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PSMA-Therapie

 

Patienten- Information zur PSMA-Therapie bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom:

PSMA (Prostata-spezifisches Membran-Antigen) ist ein Eiweiß, welches sich oberflächlich auf Prostatakrebszellen findet. Bei der Therapie mit 177Lu-PSMA Liganden wird eine mit einem Teilchenstrahler radioaktiv markierte Substanz injiziert, die dann gezielt an Tumorzellen bindet und dort über die Strahlenwirkung ihren Effekt erzielt. Es handelt sich um eine nicht-arzneimittelrechtlich zugelassene Therapie, die an der Medizinischen Hochschule unter Einhaltung strengster Qualitätsanforderungen und unter Überwachung durch die zuständigen Aufsichtsbehörden hergestellt wird und bei Ihnen als individueller Heilversuch erfolgt.

 

Was ist das Ziel der Therapie?

Die Therapie ist palliativ, das heißt, eine Heilung ist wahrscheinlich nicht zu erzielen, sondern das Therapieziel besteht in einem Rückgang der Tumormasse, einem Sinken des PSA-Wertes und einer Linderung von Symptomen wie z. B. Schmerzen. Vergleiche zur Wirksamkeit der Therapie gegenüber etablierten Verfahren sind bisher nur sehr eingeschränkt verfügbar. Nach bisheriger Studienlage profitieren ca. zwei Drittel der behandelten Patienten von dieser Therapie (Absinken des PSA-Wertes).

Wie läuft die Behandlung ab?

Die Therapie wird stationär über einen venösen Zugang verabreicht, hierbei wird eine einzelne Dosis gegeben („1 Zyklus“). Begleitend zur Therapie erhalten sie eine Infusion mit Flüssigkeit. Die Tage nach der Therapie sollen Sie mind. 2 l am Tag trinken. Sie erhalten am Therapietag auch kühlende Kompressen für Ihre Speicheldrüsen. Es können mehrere Zyklen der 177Lu-PSMA Liganden Therapie gegeben werden, dies erfolgt üblicherweise in einem Abstand von 8 Wochen zwischen jedem Zyklus.

Was geschieht nach der Behandlung?

Da hier ein Teilchenstrahler verabreicht wird, geht die Therapie mit einer Strahlenexposition einher. Dies führt auch dazu, dass Sie sich nach der in Deutschland gültigen Strahlenschutzgesetzgebung für einige Tage auf der nuklearmedizinischen Station aufhalten müssen, diese für diese Zeit nicht verlassen dürfen und auch keinen Besuch empfangen können. Nach Entlassung sollten zunächst nach 2 Wochen und dann in vierwöchigen Abständen Blutbildkontrollen sowie eine Kontrolle weiterer Laborwerte erfolgen. Diese werden im Entlassungsbrief genau vorgegeben.

 

Gibt es Nebenwirkungen?

Die Therapie wird nach bisherigen Erfahrungen gut vertragen. Wie bei jeder systemischen Therapie kann es jedoch auch hier zu Nebenwirkungen und Komplikationen kommen, insbesondere ergeben sich folgende allgemeine und spezifische Risiken:

  • in < 10% der Patienten mehrwöchige Erschöpfung (Fatigue-Symptomatik), Übelkeit (Nausea)
  • vorübergehende / teils auch bleibende Mundtrockenheit (Xerostomie) durch Schädigung der Speicheldrüsen (insb. bei Vorschädigung der Speicheldrüsen sowie nach mehreren Therapiezyklen)
  • vorübergehender / teils auch bleibender Mangel an roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen (Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie), ggf. Notwendigkeit von Transfusionen
  • Nierenschädigung bis zur Dialysepflichtigkeit 
  • Allergische Reaktionen bis zu lebensgefährlichen Reaktionen
  • Bei Injektion neben die Vene: ausgedehnter Gewebeuntergang mit der eventuellen Notwendigkeit einer operativen Therapie/Amputation (Paravasatrisiko einschl. Radionekrose bis Extremitätenverlust)
  • Zugang: lokale Infektion, Nervenverletzung
  • Prinzipielles Risiko der Induktion von Zweitmalignomen durch die Strahlenexposition, aber hohe Latenzzei