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Charge-Syndrom

 

 

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CHARGE - Syndrom
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OMIM Phänotyp: 214800

Vererbung: autosomal-dominant


 

Hintergrund
 
Das CHARGE-Syndrom (auch Hall-Hittner-Syndrom), ist ein autosomal-dominant vererbtes Fehlbildungssyndrom und wird durch Mutationen im CHD7-Gen verursacht. CHARGE ist ein Akronym für die häufigsten Merkmale wie Coloboma, Herzfehler, Choanalatresie, Retardierung, Genitalanomalien und Ohr(ear)fehlbildungen, die im Zusammenhang mit diesem Krankheitsbild auftreten.

Die Häufigkeit des CHARGE Syndroms wird auf etwa 1:10.000 bis 1:15.000 Neugeborene geschätzt. In der Mehrzahl der Fälle handelt es sich um eine bei den Betroffenen neu entstandene Erkrankung (Neumutation), selten wurde eine autosomal-dominante Vererbung mit variabler Expressivität beschrieben. Für Nachkommen von Betroffenen beträgt die Wahrscheinlichkeit die krankheitsverursachende Mutation zu erben 50 %. Sehr selten können somatische Mosaike und Keimzellmosaiken auftreten, die mit einer unterschiedlichen Ausprägung der klinischen Symptomatik einhergehen. Bei einem somatischen Mosaik findet sich nur in einem Teil der Körperzellen bzw. bei einem Keimzellmosaik nur in einem Teil der Ei- bzw. Samenzellen eine Mutation im CHD7-Gen.
 
 

Klinische Diagnostik
 
Klinisch kann das CHARGE-Syndrom beim Vorhandensein verschiedener Haupt- und/oder Nebenkriterien diagnostiziert werden (siehe Tabelle): 
 
 

Autor

Hauptkriterien

Nebenkriterien

Diagnose

Blake
et al. 1998

Kolobome mit oder ohne
Mikrophthalmie

Genitale Hypoplasie, verzögerte, inkomplette Pubertätsentwicklung

4 Hauptkriterien oder
3 Haupt- und 3 Nebenkriterien

Choanalatresie

psychomotorische Entwicklungsverzögerung

Charakteristische Ohranomalien (äußeres Ohr, Mittelohr, Cochlearfehlbildungen),Taubheit

Kardiovaskuläre Fehlbildungen

Dysfunktionen kranialer Nerven -
faciale Lähmungen, Schluckbeschwerden

Wachstumsretardierung

Lippen-und/oder-Kiefer-Gaumenspalte

Tracheoösophageale Fistel / Tracheoösophageale Anomalien

Gesichtsdysmorphien

 

Verloes
et al. 2005

Kolobome

Dysfunktion des Rhombenzephalons (Fehlbildungen von Hirnstamm, kranialen Nerven III bis XII)

typisches CHARGE-Syndrom:
3 Hauptkriterien oder 2 Haupt- und 2 Nebenkriterien
 
partielles CHARGE-Syndrom:
2 Hauptkriterien und 1 Nebenkriterium
 
atypisches CHARGE-Syndrom:
2 Hauptkriterien oder 1 Haupt- und 2 Nebenkriterien

Choanalatresie

Hypothalamo-hypophysäre Dysfunktion

Hypoplastische Bogengänge

Fehlbildungen des Ohres

Fehlbildungen des Herzens bzw. Ösophagus

geistige Behinderung

 
 

 

Molekulargenetische Diagnostik 
  
Ausschließlich Mutationen im CHD7-Gen sind mit dem CHARGE-Syndrom assoziiert und können bei ca. 44 – 70 % der Patienten mit V.a. CHARGE Syndrom nachgewiesen werden (Vissers et al. 2004, Jongmans et al. 2005, Sanlaville et al. 2005, Wessels et al. 2010). Die Mutationen erstrecken sich im CHD7-Gen über die gesamte kodierende Region der Exons 2 bis 38.
 
Wurde die klinische Diagnose CHARGE-Syndrom bei einem Patienten gestellt, bzw. besteht der klinische Verdacht auf ein CHARGE Syndrom, kann bei Nachweis einer Mutation durch eine molekulargenetische Untersuchung die Diagnose gesichert werden. Durch die Untersuchung der Eltern des Betroffenen kann, sofern gewünscht, geklärt werden, ob die Veränderung neu entstanden ist. Bei bislang nicht beschriebenen Mutationen, z.B. missense Mutationen, ist die Untersuchung der Eltern des Betroffenen nötig zur Einschätzung der klinischen Relevanz.  

 

 

Methodik
   

Bei der molekulargenetischen Diagnostik wird neben einer Sequenzierung der kodierenden und flankierenden intronischen Abschnitte des CHD7-Gens auch eine Untersuchung auf größere Deletionen oder Duplikationen durchgeführt (MLPA Untersuchung). Bei bekannter familiärer Mutation wird in der Regel lediglich auf diese Mutation hin getestet.

 

 

Material und Versand
  
5 bis 10 ml EDTA-Blut, ungekühlter postalischer Versand in bruchsicherer Verpackung. Im Einzelfall (z. B. bei Neugeborenen) kann die Diagnostik auch aus 1-2 ml EDTA-Blut erfolgen. Nach telefonischer Rücksprache mit der Laborleitung (0511 532 8719) ist gegebenenfalls auch die Untersuchung aus Mundschleimhautabstrichen oder anderen Geweben möglich.
 
Zusätzlich zum Untersuchungsmaterial benötigen wir:

  1. das ausgefüllte und unterschriebene Formular „Auftrag zur molekulargenetischen Diagnostik“
    (Zum Auftragsformular)
  2. sowie einen Laborüberweisungsschein (10) bei Kassenpatienten bzw. eine Angabe zur Kostenübernahme bei Privatpatienten.

 

 Dauer
 
  
 ca. 6 Wochen 

 

 

Beratung 

Gerne bieten wir betroffenen Familien und Ratsuchenden eine genetische Beratung an. Im Rahmen einer genetischen Beratung lassen sich Fragen zur Vererbung, zur Erkrankungswahrscheinlichkeit, zur Bedeutung molekulargenetischer Testergebnisse etc. ausführlich besprechen.
 
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch am Institut für Humangenetik unter:
0511-532-6533
.
 
Weitere genetische Beratungsstellen finden Sie unter www.gfhev.de/.

  

Selbsthilfe
 
Auf der Homepage der Selbsthilfevereinigung CHARGE Syndrom e.V. finden sich neben Informationen zur Erkrankung auch Hinweise auf Veranstaltungen der Selbsthilfevereinigung und weiterführende Links.

 

 

Ansprechpartner 
 

Dr. med. Bernd Auber
Oberarzt
  
  
  +49 (0)511 532-8719
  +49 (0)511 532-5865  
 
  auber.berndmh-hannover.de