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Presseinformation

13. 04. 2018

Student rettet Tennisspieler das Leben


Zahnarzt bricht auf Court mit Herzversagen zusammen: „Es gab keinerlei Vorzeichen“ / 21-Jähriger hilft mit Herzdruckmassage und Defibrillator



Dr. Christian Napp, Lennart Stalp, Mirko Philipp und Professor Dr. Johann Bauersachs mit einem Defibrillator. Quelle „MHH/Kaiser“.

Mirko Philipp freute sich auf das Tennistraining am Abend des 31. Januar 2018. Ein Tag, den der Zahnarzt mit einer Praxis in der List so schnell nicht mehr vergessen wird: Er hatte sich mit zwei Mitspielern und dem Trainer zu einer Stunde im Sportpark Isernhagen verabredet. „Alles war gut“, erinnert sich der 55-Jährige. „Nach dem Aufwärmen folgten die ersten Ballwechsel, doch dann weiß ich nichts mehr: Irgendwer hat den Stecker gezogen.“ Mirko Philipp bricht in der Tennishalle zusammen.

Herzdruckmassage im Rhythmus von „Staying alive“

„Er hat noch ,aua‘ gerufen. Wir dachten, er wäre umgeknickt“, erinnert sich Mitspieler Lennart Stalp. Der 21-Jährige eilte auf die andere Seite des Courts. „Schnell merkte ich, dass er bewusstlos war, kaum noch Puls hatte, und die Atmung schließlich ganz aussetzte.“ Dem Medizinstudenten im sechsten Semester war sofort klar, dass es um Leben und Tod ging. Sofort leitete er Wiederbelebungsmaßnahmen ein. „Eine Reanimation hatte ich auch in meinem Studium noch nie gemacht“, sagt Stalp, „doch an die Herzdruckmassage konnte ich mich noch aus dem Erste-Hilfe-Kursus erinnern.“ Und an das Lied „Staying alive“ von den Bee Gees: „Das ist genau der richtige Rhythmus für die Herzdruckmassage.“

Doch auch die anderen Tennisspieler blieben nicht untätig. Die Mitspielerin wählte sofort die 112 und informierte damit den Rettungsdienst, andere holten geistesgegenwärtig den Defibrillator, der in der Tennishalle hängt.

Mit Defibrillator gegen plötzlichen Herztod


In Deutschland sterben jährlich mehr als 100.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Kommt es zum Kammerflimmern, sinkt die Pumpleistung des Herzens abrupt auf null, und es tritt ein Kreislaufstillstand ein. „Der Einsatz eines Defibrillators ist die einzige Möglichkeit, den Kreislauf wieder herzustellen“, erklärt Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Dabei wird das Herz durch gezielte Stromstöße eines AED (Automatisierte Externe Defibrillation) „entflimmert“.

„Die Bedienung ist sehr einfach“

Je schneller die Defibrillation erfolgt, desto größer ist die Chance, dass der Betroffene überlebt und keine schweren Hirnschäden davonträgt. „Im Krankenhaus werden mit dem Einsatz von Defibrillatoren gute Erfolge erzielt. Kommt es aber außerhalb von Kliniken zu Zwischenfällen, vergeht oft zu viel Zeit, bis defibrilliert wird“, erläutert Professor Bauersachs. „Dank der Defibrillatoren vor Ort, die auch von Laien gefahrlos bedient werden können, werden Menschenleben gerettet.“ So auch im Sportpark Isernhagen. „Ich habe die Herzdruckmassage fortgesetzt, weitere Helfer haben den Defibrillator vorbereitet“, erinnert sich Lennart Stalp. „Die Bedienung ist sehr einfach, denn er redet mit den Helfern und sagt genau, was man tun muss“, meint der Student. „Der Defibrillator analysiert selbsttätig, ob ein Stromstoß notwendig ist, da kann man gar nichts falsch machen.“ Bei Mirko Philipp rettet der Stromstoß sein Leben. „Als der Rettungsdienst nach knapp zehn Minuten eintraf, schlug sein Herz bereits wieder“, sagt Stalp.

Zuvor keine Warnzeichen gehabt

Zahnarzt Mirko Philipp hat von all dem nichts mitbekommen. „Da habe ich einen Filmriss: Ich bin erst wieder auf der Intensivstation der MHH wach geworden.“ Mit einer medikamentösen Therapie und einem einzigen Stent konnten die Kardiologen um Professor Bauersachs das Durchblutungsproblem in den Herzkranzgefäßen beheben. „Bei mir hatten sich keine Warnzeichen bemerkbar gemacht, hatte ein tolles Wochenende zuvor“, sagt Mirko Philipp.

„Jeder kann zum Lebensretter werden“

Laut Professor Bauersachs ist das für viele Patienten nicht untypisch. „Menschen sterben am plötzlichem Herztod – ganz ohne gesundheitliche Vorzeichen. Und gerade in solchen Fällen ist es wichtig, dass die Umstehenden sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen, also der Herzdruckmassage, und den Notarzt rufen.“ Wo immer es Defibrillatoren gibt – zum Beispiel in vielen hannoverschen U-Bahn-Stationen, aber auch in öffentlichen Gebäuden oder Plätzen – sollten sie unbedingt genutzt werden. „So kann jeder ganz einfach zum Lebensretter werden“, betont Professor Bauersachs.

Mirko Philipp ist sich bewusst, wie viel Glück er hatte. „Ich bin meinen Lebensrettern sehr dankbar.“ Doch dabei wollte er es nicht belassen. „Ich habe einen Defibrillator gekauft und in meine Praxis gehängt. Und wenn ich am Wochenende zu Tennisturnieren fahre, nehme ich ihn mit. Wer weiß denn schon, ob es in den anderen Hallen Defibrillatoren gibt.“

Fünf Tipps: So helfen Sie richtig

Mit diesen fünf Tipps helfen Sie bei einem Herzstillstand richtig:

1. Auf Bewusstlosigkeit prüfen: Ersthelfer sollten als Erstes prüfen, ob der Betroffene bewusstlos ist und den Puls fühlen. Legen Sie die Person auf den Rücken und klopfen abwechselnd auf die linke und rechte Wange des Betroffenen und sprechen ihn an. Wenn er sich nicht bewegt und kein Puls zu fühlen ist, ist ein Herzstillstand wahrscheinlich.
 
2. Umstehende einbinden und 112 wählen: Bitten Sie Umstehende, über den Notruf 112 den Notarzt zu alarmieren und  die Rettungssanitäter zum Unfallort zu führen. Andere Umstehende sollten gegebenenfalls nach einem Defibrillator Ausschau halten.

3. Wiederbelebungsversuch beginnen: Knien Sie sich seitlich neben den Betroffenen und legen den linken Handballen auf die Mitte des Brustbeins. Anschließend legen Sie die rechte Hand auf die linke und beginnen, kräftig zu drücken, nicht zimperlich sein. Der Rhythmus ist etwa 100 Mal pro Minute. Um im Takt zu bleiben, können Sie den Bee Gees-Song „Staying alive“ summen. Auf Mund-zu-Mund-Beatmung können Sie verzichten.

4. Defibrillator bei laufender Herzmassage anlegen: Wenn Sie wissen, dass ein externer Defibrillator in der Nähe ist, schicken Sie eine zweite Person los, um ihn zu holen. Sie sollten die Herzdruckmassage nicht unterbrechen. Der Defibrillator sagt, was zu tun ist.

5. Herzdruckmassage bis zum Eintreffen der Rettungskräfte fortführen.



Das ist bei einem Automatischen Externen Defibrillator (AED) zu beachten, wie etwa bei den Modellen die in Hannover die ÜSTRA in vielen Haltestellen installiert hat:

1. ZIEHEN:
Durch den Zug am Griff wird der Defibrillator eingeschaltet.
Sprachanweisungen leiten Sie nun durch die einzelnen Schritte der Bedienung.

2. PLATZIEREN:
Nachdem Sie die Brust entblößt haben, kleben Sie die beiden selbstklebenden Elektroden auf den Oberkörper des Betroffenen. Wo sie platziert werden müssen, zeigt Ihnen eine Grafik. Jetzt analysiert das Gerät die Herztätigkeit (EKG) und stellt fest, ob der Betroffene ein Kammerflimmern aufweist und mit Hilfe einer Defibrillation behandelt werden muss.

3. DRÜCKEN:
Wenn ein Kammerflimmern festgestellt wurde, weist Sie das Gerät an, den Knopf zur Defibrillation zu drücken. Eine Defibrillation ist nur in diesem Fall möglich. Falls notwendig, fordert der Defibrillator Sie zu einer Herz-Lungen-Wiederbelebung auf.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie, bauersachs.johannmh-hannover.de, Telefon (0511) 532-3841.







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