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Thorakales Aortenaneurysma

 

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Thorakales Aortenaneurysma
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OMIM Phänotyp: 613780, 611788, 132900, 613795, 208050, 130050

Vererbung: autosomal-dominant


 

Hintergrund
 
Wenn die Gefäßwand einer Arterie (im Brustabschnitt der Aorta) krankhaft erweitert ist, kann ein familiäres thorakales Aortenaneurysma mit/ohne Dissektion (TAAD) vorliegen. Ähnlich wie der Mitralklappenprolaps ist auch das Aortenaneurysma Syndrombestandteil oder isoliert vererbbar. Histologisch unterliegt sowohl den syndromalen als auch den familiären isolierten Formen eine zystische Medianekrose Erdheim-Gsell mit einem Verlust elastischer Fasern, mukopolysaccharid-ähnlichen Ablagerungen und zystischen Veränderungen der medialen Aortenwand. 
 
 

Chromosomenregionen AAT1 bis AAT8
 
Bislang wurden acht verantwortliche Chromosomenregionen identifiziert (AAT1 bis AAT8). Für AAT1 und AAT2 sind die zugrunde liegenden Gene noch unbekannt.
AAT3 kann durch Mutationen des TGFBR2-Gens, AAT4 durch Mutationen im MYH11-Gen , AAT5 durch Mutationen des TGFBR1-Gens, AAT6  durch Mutationen im ACTA2-Gen, AAT7 durch Mutationen im MYLK-Gen und AAT8 durch Mutationen im PRKG1-Gen hervorgerufen werden.
 
 

Klinische Diagnostik
 
Bei Risikopersonen (z.B. erstgradig Verwandte eines Betroffenen) sollte üblicherweise eine Untersuchung der thorakalen und abdominalen Aorta zur Früherkennung eines Aortenaneurysmas erfolgen.
 
 

Molekulargentische Diagnostik
 
Die Diagnostik bei Verdacht auf ein TAAD kann entweder mittels konventioneller Sanger-Sequenzierung (Stufendiagnostik) oder mittels eines Multi-Gen-Panels (NGS) erfolgen. 
 
Tabelle 1: Sanger-Sequenzierung

  

 

Syndrome

Untersuchte Gene

TAAD

ACTA2, TGFBR2 (inkl. MLPA), SMAD3,
TGFBR1
(inkl. MLPA), TGFB2, MYH11,
COL3A1
(inkl. MLPA), NOTCH1, MYLK,
SLC2A10, FBN1
(inkl. MLPA), SMAD6.

 

TAAD mit persistierendem Ductus arteriosus (PDA)

MYH11*

TAAD mit Osteoarthritis
Loeys-Dietz-Syndrom Typ 3 oder
Aneurysma-Osteoarthritis-Syndrom

SMAD3*

TAAD und arterielle Tortuosität
Arterielles-Tortuositäts-Syndrom

SLC2A10*

TAAD und Zeichen eines vaskulären Ehlers-Danlos-Syndroms (Typ IV)

COL3A1 (inklusive MLPA)*

TAAD und weitere klinische Zeichen wie skeletalle Auffälligkeiten, cerebrale Aneurysmen, arterielle Tortuosität (Loeys-Dietz-Syndrom Typ 4)

TGFB2*

TAAD mit bicuspider Aortenklappe (BAV)

NOTCH1,
SMAD6,
evtl. ACTA2 *

 

*) konnte in dem Gen keine krankheitsverursachende Mutation nachgewiesen
    werden, erfolgt die Untersuchung der weiteren o.g. Gene
 

 

 

Next Generation Sequencing
 
Es erfolgt eine Untersuchung der Gene ACTA2, COL3A1, FBN1, MYH11, MYLK, NOTCH1, SLC2A10, SMAD3, TGFB2, TGFBR1 und TGFBR2 mittels eines Multi-Gen-Panels. Wenn in keinem der Gene eine pathogene Mutation nachgewiesen werden konnte, erfolgt die Durchführung von MLPAs (multiplex ligation-dependent probe amplification) für die Gene COL3A1, FBN1, TGFBR1 und TGFBR2.

 

 

Methodik

Molekulargenetische Untersuchung aller kodierender Exons und flankierender Intronbereiche zum Nachweis einer krankheitsverursachenden Mutation in einem der nachfolgenden Gene: ACTA2, COL3A1, FBN1, MYH11, MYLK, NOTCH1, SLC2A10, SMAD3, TGFB2, TGFBR1 und TGFBR2 über die Methode der Komplettsequenzierung (entweder durch die klassische Sanger-Sequenzierung oder durch das Next Generation Sequencing (Hochdurchsatzsequenzierung)), gegebenenfalls inklusive MLPA.

 

 

Material und Versand

5 bis 10 ml EDTA-Blut, ungekühlter postalischer Versand in bruchsicherer Verpackung. Im Einzelfall (z. B. bei Neugeborenen) kann die Diagnostik auch aus 1-2 ml EDTA-Blut erfolgen. Nach telefonischer Rücksprache mit der Laborleitung (0511 532 8719) ist gegebenenfalls auch die Untersuchung aus Mundschleimhautabstrichen oder anderen Geweben möglich.
 
Zusätzlich zum Untersuchungsmaterial benötigen wir:

  1. das ausgefüllte und unterschriebene Formular „Auftrag zur molekulargenetischen Diagnostik“
    (Zum Auftragsformular)
  2. sowie einen Laborüberweisungsschein (10) bei Kassenpatienten bzw. eine Angabe zur Kostenübernahme bei Privatpatienten.

Dauer 

2 - 3 Monate

 

 

Beratung 

Gerne bieten wir betroffenen Familien und Ratsuchenden eine genetische Beratung an. Im Rahmen einer genetischen Beratung lassen sich Fragen zur Vererbung, zur Erkrankungswahrscheinlichkeit, zur Bedeutung molekulargenetischer Testergebnisse etc. ausführlich besprechen.
 
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch am Institut für Humangenetik unter:
0511-532-6533
.
 
Weitere genetische Beratungsstellen finden Sie unter www.gfhev.de/.

 

 

Selbsthilfe 

In Deutschland gibt es leider keine bundesweite TAAD-Selbsthilfegruppe. Da Patienten mit einem Marfan-Syndrom häufig auch thorakale Aortenaneurysmen aufweisen, können TAAD-Patienten sich der Marfan Hilfe e.V. anschließen. 

 

 

Ansprechpartner 
 

Dr. med. Bernd Auber
Oberarzt
  
  
  +49 (0)511 532-8719
  +49 (0)511 532-5865  
 
  auber.berndmh-hannover.de