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Li-Fraumeni Syndrom

 

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Li-Fraumeni Syndrom
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OMIM Phänotyp: 151623

Vererbung: autosomal-dominant


 

Hintergrund
 
Das Li-Fraumeni-Syndrom (LFS) ist ein seltenes, erbliches Tumordispositionssyndrom. Ursache sind Mutationen im TP53-Gen, die Vererbung erfolgt autosomal-dominant. Nachkommen eines LFS-Patienten mit nachgewiesener TP53-Mutation haben somit ein Risiko von 50 %, ebenfalls Träger der krankheitsverursachenden Mutation zu sein. De novo-Mutationen (in einem Individuum neu entstandene Mutationen) sind relativ häufig (7 – 20 %). Für LFS-Patienten besteht ein erhöhtes Risiko, an Weichteil- bzw. Osteosarkomen, Brustkrebs, Hirntumoren, adrenokortikalen Tumoren (einem bösartigen Nebennierenrindentumor) und an Leukämien zu erkranken. Auch für andere Tumorerkrankungen besteht eine erhöhte Erkrankungswahrscheinlichkeit. LFS-Patienten erkranken häufig schon im Kindesalter oder als Jugendliche, außerdem besteht ein erhöhtes Risiko, mehrere Tumorerkrankungen zu bekommen.
 
Bei LFS-Patienten sollte wann immer möglich auf eine Behandlung mittels Strahlentherapie verzichtet werden. Die Richtlinien des US-amerikanischen NCCN (National Comprehensive Cancer Network) empfehlen ein – entsprechend dem breiten Spektrum an Tumorerkrankungen – umfangreiches Früherkennungsprogramm bei LFS-Patienten, z.B. nach dem Toronto-Protokoll. 
 
 

Klinische Diagnostik
 
Ein „klassisches“ LFS wird diagnostiziert, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Ein Patient mit einer Diagnose eines Sarkoms im Alter von </= 45 J.
  • Ein erstgradig Verwandter mit einer Krebserkrankung im Alter von </= 45 J.
  • Ein erst- oder zweitgradig Verwandter mit einer Krebserkrankung im Alter von </= 45 J. oder einem Sarkom unabhängig vom Erkrankungsalter

Eine klinische Verdachtsdiagnose auf ein LFS sollte auch gestellt werden wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft  („revidierte Chompret-Kriterien“):

  • Ein Patient mit einem Tumor aus dem LFS-Spektrum (Weichteil- oder Osteosarkom, Hirntumor, prä-menopausaler Brustkrebs, adrenokortikales Karzinom, Leukämie, bronchiales Lungenkarzinom), der vor dem 46. Lebensjahr aufgetreten ist UND mit mindestens einem erst- oder zweitgradig Verwandten mit einem LFS-Tumor vor dem 56. Lebensjahr (außer Brustkrebs, falls der Indexpatient auch Brustkrebs hat) ODER
  • Ein Patient mit multiplen Tumoren (außer mehreren Brustkrebserkrankungen), von denen zwei zum LFS-Tumorspektrum passen und von denen der erste vor dem 46. Lebensjahr aufgetreten ist ODER
  • Ein Patient mit einem adrenokortikalen Tumor oder einem Tumor des Plexus choroideus (ein Tumor des zentralen Nervensystems), unabhängig von der Familiengeschichte

Bei Patienten, bei denen mindestens eines der drei Chompret-Kriterien zutrifft, wird die Wahrscheinlichkeit, eine TP53-Mutation zu detektieren, auf 20 % und höher geschätzt. Bei manchen Konstellationen, z. B. bei einem Patienten mit einem isolierten adrenokortikalen Tumor im Alter von über 40 J. und unauffälliger Familiengeschichte ist die Detektionsrate für TP53-Mutationen aber wesentlich geringer.
 
Auch bei Frauen, die im Alter von unter 31 Jahren an Brustkrebs erkrankt sind, scheint das Risiko für eine TP53-Mutation erhöht zu sein, wenn bei dieser Patientin keine BRCA1/2-Mutation nachgewiesen werden kann.
 
 

Molekulargenetische Diagnostik

Bisher wurden in eindeutigem Zusammenhang mit dem LFS lediglich Mutationen im TP53-Gen nachgewiesen. In Familien, die die Chompret-Kriterien nicht vollständig erfüllen („Li-Fraumeni-like Syndrom“) wurden Mutationen in Genen des DNA-Reparatur-Wegs beschrieben.

 

 

Methodik
   
Bei der molekulargenetischen Diagnostik wird neben einer Sequenzierung der kodierenden und flankierenden intronischen Abschnitte des TP53-Gens auch eine Untersuchung auf größere Deletionen oder Duplikationen durchgeführt (MLPA Untersuchung). Bei bekannter familiärer Mutation wird in der Regel lediglich auf diese Mutation hin getestet. 

 

 

 

Material und Versand
  
5 bis 10 ml EDTA-Blut, ungekühlter postalischer Versand in bruchsicherer Verpackung. Im Einzelfall (z. B. bei Neugeborenen) kann die Diagnostik auch aus 1-2 ml EDTA-Blut erfolgen. Nach telefonischer Rücksprache mit der Laborleitung (0511 532 8719) ist gegebenenfalls auch die Untersuchung aus Mundschleimhautabstrichen oder anderen Geweben möglich.
 
Zusätzlich zum Untersuchungsmaterial benötigen wir:

  1. das ausgefüllte und unterschriebene Formular „Auftrag zur molekulargenetischen Diagnostik“
    (Zum Auftragsformular)
  2. sowie einen Laborüberweisungsschein (10) bei Kassenpatienten bzw. eine Angabe zur Kostenübernahme bei Privatpatienten.

 

 Dauer
 
  
 ca. 4 Wochen 

  

 
Beratung
 
   
Gerne bieten wir betroffenen Familien und Ratsuchenden eine genetische Beratung an. Im Rahmen einer genetischen Beratung lassen sich Fragen zur Vererbung, zur Erkrankungswahrscheinlichkeit, zur Bedeutung molekulargenetischer Testergebnisse etc. ausführlich besprechen.
 
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch am Institut für Humangenetik unter:
0511-532-6533
.
 
Weitere genetische Beratungsstellen finden Sie unter www.gfhev.de/.

 

Ansprechpartner 
 

Dr. med. Bernd Auber
Oberarzt
  
  
  +49 (0)511 532-8719
  +49 (0)511 532-5865  
 
  auber.berndmh-hannover.de