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Presseinformation

01. 06. 2018

Millionen für MHH-Spitzenforscher von der EU


MHH-Wissenschaftler erhalten mehr als 3,5 Millionen Euro von der Europäischen Union / Weltweit einmalige Infrastruktur soll helfen, Lungenerkrankungen heilbar zu machen



Professor Jonigk. Quelle "MHH/Kaiser".

Hohe Auszeichnung für Forscher der MHH: Professor Dr. Danny Jonigk vom Institut für Pathologie hat von der Europäischen Union (EU) die sehr begehrte Wissenschaftsförderung „Consolidator Grant des European Research Council (ERC)“ erhalten – und somit eine Zuwendung von rund zwei Millionen Euro. Darüber hinaus bekommen vier weitere MHH-Teams insgesamt mehr als 1,5 Millionen Euro für ihre Forschungen in neuen europäischen Verbünden.

 

Professor Dr. Danny Jonigk hat mit seinem Vorhaben „Hanover experimental lung research project (XHaLe)“ das Ziel, bisher unheilbare Lungenerkrankungen heilen zu können: Derzeit sterben pro Jahr in Europa rund eine halbe Millionen Menschen an Lungenerkrankungen, die keine Krebsleiden sind – also beispielsweise an chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), einer Lungenfibrose, einer Lungenentzündung oder an starkem Asthma. Bisher können Medikamente diese Erkrankung zwar zum Teil in ihrer Entwicklung verlangsamen, aber nicht heilen. Als letzte Therapiemöglichkeit bleibt den Betroffenen nur eine Lungentransplantation. Professor Jonigk will diese Krankheiten heilen. Dafür wird er in den kommenden fünf Jahren mit seinem Team 700 kranke Lungen untersuchen, die im Rahmen von Transplantationen den Patienten entnommen werden. Die MHH eignet sich für dieses Vorhaben in einzigartiger Weise, da an der MHH europaweit die meisten Lungen transplantiert werden: Im Jahr 2017 waren es rund 120.

 

Professor Jonigk untersucht anhand dieser Lungen insbesondere den Mechanismus der sogenannten Fibroisierung, der im Zentrum des Krankheitsgeschehens steht. Dies ist die krankhafte starke Vermehrung des Bindegewebes in der Lunge, aufgrund derer die Lunge nicht mehr richtig funktioniert. Bei diesem Prozess spielen Makrophagen eine Schlüsselrolle. Diese Zellen sollen mit Hilfe der sogenannten Genschere so verändert werden, dass sie den Krankheitsverlauf aufhalten beziehungsweise rückgängig machen können. Langfristig sollen diese Makrophagen den betroffenen Patienten per Infusion oder Inhalation in therapeutischer Absicht verabreicht werden können.

 

Professor Jonigk konzentriert sich mit seinem Team aber auch auf die Gesamtheit aller Entzündungszellen, die in den explantierten Lungen vorkommen. Sie aktivieren die so genannten Myofibroblasten – Zellen, die das Bindegewebe produzieren – und könnten auch Angriffspunkt für Medikamente sein. Der Wissenschaftler arbeitet dafür sehr eng mit Arbeitsgruppen der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie, der MHH-Klinik für Pneumologie und des MHH-Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie zusammen.

 

An der MHH gibt es eine weltweit einmalige Infrastruktur, die Professor Jonigk und seine Partner aufgebaut haben. Sie ermöglicht, dass die entnommenen Lungen sehr frisch untersucht werden können: Nachdem eine kranke Lunge im Rahmen einer Transplantation einem Patienten entnommen worden ist, wird sie zu jeder Tages- und Nachtzeit direkt ins MHH-Institut für Pathologie zu Professor Jonigks Arbeitsgruppe Lungenforschung gebracht. Es vergehen so höchstens 30 Minuten zwischen Entnahme des Organs und dem Beginn der ersten Untersuchungen. Dann bereitet die von Dr. Peter Braubach koordinierte Gewebebank das Organ für die Forscher so vor, dass sie ihre wissenschaftlichen Untersuchungen durchführen können. Dafür stehen sie an sieben Tagen pro Woche rund um die Uhr zur Verfügung und nutzen so alle diagnostischen Möglichkeiten der modernen Pathologie. 25 lokale, nationale und internationale Partner, vor allem aus dem Forschungsverbund BREATH – dem hannoverschen Standort des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) – nutzen bisher dieses Angebot. In den vergangenen vier Jahren hat die Arbeitsgemeinschaft Lungenforschung bereits mehr als 500 Lungenexplantate frisch aufgearbeitet.

 

Vier weitere MHH-Teams in europäischen Forschungsverbünden und Netzwerken

 

RECOMB: Das Team von Professor Dr. Axel Schambach und Dr. Michael Rothe, Institut für Experimentelle Hämatologie, beteiligen sich am fünfjährigen Projekt RECOMB und bekommt dafür rund 560.000 Euro. Die Wissenschaftler arbeiten in diesem Konsortium an der Entwicklung von Gentherapien für schwere kombinierte Immundefizienzen mit. Bei den von diesen Krankheiten Betroffenen ist das Immunsystem von Geburt an sehr schwer gestört. Die Forscher entwickeln Verfahren, mit denen die kranken Gene dieser Patienten durch korrekte Gene ersetzt werden können. Das MHH-Team erstellt sogenannte Genfähren – Moleküle, in die die gewünschten Gene eingebaut werden. Diese werden in blutbildende Stammzellen eingeschleust, um anschließend in den Patienten übertragen zu werden. Darüber hinaus entwickelt das MHH-Team neue Verfahren, mit denen die Sicherheit dieser Genfähren nachgewiesen werden kann.

 

REPO-TRIAL: Viele bereits zugelassene Medikamente können eventuell auch zur Therapie anderer Krankheiten eingesetzt werden, da sie oft grundlegende und gemeinsame Krankheitsmechanismen beeinflussen. Der auf sechs Jahre angelegt Forschungsverbund REPO-Trial hat es sich zur Aufgabe gemacht, solche bereits zugelassene Medikamente aus anderen Anwendungsgebieten hinsichtlich ihrer Wirkung bei Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems zu untersuchen. Im Rahmen des mit 550.000 Euro geförderten Teilprojektes untersucht das Team um Professor Dr. Johann Bauersachs und Professor Dr. Daniel Sedding von der Klinik für Kardiologie und Angiologie einen möglichen zusätzlichen Nutzen von etablierten Medikamenten bei Patienten mit einer Herzschwäche untersuchen.

 

CureCN: Die Teams von Professor Dr. Ulrich Baumann und Dr. Norman Junge, Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen, sowie Privatdozent Michael Ott, Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, beteiligen sich am Projekt CureCN, das auf fünf Jahre angelegt ist. Sie erhalten dafür von der EU rund 150.000 Euro. In diesem Vorhaben erarbeiten die Forscher eine Gentherapie zur Behandlung des Crigler-Najjar Syndroms. Das ist eine sehr seltene angeborene Störung der Leberfunktion. Bei dieser Erkrankung ist der Stoffwechsel des Bilirubins eingeschränkt und es kommt unbehandelt zu schwersten Behinderungen und zum Tod.

 

MATURE-NK: Neue Zelltherapien zur Behandlung von Krebserkrankungen – das ist das Ziel von MATURE-NK. Die EU fördert dieses neue Netzwerk für vier Jahre. Die MHH erhält rund 250.00 Euro. Im Vordergrund stehen sogenannte Natürliche Killerzellen (NK-Zellen), die aktiviert und so verändert werden, dass sie Erkennungsmoleküle (Chimäre Antigen-Rezeptoren) bilden. Dadurch können sie spezifisch Schlüsselstrukturen auf Krebszellen erkennen, die Krebszellen angreifen und zerstören. NK-Zellen können von gesunden Spendern gewonnen werden. Die MHH ist mit Professorin Dr. Ulrike Köhl, Leiterin des Instituts für Zelltherapeutika, Sprecher des Konsortiums, an dem insgesamt 13 anerkannte öffentliche Forschungseinrichtungen, klinische Abteilungen und private Unternehmen aus neun Ländern teilnehmen. 13 Doktorandinnen und Doktoranden werden darin an ihrer Promotion arbeiten. Sie werden Grundlagenforschung lernen, aber auch, wie man Ideen effizient in Produkte umsetzt, neue Therapien wirtschaftlich und sozial für die Gesellschaft nutzt und so letztendlich Europas Wettbewerbsfähigkeit stärkt.







V. i. S. d. P.: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der MHH


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