen Gutachtern eine kritische Stellungnahme erhalten haben, gerade zu den kommunikativen Prozessen. Das drängt uns in die richtige Richtung. Es ist zwar schön, dass sie uns insgesamt positiv beurteilt haben, aber es ist wichtiger, dass wir jetzt wissen, wo unsere Baustellen sind. In zwei Jahren begutachtet das Wissenschaftsministerium den Modellstudiengang. Wenn wir bis dahin die bestehenden Strukturen vervollkommnen, stehen die Chancen gut, dass HannibaL in einen Regelstudiengang überführt wird.

 

Weitere Informationen zu HannibaL finden Sie hier.