SitemapImpressumDatenschutzerklärungdeutschenglish
MHH Logo

Polyposis Coli MUTYH-Gen assoziiert

 

 

 

 

 

Zurück zur Übersicht

Polyposis Coli MUTYH-Gen assoziiert
Zum Auftragsformular
  

OMIM Phänotyp: 608456, 132600, 613659

Vererbung: autosomal-rezessiv

 

Hintergrund
 
Die MUTYH-assoziierte Polyposis coli (MAP) wird durch biallelische Mutationen im MUTYH-Gen verursacht und ist durch ein stark erhöhtes Lebenszeitrisiko für kolorektale Karzinome (KRK) charakterisiert (43 – 100 % Lebenszeitrisiko, abhängig vom Beginn von Früherkennungsmaßnahmen). Typischerweise findet sich zwar mit 10 bis mehreren hundert Polypen eine stark erhöhte Polypenzahl im Dickdarm, bei der wichtigsten Differentialdiagnose zur MAP, der APC-Gen assoziierten familiären Polyposis coli (FAP) sind aber in der Regel noch weit mehr Polypen zu einem früheren Lebensalter vorhanden.
 
Bei der MAP treten die multiplen Polypen meist bis zum 50. Lebensjahr auf, es sind aber auch schon Kolonkarzinome bei MAP-Patienten ohne Polyposis aufgetreten. Duodenale Adenome werden in 17 – 25 % der MAP-Patienten gefunden, das Lebenszeitrisiko für ein Duodenalkarzinom ist aber mit ca. 4 % wesentlich geringer als das für kolorektale Karzinome.
 
Möglicherweise besteht auch ein moderat erhöhtes Risiko für (spät-manifestierende) maligne Tumoren der Ovarien, der ableitenden Harnwege (Harnblase), der Haut, der Brust sowie für Endometriumkarzinome. Eventuell treten auch Schilddrüsenerkrankungen wie eine multinodale Struma und auch papilläre Schilddrüsenkarzinome gehäuft auf. Einige MAP-Patienten entwickelten Talgdrüsentumoren.
 
Aufgrund des autosomal-rezessiven Erbgangs besteht für Nachkommen von MAP-Patienten in der Regel kein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko.
MAP-Patienten sollte ein angepasstes Früherkennungsprogramm angeboten werden, d. h. eine erste Koloskopie sollte um das 18. - 20. Lebensjahr erfolgen sowie eine Duodenoskopie ab dem 25. - 30. Lebensjahr (dann mindestens alle drei Jahre). 
 
Für Verwandte eines MAP-Patienten, bei denen lediglich eine der beim Indexpatienten nachgewiesenen MUTYH-Mutationen vorliegt (heterozygote Anlageträger), werden Vorsorgeuntersuchungen wie bei erstgradig Verwandten eines Patienten mit sporadischem KRK empfohlen (Verwandte ersten Grades von Patienten mit kolorektalem Karzinom sollten in einem Lebensalter, das 10 Jahre vor dem Alterszeitpunkt des Auftretens des Karzinoms beim Indexpatienten liegt, erstmals komplett koloskopiert werden, spätestens im Alter von 40 - 45 Jahren. Die Koloskopie sollte bei polypenfreiem Darm in der initialen Koloskopie mindestens alle 10 Jahre wiederholt werden). 
 
 

Klinische Diagnostik
 
Der Verdacht auf eine MUTYH-assoziierte Polyposis coli sollte bei allen Patienten mit einer Polyposis coli gestellt werden, bei denen eine APC-Mutation ausgeschlossen werden konnte.
 
 

Molekulargenetische Diagnostik
 
Das MUTYH-Gen ist das einzige mit einer MAP assoziierte Gen. Allerdings scheint eine somatische (d. h. nicht vererbte) KRAS-Mutation (c.34G>T in Codon 12) in kolorektalen Tumoren von MAP-Patienten überdurchschnittlich häufig vorzuliegen. Tumoren von MAP-Patienten weisen in der aller Regel keine Mikrosatelliteninstabilität auf.

 

 

 

 

Methodik
   
Alle kodierenden Exone des MUTYH-Gens sowie die flankierenden Bereiche werden mittels Sequenzierung analysiert.
 
Zusätzlich wird eine Analyse zum Nachweis großer genomischer Deletionen und Duplikationen im MUTYH-Gen (MLPA, Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification, MRC-Holland) durchgeführt.
 
Die Mutationsanalyse sollte, wann immer möglich an einer Blutprobe eines betroffenen Familienmitgliedes (sog. Indexpatient/ Indexpatientin) durchgeführt werden. Bei bekannten familiären Mutationen wird in der Regel lediglich auf diese Mutationen hin getestet. 

 

 

 

Material und Versand
  
5 bis 10 ml EDTA-Blut, ungekühlter postalischer Versand in bruchsicherer Verpackung. Im Einzelfall (z. B. bei Neugeborenen) kann die Diagnostik auch aus 1-2 ml EDTA-Blut erfolgen. Nach telefonischer Rücksprache mit der Laborleitung (0511 532 8719) ist gegebenenfalls auch die Untersuchung aus Mundschleimhautabstrichen oder anderen Geweben möglich.
 
Zusätzlich zum Untersuchungsmaterial benötigen wir:

  1. das ausgefüllte und unterschriebene Formular „Auftrag zur molekulargenetischen Diagnostik“
    (Zum Auftragsformular)
  2. sowie einen Laborüberweisungsschein (10) bei Kassenpatienten bzw. eine Angabe zur Kostenübernahme bei Privatpatienten.

 

 Dauer
 
   
 Ca. 3 - 6 Wochen 

 

 

Beratung
  
   
Gerne bieten wir betroffenen Familien und Ratsuchenden eine genetische Beratung an. Im Rahmen einer genetischen Beratung lassen sich Fragen zur Vererbung, zur Erkrankungswahrscheinlichkeit, zur Bedeutung molekulargenetischer Testergebnisse etc. ausführlich besprechen.
 
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch am Institut für Humangenetik: 0511-532-6533.
 
Weitere genetische Beratungsstellen finden Sie unter www.gfhev.de/   
 

 

 

 

Selbsthilfe
      
Die Familienhilfe Polyposis coli e.V. ist eine bundesweite Selbsthilfegruppe für Familien, die von der familiären adenomatösen Polyposis (FAP) betroffen sind.

 

 

 

Ansprechpartner 
 

Dr. med. Bernd Auber
Oberarzt
  
  
  +49 (0)511 532-8719
  +49 (0)511 532-5865  
 
  auber.berndmh-hannover.de