SitemapImpressumDatenschutzerklärungdeutschenglish
MHH Logo

Die Sigmoidoskopie als evidenzbasiertes Screeningverfahren für Darmkrebs – eine mögliche Option? (SIGMO)

<<   Gesundheitsökonomie   |   Projekte

Projektleitung:
Dr. Maren Dreier, MPH
Prof. Dr. Christian Krauth

Wiss. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:
Melanie Brinkmann, MSc

Dr. Daniela Salzmann, MA


Wiss. Hilfskraft:
Lara Fricke, BA

Laufzeit:
03/2019 – 02/2022

Projektförderer:
Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses

Institution:
Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung

Konsortialpartner:
Dr. Jona Theodor Stahmeyer, AOK Niedersachsen

Kooperationspartner:
Dr. Klaus Kraywinkel, Zentrum für Krebsregisterdaten, Robert-Koch Institut, Berlin
Prof. Dr. Ursula Seidler, Medizinische Hochschule Hannover, Klinik für Gastroenterologie
Dr. Gabriele Seidel, Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung

Hintergrund und Ziele:
In Deutschland können gesetzlich Versicherte zur Früherkennung von Darmkrebs zwischen dem immunologischen Stuhltest oder der Koloskopie wählen. Auf die in der aktuellen S3-Leitlinie bei Ablehnung der Koloskopie empfohlene Screening-Sigmoidoskopie haben gesetzlich Krankenversicherte bislang aufgrund fehlender Regelung durch die Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme keinen Anspruch. Für die Sigmoidoskopie, einem gegenüber der Koloskopie weniger aufwändigen und risikoärmeren Verfahren, zeigen Ergebnisse aus Meta-Analysen eine relative Risikoreduktion der Darmkrebs-Inzidenz um 18% (95%-KI 11-25%) und der Darmkrebs-Mortalität um 28% (20-35%).
Ziel dieser Studie ist es zu analysieren 1. welches Verfahren die Versicherten zur Früherkennung von Darmkrebs präferieren und 2. welchen Effekt das zusätzliche Angebot der Sigmoidoskopie auf die Teilnahme an, die Effektivität und die Kosten-Effektivität der Darmkrebsfrüherkennung hätte.

Methoden:
Zunächst werden die Versichertenpräferenzen in einer schriftlichen Befragung u.a. mittels Discrete-Choice Experiment (DCE) erhoben. Zielpopulation sind 50-60-jährige Versicherte der AOK Niedersachsen mit und ohne Koloskopie-Erfahrung. DCE nutzen hypothetische Wahlszenarien (Choice-Sets), anhand derer die entscheidungsrelevanten Teilaspekte der Verfahren quantifiziert werden. Für die Generierung der DCE werden im Vorfeld systematische Literaturrecherchen, Fokusgruppen und Expertenbefragungen durchgeführt, um relevante Charakteristika (Attribute) und ihre Ausprägungen (Level) zu identifizieren und auszuwählen.
Im zweiten Projektabschnitt werden mithilfe entscheidungsanalytischer Modelle die Auswirkungen eines zusätzlichen Angebots der Sigmoidoskopie zur Früherkennung von Darmkrebs auf die Teilnahme an den unterschiedlichen Verfahren, Nutzen (Lebensqualität, Lebensjahre) und Schaden (Komplikationen) auf Bevölkerungsebene sowie Kosteneffektivität (Kosten pro entdecktem Fall, Kosten pro qualitätsadjustiertem Lebensjahr) untersucht. In die Modelle fließen die Versichertenpräferenzen, lokalisationsbezogene epidemiologische Maßzahlen zu Darmkrebs aus Krebsregisterdaten, Daten zur Leistungsinanspruchnahme und weitere Parameter aus systematischen Literaturrecherchen zu Nutzen und Risiken der Verfahren ein.     

Ausblick:
Die Kombination von DCE und entscheidungsanalytischen Modellierungen zur Abschätzung der Effekte einer neuen Versorgungsform ist eine innovative und effiziente Methode. Die Ergebnisse liefern einen wichtigen Beitrag zur Entscheidung, ob die evidenzbasierte Sigmoidoskopie zusätzlich in das zukünftige Darmkrebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen werden sollte.