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Presseinformation

15. 03. 2016

Hilfe in seelischer Not – Ärzte und Pflegepersonal werden zu Kriseninterventionshelfern ausgebildet


Verein „Kleine Herzen“ initiiert einmaliges Projekt / Wissenschaftsministerin lobt Initiative zur besseren Betreuung von Angehörigen schwerstkranker Kinder auf Intensivstationen



V.l.n.r.: Ramazan Salman, Gabriele Heinen-Kljajic, Prof. Dr. Christopher Baum, Ira Thorsting, Hermine Nock, Dr. Michael Sasse, Prof. Dr. Hans-Carlo Kallfelz, Prof. Dr. Philipp Beerbaum.

Angst, Hilflosigkeit und Wut sind häufige Reaktionen verzweifelter Eltern, deren Kind wegen einer lebensbedrohlichen Erkrankung oder eines Unfalls auf der Intensivstation liegt. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), der Verein „Kleine Herzen Hannover“ und das Pädiatrische Intensiv Netzwerk (PIN) haben zur besseren Betreuung der Angehörigen von herzkranken, schwerstkranken und verletzen Kindern auf Intensivstationen das einmaliges Projekt „Kriseninterventionshelfer im klinischen Einsatz“ ins Leben gerufen. „Der Verein Kleine Herzen hat mit herausragendem ehrenamtlichen Engagement erreicht, dass Eltern und Angehörige herzkranker Kinder in dieser schweren Zeit verlässlich begleitet werden. Mit der Weiterbildung zum Krisenhelfer bekommen nun auch die enorm belasteten Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger die notwendige Unterstützung. Ich begrüße es sehr, dass dabei ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse von Familien mit Migrationshintergrund gerichtet wird“, erklärte Gabriele Heinen-Kljajic, Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur. 

40 Prozent der Patienten und Angehörigen mit Migrationshintergrund

Das Ziel ist es, einen Teil der Ärzte, Pflegenden, Therapeuten, Psychologen, Absolventen der Pflegeschulen und Studierenden der MHH und der Kliniken des PIN zu Krisenbegleitern auszubilden, um der besonderen Belastungssituation von Angehörigen auf Kinderintensivstationen gerecht zu werden. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Patienten und ihren Angehörigen mit Migrationshintergrund – sie machen allein in der MHH etwa 40 Prozent aus. „Wir bemühen uns seit zehn Jahren, die psycho-soziale Betreuung von herzkranken jungen Menschen und ihren Angehörigen in der MHH zu verbessern. Das geht nur, weil dort jeder, vom Präsidium über den Professor bis zur Krankenschwester und den Therapeuten, unglaublich engagiert und offen für unsere neue Idee ist. Das Projekt Krisenintervention funktioniert nur im Team, und die Ärzte und Pflegekräfte sollen davon ebenso profitieren wie die Patientenfamilien“, betonte Ira Thorsting, Vereinsvorsitzende der „Kleinen Herzen Hannover“ und Initiatorin des Projektes.

Erste Pilot-Kurse sind abgeschlossen

Zwei Pilot-Kurse mit insgesamt 30 Teilnehmern haben schon stattgefunden. Sie belegen das große Interesse in den beteiligten Kliniken und den hohen Druck, unter dem vor allem Ärzte und Pflegekräfte stehen. Ein weiteres Ergebnis aus den Befragungen der Kursteilnehmer: Angesichts der gerade zur Zeit großen Zahl an Patienten aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien sind multikulturelle Aspekte besonders wichtig; darum wird das renommierte Ethno-Medizinische Zentrum Hannover in das Kursangebot einbezogen. Das gesamte Projekt wird wissenschaftlich begleitet.

MHH-Präsident lobt Initiative von Verein und Beschäftigten

„Aus- und Weiterbildung sind Kernaufgaben unserer medizinischen Hochschule. Das Projekt Kriseninterventionshelfer zeigt besonders deutlich, wie klug platzierte Programme berufsgruppenübergreifend wichtige Bedarfe decken, zum Nutzen aller Beteiligten und Betroffenen“, betonte MHH-Präsident Professor Dr. Christopher Baum. „Das Präsidium der MHH freut sich sehr, dass dieses wegweisende Projekt durch die Initiative unserer Mitarbeiter und der Stiftung Kleine Herzen entstanden ist und sich sehr erfolgreich weiterentwickelt."

Netzwerk in ganz Niedersachsen soll entstehen

Über die bereits vorhandenen Strukturen des PIN soll in einem weiteren Schritt ein nachhaltiges Netzwerk von Kriseninterventionshelfern entstehen, um betroffenen Familien auch am Heimatort helfen zu können. Für die ersten drei Jahre werden Kosten von 200.000 Euro erwartet, die zum großen Teil von den „Kleinen Herzen“ finanziert werden und für die noch dringend Geldgeber gesucht werden. Das PIN, dem inzwischen 43 norddeutsche Kliniken angehören, kümmert sich um eine bessere Kommunikation zwischen den Kliniken, gemeinsame Strategien in der Behandlung und der Aus- und Weiterbildung.

„Das pädiatrische Intensivnetzwerk ist ein weltweit einmaliges Projekt, das schwerstkranken Kindern in Norddeutschland die bestmögliche Behandlung ermöglichen soll. Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen muss in vielen Fällen eine Krisenintervention für die Familien durchgeführt werden, da die psychologischen Belastungen für sie außerordentlich hoch sind“ sagte Dr. Michael Sasse, leitender Oberarzt der MHH-Kinderintensivstation und Initiator des PIN.

„Ausweitung auf ganz Deutschland ist notwendig“


Unterstützung kommt auch vom Bundesverband Herzkranke Kinder. „Die Einführung dieses einzigartigen, innovativen Projektes ist in allen deutschen Kinderherzkliniken notwendig. Eine bundesweite interdisziplinäre Schulung garantiert Nachhaltigkeit und dient sowohl der ,Psychohygiene“, als auch der Vorbeugung von Überlastung von Ärzten und Pflegern“, erklärte die Geschäftsführerin Hermine Nock.

Die Kurse für Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten und Betreuer aus der MHH und aus 43 Kliniken des Pädiatrischen Intensiv Netzwerks P.I.N. in Norddeutschland werden vom renommierten Institut für Human Resources unter Leitung von Michael Steil durchgeführt. Damit ist das neue Projekt der "Kleinen Herzen" auch an das bundesweite Netzwerk PSNV für psychosoziale Notfallversorgung angeschlossen.

 

 







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