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Loeys- Dietz- Syndrom

 

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Die Loeys- Dietz- Syndrome 
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OMIM Phänotyp: 609192, 610168, 613795, 614816,

Vererbung: autosomal-dominant


 

Hintergrund
 
Im Jahr 2005 beschrieben Loeys und Mitarbeiter Patienten, die dem Marfan-Syndrom ähnliche Symptome zeigten, jedoch nicht die Genter Kriterien erfüllten, darüber hinaus  weitere sehr charakteristische Krankheitszeichen aufwiesen, insbesondere: Hypertelorismus (ungewöhnlich weiter Augenabstand), Gaumenspalte, Uvula bifida (gespaltenes Zäpfchen) und generalisierte arterielle Tortuosität (abnorm stark geschlängelte Arterien) (Loeys et al., Nat Genet 37:275-281, 2005). Dieses Syndrom erhielt die Bezeichnung Loeys-Dietz-Syndrom (LDS); es wird verursacht durch Mutationen im TGFBR1- (LDS1) oder TGFBR2-Gen (LDS2). 
 
TGFBR1 und TGFBR2 sind an der Zelloberfläche gelegene Rezeptoren für den Transforming Growth Factor Beta, ein Zytokin (Hormon), welches an einer Vielzahl von Körperfunktionen beteiligt ist, insbesondere auch in der Frühentwicklung. Es steuert die Zellproliferation, Zelldifferenzierung, Zellwanderung und Gewebeorganisation.
Loeys und Mitarbeiter [3] beschrieben bei ihren Patienten ungewöhnlich schwerwiegende Verlaufsformen, insbesondere im Hinblick auf die besonders frühzeitige Entstehung von dissezierenden Aortenaneurysmen und Aneurysmen nicht nur in der aufsteigenden, sondern in der gesamten Aorta und auch anderen Arterien.
 
Beim LDS Typ 3, verursacht durch Mutationen im SMAD3- Gen, treten eine Aortenerweiterung und/oder Dilatation von anderen Arterien sowie vermehrt geschlängelte Arterien und früh auftretende Osteoarthrosen auf. Das LDS Typ 4, verursacht durch Mutationen im TGFB2- Gen, ist klinisch nicht von LDS1 oder LDS2 zu unterscheiden. Bei allen Typen des LDS tritt in der Regel keine Linsenluxation auf.  
 
 
Klinisches Management und Prognose

Beim MFS und den LDS handelt es sich um genetisch bedingte Syndrome, die in ihrem Symptomspektrum offensichtlich in hohem Maß überlappen. Trägerschaft einer TGFBR1-, TGFBR2-, SMAD3- oder TGFB2- Mutation disponiert nicht notwendigerweise zu einem schwerwiegenderen Verlauf (gemessen am Kriterium Alter bei Aortendissektion), jedoch finden sich auch in unserer Patientengruppe ungewöhnlich schwerwiegende, "aggressive" Krankheitsverläufe, und die von Loeys und Mitarbeitern beobachtete Tendenz zu einem unbehandelt ungünstigeren Verlauf lässt sich keineswegs widerlegen.
 
Die Mutationsanalyse sollte Bestandteil der Differential-Diagnose sein und beim Vorliegen einer Mutation, die zu einem LDS führt,  eine besonders engmaschige Kontrolle des kardiovaskulären Status erfolgen, ggf. ein besonders frühzeitiger elektiver operativer Eingriff bei Aortendilatation erwogen werden.
 
Zwei charakteristische Zeichen des LDS, nämlich gespaltenes Zäpfchen und weiter Augenabstand lassen sich auch durch den Laien feststellen oder zumindest vermuten. Entsprechend Betroffene sollten ein in der Behandlung von Marfan bzw. LDS- Patienten spezialisiertes Zentrum bzw. eine Interdisziplinäre Marfan-Sprechstunde aufsuchen. Eine sichere Differentialdiagnose zwischen Marfan-Syndrom und den Loeys-Dietz-Syndromen kann nur mit Hilfe einer Genanalyse erfolgen.

 

 

Methodik
   
Bei der molekulargenetischen Diagnostik der Gene TGFBR1, TGFBR2, SMAD3 und TGFB2 (wie angefordert) wird neben einer Sequenzierung der kodierenden und flankierenden intronischen Abschnitte auch eine Untersuchung auf größere Deletionen oder Duplikationen bei den Genen TGFBR1 und TGFBR2 durchgeführt (MLPA Untersuchung). Bei bekannter familiärer Mutation wird in der Regel lediglich auf diese Mutation hin getestet.

 

Material und Versand
  
5 bis 10 ml EDTA-Blut, ungekühlter postalischer Versand in bruchsicherer Verpackung. Im Einzelfall (z. B. bei Neugeborenen) kann die Diagnostik auch aus 1-2 ml EDTA-Blut erfolgen. Nach telefonischer Rücksprache mit der Laborleitung (0511 532 8719) ist gegebenenfalls auch die Untersuchung aus Mundschleimhautabstrichen oder anderen Geweben möglich.
 
Zusätzlich zum Untersuchungsmaterial benötigen wir:

  1. das ausgefüllte und unterschriebene Formular „Auftrag zur molekulargenetischen Diagnostik“
    (Zum Auftragsformular)
  2. sowie einen Laborüberweisungsschein (10) bei Kassenpatienten bzw. eine Angabe zur Kostenübernahme bei Privatpatienten.

 

 Dauer
 
  
 ca. 4 - 6 Wochen 

  

 

Beratung
 
   
Gerne bieten wir betroffenen Familien und Ratsuchenden eine genetische Beratung an. Im Rahmen einer genetischen Beratung lassen sich Fragen zur Vererbung, zur Erkrankungswahrscheinlichkeit, zur Bedeutung molekulargenetischer Testergebnisse etc. ausführlich besprechen.
 
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch am Institut für Humangenetik unter:
0511-532-6533
.
 
Weitere genetische Beratungsstellen finden Sie unter www.gfhev.de/.

 

  

Selbsthilfe 
 

Der Verein Marfan Hilfe Deutschland e.V. betreibt eine Seite für Patienten mit Loeys-Dietz-Syndrom. Diese hält viele Informationen für Betroffene und Angehörige bereit. 

 

 

Ansprechpartner 
 

Priv. Doz. Dr. med. Mine Arslan-Kirchner
Oberärztin
  
  
  +49 (0)511 532-6532
  +49 (0)511 532-8533
 
 
arslan.minemh-hannover.de 

 
 
 
Dr. med. Bernd Auber
Oberarzt
  
  
  +49 (0)511 532-8719
  +49 (0)511 532-5865  
 
  auber.berndmh-hannover.de