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Multiple Endokrine Neoplasie Typ II

 

 

 

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Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2
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OMIM Phänotyp: 171400 (MEN2A); 162300 (MEN2B); 155240 (Fam. medulläres Schilddrüsenkarzinom)

Vererbung: autosomal-dominant


 

Hintergrund
 
Ca. 25 % der medullären Schilddrüsenkarzinome treten familiär auf und können nach einem autosomal-dominanten Muster vererbt werden. Es werden drei unterschiedliche Phänotypen unterschieden: das multiple endokrine Neoplasie Typ 2A-Syndrom (MEN2A-Syndrom), das MEN2B-Syndrom und das familiäre medulläre Schilddrüsenkarzinom (FMTC) . Bei allen drei Subtypen besteht ein sehr hohes Risiko für ein medulläres Schilddrüsenkarzinom.
 
Beim MEN2A- und MEN2B-Syndrom besteht auch ein erhöhtes Risiko für ein Phäochromozytom (meist benigner Tumor des Nebennierenmarks/der sympathischen Paraganglien). MEN2A–Patienten haben auch eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an einem Nebenschilddrüsenadenom zu erkranken. Beim MEN2B-Syndrom besteht ein erhöhtes Risiko für Neurinome der Lippe bzw. Zunge, für eine intestinale Ganglioneuromatose sowie eine typische Facies mit vergrößerten Lippen und einem marfanoiden Habitus.
 
Das medulläre Schilddrüsenkarzinom tritt beim MEN2A-Syndrom typischerweise in der frühen Kindheit auf, beim MEN2B-Syndrom im frühen Erwachsenenalter und beim FMTC i. d. R. nochmals etwas später als beim MEN2-Syndrom.
 
Bei MEN2-Patienten sollten an das jeweilige Krankheitsbild angepasste Früherkennungs-/ bzw. Nachsorgeuntersuchungen nach den aktuellen Leitlinien erfolgen. Bei noch nicht erkrankten Mutationsträgern kann auch eine prophylaktische Entfernung der Schilddrüse in Betracht gezogen werden.

Bei Vorliegen einer RET-Mutation kann auch ein erhöhtes Risiko für einen Morbus Hirschsprung (angeborenes aganglionotisches Megakolon) bestehen. 
 
 

Klinische Diagnostik
 
Das MEN2A-Syndrom ist der häufigste Subtyp des MEN2-Syndroms und wird klinisch diagnostiziert bei Vorliegen von zwei oder mehr typischen endokrinen Tumoren (medulläres Schilddrüsenkarzinom, Phäochromozytom, Nebenschilddrüsenadenom/-hyperplasie) in einem Individuum oder zwei eng verwandten Familienmitgliedern.
 
Das MEN2B-Syndrom ist mit ca. 5 - 10% der Fälle der seltenste Subtyp und wird klinisch diagnostiziert bei Patienten mit einer typischen Fazies mit verdicktem Lippenrot (verursacht durch Neurinome der Lippenschleimhäute) und Neurinomen der Zunge sowie Ganglioneuromen, einem marfanoiden Habitus und den für ein MEN2A typischen endokrinen Symptomen (s. o.). 
 
Alle Patienten mit einem (isolierten oder familiären) medullären Schilddrüsenkarzinom sollten hinsichtlich einer Mutation im RET-Gen getestet werden. Der V. a. ein FMTC sollte in Familien mit mehr als einem Individuum mit isoliertem medullärem Schilddrüsenkarzinom gestellt werden.
 

Molekulargenetische Diagnostik

Das RET-Gen ist das einzige Gen, das mit einem MEN2A-/B-Syndrom bzw. einem FMTC assoziiert ist. Eine molekulargenetische Testung auf eine Keimbahnmutation im RET-Gen wird bei allen Patienten mit klinischem Verdacht auf ein MEN2A-/B-Syndrom empfohlen sowie bei allen Patienten mit einem medullären Schilddrüsenkarzinom. Es besteht eine enge Genotyp-Phäntoyp-Korrelation, somit ist die Kenntnis einer RET-Mutation unabdingbar für eine auf die individuellen Risiken des Patienten abgestimmte Behandlung.
 
Bei Nachweis einer beschriebenen pathogenen Mutation erfolgt eine Einteilung hinsichtlich des Schweregrades der Mutation in die American Thyroid Association (ATA)-Einstufungen von A - D. Je nach Einstufung richten sich die Empfehlungen bezüglich Früherkennungsmaßnahmen und prophylaktischer Operationen (Salehian et al., 2013).