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Presseinformation

22. 10. 2018

„Jedes kranke Kind, das als Notfall in die MHH kommt, wird behandelt“


Beim Pflegekräftemangel auf der Kinderintensivstation mahnt die MHH gemeinsame Anstrengungen an



Gemeinsam mit dem Team der Station 67: Iris Meyenburg-Altwarg (links), Dr. Michael Sasse (Sechster von links), Dr. Andreas Tecklenburg (Neunter von links), Hannah Tönsfeuerborn (Dritte von rechts) und Christiane Ganzer (Zweite von rechts).

Die Botschaft ist eindeutig: „Jedes kranke Kind, das als Notfall in die MHH kommt, wird nach unseren hohen Standards behandelt – und wenn nötig auch intensivmedizinisch versorgt.“ Das betonte Dr. Andreas Tecklenburg, Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), am Montag während eines Pressegesprächs. Dabei spiele es keine Rolle, ob das Kind zum Beispiel nach einem Unfall per Rettungswagen in die MHH gekommen oder von den Eltern gebracht worden sei.

 

12 bis 15 von 18 Betten können auf der Station 67 sicher betrieben werden

 

In den vergangenen Tagen war es zu Fehlinterpretationen gekommen. Die MHH hatte gegenüber einem TV-Team des NDR bestätigt, dass sie in diesem Jahr den Anfragen von anderen Kliniken auf Übernahme eines erkrankten Kindes in knapp 100 Fällen eine Absage erteilen musste. Dazu kommen Absagen bei 200 Kinder, bei denen eine geplante Operation ansteht, die aber keinen Notfall darstellt. Der Grund: Die Anzahl der Intensivpflegekräfte reicht nicht aus, um alle 18 Betten auf der Kinderintensivstation 67 zu betreiben, sondern meist nur 12 bis 15 Betten. „Die beschriebenen Fälle von nicht aufgenommenen Notfall-Kindern betrafen nur Patienten, die bereits in anderen Kliniken stationär erstversorgt worden waren“, sagte Dr. Tecklenburg, der im Präsidium zuständig für das Ressort Krankenversorgung ist. „Zu keiner Zeit wurden Kinder abgewiesen, die bereits in die MHH, etwa über die Notaufnahme, gekommen waren.“

 

MHH-Kinderintensivstation nimmt Sonderrolle ein

 

In 160 Fällen konnte die MHH-Kinderintensivstation in diesem Jahr kranke Kinder aus anderen Kliniken übernehmen. Insgesamt wurden hier 2018 bereits 900 Kinder behandelt, im gesamten Jahr 2017 waren es 1.060 gewesen. Die Station 67 ist eine der größten Kinderintensivstationen in Deutschland und nimmt eine besondere Rolle ein. „Wir können Therapien anbieten – wie etwa den zeitweiligen maschinellen Ersatz von Herz und Lunge (ECMO) –, die nur in wenigen Kinderkliniken zur Verfügung stehen“, sagte Dr. Michael Sasse, der Leiter der Kinderintensivmedizin der MHH. „Dank der herausragenden Expertise der MHH werden auf unserer Kinderintensivstation besonders schwer kranke Patienten behandelt. Die MHH ist zum Beispiel ein bundesweites Mukoviszidose-Zentrum und Deutschlands größtes Transplantationszentrum. Bestimmte Verfahren, wie die Kleinkinder-Lungentransplantation, werden ausschließlich nur hier in Hannover durchgeführt.“ Und diese kleinen Patienten würden auf der Station 67 intensivmedizinisch betreut, wie Dr. Sasse erläuterte. Die Anfragen nach Übernahme von kranken Kindern kommen deshalb nicht nur von Kliniken aus Niedersachsen, sondern aus ganz Deutschland und zum Teil aus dem europäischen Ausland – oft auch von Kliniken, die selbst unter Personalmangel in ihrer Kinderintensivmedizin litten.

 

Eine Intensivpflegekraft sollte maximal zwei Patienten betreuen

 

Die MHH fühlt sich dem Wohl der ihr anvertrauten Patienten zutiefst verpflichtet und will allen Patienten die bestmöglichen Behandlungen und Heilungschancen ermöglichen. „Dazu gehört es, die wissenschaftlich fundierte Empfehlung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensivmedizin (DIVI) zum Betreuungsverhältnis Arzt/Patient und Pflege/Patient im Sinne der Patientensicherheit, Qualitätssicherung und einer fundierten Risikoanalyse einzuhalten“, sagte Christiane Ganzer, Fachkinderkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie sowie Stationsleitung auf der Station 67. „Das von der Fachgesellschaft empfohlene Pflege-Patienten-Verhältnis liegt bei 1:2 und wird bei uns im Sinne einer optimalen Patientenbetreuung eingehalten.“ Dr. Tecklenburg verwies auf die Auswirkungen der hohen Qualitätsstandards: „Auch dank dieses Pflege-Patienten-Verhältnisses konnte die Mortalität der schwerkranken Patienten, die hier versorgt werden, auf ein beispiellos niedriges Niveau gesenkt werden.“

 

Der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte ist leergefegt

 

Die MHH hat allein im vergangenen Jahr die Zahl der Vollkräfte (VK) in der Kinderintensivpflege von 51,9 VK (Oktober 2017) auf 54,6 VK (Oktober 2018) steigern und damit die Lücke verkleinern können. „Laut Plan müssten für eine optimale Versorgung nach den formulierten Qualitätsansprüchen für 18 Betten aber 62,0 VK auf der Station arbeiten“, erklärte Iris Meyenburg-Altwarg, Geschäftsführerin Pflege. „Wir versuchen mit gezielter Werbung, die Situation weiter zu verbessern und Intensivpflegekräfte schnellstmöglich zu finden. Wir könnten auf der Station 67 sofort mehr als sieben Intensivpflegekräfte in Vollzeit anstellen, der Arbeitsmarkt ist aber vollständig leergefegt.“ Der Mangel an qualifiziertem Intensivkrankenpflegepersonal sei kein alleiniges Problem der MHH, sondern betreffe alle Kliniken gleichermaßen, insbesondere auch die Kinderintensivpflege.

 

Trotz zweijähriger Weiterbildung gibt es kaum mehr Geld

 

Hannah Tönsfeuerborn arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Kinderintensivpflegekraft und weiß genau, warum immer weniger Menschen in der Intensivpflege arbeiten wollen. „Die wesentlichen Faktoren, die von den Beschäftigten genannt werden, sind die Arbeit in einem anstrengenden System mit drei Schichten und ungünstigen Arbeitszeiten, die hohe Verantwortung bei gesellschaftlich wenig Anerkennung der enormen Leistungen: Der Pflegeberuf ist dadurch im Ansehen immer unattraktiver geworden.“ Hinzu komme bei hoher Arbeitsverdichtung, die immense psychische Belastung, die in der Intensivmedizin und insbesondere der Kinderintensivmedizin besonders ausgeprägt sei. „Außerdem stellt die Bezahlung die Beschäftigten nicht zufrieden, sie fühlen sich im Vergleich zu anderen Berufsgruppen unterbezahlt“, sagte Tönsfeuerborn. „Für die Arbeit auf der Kinderintensivstation ist beispielsweise eine zweijährige Weiterbildung nötig, mehr Lohn gibt es dafür aber kaum.“

 

Schichtdienst und Wochenendarbeit belastet vor allem Familien

 

Hinzu kämen die vielen belastenden Nachtschichten, Wochenend- und Feiertagsdienste, die der Vereinbarkeit von Beruf und Familie stark im Wege stünden. Dies treffe vor allem Frauen mit Kindern: Obwohl sie ihren Beruf lieben und gerne weiterarbeiten würden, geben ihn viele wegen der mangelnden Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf. „Und dann sind die Aufstiegschancen sehr gering. Pflegekräfte absolvieren ein Studium für ihre persönliche Weiterentwicklung und wenden sich – wegen mangelnder Perspektiven – anderen Berufsfeldern zu“, ärgerte sich die Intensivpflegekraft. „Aber genau diese Perspektiven für eine Weiterentwicklung müssen wir anbieten können!“

 

Bei besserer Bezahlung auf einem guten Weg

 

Die MHH versucht Einiges, um Intensivpflegekräfte zu halten. Ein Beispiel: eine bessere Bezahlung. „Als Landesbetrieb sitzt die MHH bei den Verhandlungen zum Tarifvertrag der Länder nicht mit am Verhandlungstisch, kann also ihre Interessen nicht direkt vertreten“, erläuterte Vizepräsident Dr. Tecklenburg. „Wir sind seit längerem mit dem Finanzministerium und unserem Aufsichtsministerium, dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur, in Gesprächen, um im Rahmen der tarifrechtlichen Möglichkeiten die Gewährung tariflicher Zulagen zu ermöglichen, und wir stehen ganz kurz vor einer Lösung.“ Die zeichnete sich Montagmittag ab: Nach einem Schreiben des Aufsichtsministerium darf die MHH rückwirkend vom 1. Oktober 2018 an bis zum 28. Februar 2019 allen Pflegekräften in den Bereichen Kinderintensivpflege und Anästhesie, Intensivpflege und Anästhesie sowie im Bereich Pflege im Operationsdienst mit abgeschlossener Pflege-Fachweiterbildung eine Zulage von bis zu 250 Euro pro Monat zahlen. Die MHH hofft, dass diese Regelungen bei den nächsten Tarifverhandlungen Anfang 2019 von den Tarifpartnern in den Tarifvertrag der Länder übernommen werden.

 

MHH hat mehr als 400 Betreuungsplätze für Kinder geschaffen

 

Die MHH hat zudem mit dem aufwendigen Programm „Fit for Work and Life“ eine Initiative gestartet, die die Gesundheit und die Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten steigern soll. Die Hochschule hat zudem mittlerweile drei eigene Kindertagesstätten mit über 400 Betreuungsplätzen und Öffnungszeiten, die den Bedürfnissen der unterschiedlichen Berufsgruppen entsprechen. Durch eine zusätzliche Ferienbetreuung, werden den Eltern in den Schließzeiten alternative Betreuungskonzepte angeboten.

 

Anti-Burnout-Programm und Assistenten auf Station 67 sollen entlasten

 

Auch direkt auf der Kinderintensivstation 67 hat es bereits Veränderungen gegeben. „Wir haben unter anderem im Jahr 2013 ein bundesweit einmaliges und modellhaftes eigenes Anti-Burnout-Programm auf den Weg gebracht“, berichtete Dr. Sasse. Regelmäßig findet Supervision statt, und die Mitarbeitenden haben jederzeit die Möglichkeit, psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen. Stationsleitung Christiane Ganzer ergänzte: „Darüber hinaus haben wir Pflegeassistenten eingestellt, die den Pflegenden bestimmte Arbeit abnehmen können. Eine Pharmazeutisch-technische Assistentin übernimmt für die Pflegekräfte das Aufziehen und Bereitstellen von Infusionen und Medikamenten, um zusätzliche Entlastung zu schaffen.“

 

MHH bildet eigenen Pflegenachwuchs aus

 

Seit langem versucht die MHH, dem Pflegekräftemangel entgegenzuwirken. „Wir haben eine eigene Bildungsakademie Pflege, in der Pflegekräfte ausgebildet werden“, sagte Iris Meyenburg-Altwarg. Zudem würden Pflegekräfte zu Intensivpflegekräften im überregionalen Kursus Anästhesie und Kinderintensivpflege fortgebildet. „Mit gezielten Informationen, etwa über unsere Facebookseite MHHnova (www.facebook.com/MHHnova)oder über das Portal wissen.hannover.de, aber auch auf Job-Messen, versuchen wir potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten anzusprechen.“ Zudem habe eine AG Personalakquise in diesem Jahr die Arbeit aufgenommen.

 

Die Pflegeberufe gesellschaftlich stärken

 

Fünf Botschaften sind der MHH besonders wichtig. „Die Pflegeberufe müssen gesellschaftlich gestärkt und deren Wertschätzung wiederhergestellt werden. Nur wenn es gelingt, den Pflegeberufen wieder ein positives Image zu geben, werden junge Menschen sich entschließen, diesen sinnstiftenden Berufsweg einzuschlagen“, sagte die Kinderintensivpflegekraft Hannah Tönsfeuerborn. „Die Arbeitsbedingungen müssen sich verbessern, damit die Abwanderung von Pflegekräften in andere Berufsfelder gestoppt wird. Dazu gehört auch eine bessere Bezahlung dieser Berufsgruppe“, ergänzte Christiane Ganzer, Pflegeleitung auf der Station 67. „Die Bildungsakademien der Pflege müssen gefördert und optimal finanziell und materiell ausgestattet werden, um ein attraktives Ausbildungsangebot anbieten zu können“, betonte Iris Meyenburg-Altwarg, Geschäftsführerin Pflege. „Der Pflegenotstand sollte nicht parteipolitisch ausgeschlachtet werden, denn es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem“, sagte Dr. Sasse. Und Dr. Tecklenburg mahnte abschließend an: „Kliniken, Fachgesellschaften, Tarifpartner und Institutionen müssen gemeinsam an einem Strang ziehen, um den Pflegenotstand in den Griff zu bekommen, den es überall in Deutschland in allen Bereichen der Pflege gibt.“







V. i. S. d. P.: Stabsstelle Kommunikation der MHH


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