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Marfan Syndrom

 

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Marfan Syndrom 
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OMIM Phänotyp:  154700

Vererbung: autosomal-dominant


 

Hintergrund
 
Das Marfan-Syndrom (MFS) wird durch Mutationen im Fibrillin1-Gen (FBN1) verursacht (Dietz et al., Nature 352:337-339, 1991). Mutationen in diesem Gen führen zu einer fehlerhaften Produktion der Bindegewebskomponente Fibrillin 1.
Das Marfan-Syndrom hat eine Inzidenz von 2-3/10 000. FBN1-Mutationen sind mit einer Reihe anderer sogenannter "Fibrillinopathien" assoziiert; bei diesen Erkrankungen stehen typischerweise einzelne Symptome des Marfan-Syndroms im Vordergrund ("monosymptomatische" Formen).
  
  
 

Diagnostik 
 
Die klinische Diagnose eines Marfan-Syndroms wird nach internationaler Übereinkunft nur dann gestellt, wenn eine bestimmte Kombination von Symptomen vorliegt. Nach den 2010 revidierten Diagnostikkriterien (Genter Nosologie von 2010, Loeys et al., J Med Genet 47:476-485, 2010) kann die Diagnose eines Marfan-Syndroms bei folgenden Konstellationen gestellt werden: 
 

1. Aortenerweiterung (Aneurysma) bzw. Aorteneinriss (Dissektion) gemeinsam mit einer  
    Linsenverschiebung (Ectopia lentis).
2. Aortenerweiterung oder -dissektion gemeinsam mit einer krankheitsrelevanten
    FBN1-Mutation.
3. Aortenerweiterung und systemische Beteiligung mit einem Score von ≥ 7 Punkten
    (siehe Tabelle „Bewertungssystem“).
4. Linsenverschiebung (Ectopia lentis) und Vorliegen einer FBN1-Mutation, die im Zusammenhang
    mit einer Aortenerkrankung nachgewiesen wurde.
5. Linsenverschiebung verbunden mit einem gesicherten Marfan-Syndrom in der Familie des Betroffenen
    (definiert durch die Punkte 1 bis 4).
6. Gesichertes Marfan-Syndrom in der Familie des Betroffenen und systemische Beteiligung mit einem
    Score von ≥ 7 Punkten.
7. Aortenerweiterung verbunden mit einem gesicherten Marfan-Syndrom in der Familie des Betroffenen
    (definiert durch die Punkte 1 bis 4).
 

Sollten sich Hinweise auf ähnliche Erkrankungen (z. B. Ehlers-Danlos-Syndrom IV, Loeys-Dietz-Syndrom (LDS) oder Shprintzen-Goldberg-Syndrom) finden, müssen diese durch genetische/ biochemische/ klinische u. a. Untersuchungen weiter verfolgt werden. 
 

 

 

Punktesystem für die systemische Beteiligung

Punkte 

Handgelenk- und Daumenzeichen positiv

3

Handgelenk- oder Daumenzeichen positiv

1

Trichterbrust oder Thorax-Asymmetrie

1

Kielbrust 

2

Knickfüße

2

Plattfüße

1

Lungenriss (Pneumothorax)

2

Duralektasie

2

Verformung der Hüftpfanne (Protrusio acetabuli)

2

Armspanne/Körperlänge > 1,05
und Oberlänge/Unterlänge < 0,85 bei Erwachsenen
ohne schwere Skoliose

1

Skoliose oder Kyphose >20° nach Cobb oder mind. 1,5 cm Höhendifferenz zwischen den Thoraxhälften

1

Streckdefizit der Ellenbogen (170° oder weniger)

1

faciale Symptome, wenn 3 von 5 möglichen Merkmalen vorhanden
  • schmaler, langer Schädel  
  • nach unten abgeschrägte Lidachse 
  • eingefallene Augen   
  • Unterkiefer-Rücklage   
  • Unterentwicklung der Wangenknochen

1

Dehnungsstreifen der Haut (Striae)

1

Kurzsichtigkeit (Myopie) > als 3 Dioptrien

1

Mitralklappenprolaps

1

 
 

 

Klinisches Management und Prognose
 
Beim MFS und den LDS handelt es sich um genetisch bedingte Syndrome, die in ihrem Symptomspektrum in hohem Maß überlappen.
Betroffene sollten ein in der Behandlung von Marfan bzw. LDS-Patienten spezialisiertes Zentrum bzw. eine Interdisziplinäre Marfan-Sprechstunde aufsuchen. Eine sichere Differentialdiagnose zwischen Marfan-Syndrom und den Loeys-Dietz-Syndromen kann nur mit Hilfe einer Genanalyse erfolgen.

 

 

Methodik
   
Bei der molekulargenetischen Diagnostik des FBN1-Gens wird neben einer Sequenzierung der kodierenden und flankierenden intronischen Abschnitte auch eine Untersuchung auf größere Deletionen oder Duplikationen durchgeführt (MLPA Untersuchung). Bei bekannter familiärer Mutation wird in der Regel lediglich auf diese Mutation hin getestet.
 
Sollte bei dem Patienten ein thorakales Aortenaneurysma (TAAD) im Vordergrund stehen und ansonsten keine eindeutigen Hinweise auf ein Marfan-Syndrom bzw. Loeys-Dietz-Syndrom bestehen, könnte anstatt einer gezielten Untersuchung auch eine umfassendere Untersuchung eines Marfan/TAAD-Panels mittels Next Generation Sequencing (NGS) indiziert sein. Eine solche Untersuchung bieten wir nach vorheriger Rücksprache an.

 

 

 

Material und Versand
  
5 bis 10 ml EDTA-Blut, ungekühlter postalischer Versand in bruchsicherer Verpackung. Im Einzelfall (z. B. bei Neugeborenen) kann die Diagnostik auch aus 1-2 ml EDTA-Blut erfolgen. Nach telefonischer Rücksprache mit der Laborleitung (0511 532 8719) ist gegebenenfalls auch die Untersuchung aus Mundschleimhautabstrichen oder anderen Geweben möglich.
 
Zusätzlich zum Untersuchungsmaterial benötigen wir:

  1. das ausgefüllte und unterschriebene Formular „Auftrag zur molekulargenetischen Diagnostik“
    (Zum Auftragsformular)
  2. sowie einen Laborüberweisungsschein (10) bei Kassenpatienten bzw. eine Angabe zur Kostenübernahme bei Privatpatienten.

 

 Dauer

 ca. 6 - 8 Wochen

 

 

Beratung
 
   
Gerne bieten wir betroffenen Familien und Ratsuchenden eine genetische Beratung an. Im Rahmen einer genetischen Beratung lassen sich Fragen zur Vererbung, zur Erkrankungswahrscheinlichkeit, zur Bedeutung molekulargenetischer Testergebnisse etc. ausführlich besprechen.
 
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch am Institut für Humangenetik unter:
0511-532-6533
.
 
Weitere genetische Beratungsstellen finden Sie unter www.gfhev.de/.

 

  

Selbsthilfe 
 

Der Verein Marfan Hilfe Deutschland e.V. hält viele Informationen für Betroffene und Angehörige bereit.

 

 

Ansprechpartner 
 

Dr. med. Susanne Morlot
Oberärztin
  
  
  +49 (0)511 532-9432
  +49 (0)511 532-6533 
 
  morlot.susannemh-hannover.de
 
 

Dr. med. Bernd Auber
Oberarzt
  
  
  +49 (0)511 532-8719
  +49 (0)511 532-5865  
 
  auber.berndmh-hannover.de