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Tuberöse Sklerose (Morbus Bourneville)

 

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Tuberöse Sklerose (Morbus Bourneville)
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OMIM Phänotyp: 191100 , 613254 , 191092

Vererbung: autosomal-dominant

 

Hintergrund
 
Die Tuberöse Sklerose (TS) ist eine seltene, genetisch bedingte autosomal-dominant vererbte Erkrankung und wird durch Mutationen in den Genen TSC1 oder TSC2 verursacht. In der mitteleuropäischen Bevölkerung liegt die Häufigkeit der Erkrankung bei 1:30.000. 
  
 

Betroffene Organsysteme

Die Symptome können verschiedene Organsysteme betreffen: In circa 80% - 90% der Fälle treten Hautsymptome unterschiedlicher Art und Lokalisation auf (white spots, shagreen patch, Adenoma sebaceum, Fibrome u.a.). In vielen Fällen kommt es zur Entwicklung eines Anfallsleidens. Auch eine unterschiedlich schwere mentale Retardierung wird gehäuft beobachtet. Aufgrund von Tumoren der Augen (retinale Hamartome und „achromatische patches“), der Nieren (Zysten, Angiomyolipome), des Herzens (Rhabdomyome), der Lunge (Lymphangiomyomatosis), der Mundhöhle, der Nägel (subunguale Koenen Tumore) und des Gehirns, sollten besonders diese Organe regelmäßig untersucht werden. Selten kommt es zur Entwicklung von Lungen- und Knochenzysten. Im Einzelfall ist die individuelle Entwicklung der Erkrankung bei einem Betroffenen nicht vorhersagbar und in vielen Fällen sind nur einzelne Symptome der Erkrankung nachweisbar.

TS wird autosomal-dominant mit hoher Penetranz (ca. 95% - 100%) und variabler Expressivität vererbt. Tritt die Erkrankung sporadisch (d. h. als Einzelfall in der Familie) auf, handelt es sich meist um eine Neumutation. Circa 2/3 der Fälle von TS treten infolge einer Neumutation auf.
 
 

Klinische Diagnostik
 
Die Diagnose gilt als klinisch gesichert, wenn zwei Hauptkriterien oder ein Haupt- und zwei Nebenkriterien erfüllt sind.
 

Hauptkriterien

  • Faziale Angiofibrome oder Plaque
  • Nagelfibrome
  • ≥3 white spots
  • Shagreen patches
  • Multiple retinale noduläre Hamartome
  • Cortikale Tuber
  • Subependymale Noduli (SEN)
  • Subependymale Riesenzellastrozytome (SEGA)
  • Cardiale Rhabdomyome
  • Lymphangiomyomatosis
  • Renale Angiomyolipome
     

Nebenkriterien

  • Multiple Pits des Zahnschmelzes
  • Knochenzysten
  • Hamartomatöse rectale Polypen
  • Radiale Migrationslinien der weißen Hirnsubstanz
  • Zahnfleischfibrome
  • Hamartome außerhalb der Nieren
  • Achromatische Patches der Retina
     
     

Molekulargentische Diagnostik
 
Bei ca. 85% der Patienten, die o.g. diagnostischen Kriterien für eine TSC erfüllen, können Mutationen im TSC1-Gen (auf dem langen Arm des Chromosoms 9) oder im TSC2-Gen (auf dem kurzen Arm des Chromosoms 16) identifiziert werden. Mutationen im TSC2-Gen werden mehr als doppelt so häufig nachgewiesen, wie Mutationen im TSC1-Gen (69% vs. 31%).
Kann keine Mutation in einem der Gene bei einem Betroffenen nachgewiesen werden, schließt das bei sicherer klinischer Diagnose die Erkrankung nicht aus, da vermutlich Genveränderungen in anderen Genen, die noch nicht vollständig erforscht sind, die Erkrankung bedingen können oder ein Mosaikbefund vorliegen kann, der im Rahmen einer Blutuntersuchung nicht immer nachgewiesen werden kann.
Bei familiären Fällen werden Mutationen im TSC1-Gen gehäuft beobachtet. Bei Mutationen im TSC2-Gen zeigt sich öfter ein schwerer Phänotyp.

 

 

Methodik

Bei der molekulargenetischen Diagnostik der Gene TSC1 und TSC2 wird neben einer Sequenzierung der kodierenden und flankierenden intronischen Abschnitte beider Gene auch eine Untersuchung auf größere Deletionen oder Duplikationen der beiden Gene durchgeführt (MLPA Untersuchung). Bei bekannter familiärer Mutation wird in der Regel lediglich auf diese Mutation hin getestet.

 

 

Material und Versand

5 bis 10 ml EDTA-Blut, ungekühlter postalischer Versand in bruchsicherer Verpackung. Im Einzelfall (z. B. bei Neugeborenen) kann die Diagnostik auch aus 1-2 ml EDTA-Blut erfolgen. Nach telefonischer Rücksprache mit der Laborleitung (0511 532 8719) ist gegebenenfalls auch die Untersuchung aus Mundschleimhautabstrichen oder anderen Geweben möglich.
 
Zusätzlich zum Untersuchungsmaterial benötigen wir:

  1. das ausgefüllte Formular „Auftrag zur molekulargenetischen Diagnostik“
    (Zum Auftragsformular)
  2. sowie einen Laborüberweisungsschein (10) bei Kassenpatienten bzw. eine Angabe zur Kostenübernahme bei Privatpatienten.

 

 

Dauer 

ca. 4 Wochen

 

 

Beratung 

Gerne bieten wir betroffenen Familien und Ratsuchenden eine genetische Beratung an. Im Rahmen einer genetischen Beratung lassen sich Fragen zur Vererbung der tuberösen Sklerose, zur Erkrankungswahrscheinlichkeit, zur Bedeutung molekulargenetischer Testergebnisse etc. ausführlich besprechen.
 
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch am Institut für Humangenetik unter:
0511-532-6533
.

 

 

Selbsthilfe 

Der gemeinnützig anerkannte und bundesweit tätige Verein "Tuberöse Sklerose Deutschland e.V. wurde am 2. März 1985 von Eltern betroffener TSC-Patienten gegründet.  In weltweiter Zusammenarbeit mit TSC-Vereinigungen, Ärzten und Forschungseinrichtungen sucht er seither nach geeigneten Therapien für die Tuberöse Sklerose. 
  

 

 

Ansprechpartner 
 

Dr. med. Bernd Auber
Oberarzt
  
  +49 (0)511 532-8719
  +49 (0)511 532-5865  
 
  auber.berndmh-hannover.de