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Familiäre adenomatöse Polyposis coli (FAP)

 

 

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Familiäre adenomatöse Polyposis coli (FAP)
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OMIM Phänotyp: 175100

Vererbung: autosomal-dominant


 

Hintergrund
 
Es gibt eine Reihe verschiedener Syndrome, die mit einer stark gesteigerten Anzahl (>100 bis weit über 1.000) von adenomatösen Polypen im Dickdarm (manchmal auch im Dünndarm und/oder im Magen) und in Folge dessen mit einem stark erhöhten Krebsrisiko einhergehen.
 
Mit einer betroffenen Person auf ca. 10.000 Einwohner in Deutschland ist die klassische familiäre adenomatöse Polyposis coli (FAP) das häufigste Polyposis-Syndrom. Bei der FAP – wie auch bei allen anderen Polyposis-Syndromen – ist eine möglichst frühzeitige Diagnose entscheidend, um den Betroffenen ein erweitertes Früherkennungsprogramm und vorbeugende Operationen anbieten zu können. Bei der FAP ist dies besonders wichtig, da bei dieser Erkrankung Dickdarmkrebs auch im Kindesalter keine Seltenheit ist und nahezu alle Betroffenen unbehandelt bis ins junge Erwachsenenalter an einem Kolonkarzinom erkranken.
 
Desmoide (bindegewebige, nicht metastasierende Tumoren) entstehen bei bis zu 30% der Betroffenen, meist postoperativ im Bereich der Bauchwand. Das Risiko für ein Schilddrüsenkarzinom (papilläre Form) beträgt 1 bis 12%, und ist wohl fast ausschließlich für Frauen erhöht – 95% der bisher berichteten Schilddrüsenkarzinome traten bei weiblichen FAP-Patientinnen auf (Bulow und Bulow, 1997).
 
Bis zu 5 % der Patienten entwickeln ein Duodenal-Karzinom, das Risiko für Magenkarzinome scheint aber nicht erhöht zu sein (Spier und Aretz, 2012). Häufiger (ca. 50%) treten auch oft schon bei Kindern gutartige Epidermoidzysten auf, noch häufiger sind gutartige Knochentumoren (Osteome, bei über 75% der Patienten) meist im Kiefer oder am (Gesichts-)Schädel.
Dunkle Flecken auf der Netzhaut (congenitale Hypertrophie des retinalen Pigment-Epithels, CHRPE), die aber das Sehvermögen nicht beinträchtigen, finden sich bei etwa 80 % der Patienten mit klassischer FAP. Selten werden auch andere maligne Tumoren ( Medulloblastome, Hepatoblastome) diagnostiziert.
 
Nachkommen eines an einer FAP erkrankten Patienten haben ein Risiko von 50%, die krankheitsverursachende Mutation im APC-Gen zu erben (autosomal-dominanter Erbgang). Die Identifizierung einer familiären Mutation ermöglicht eine prädiktive Diagnostik: Familienmitglieder, die die Mutation geerbt haben, sind ebenfalls betroffen; Familienmitglieder, die die Mutation nicht geerbt haben, haben kein erhöhtes Risiko. Es gibt auch eine abgeschwächte („attenuierte“) Form der FAP, die mit einer geringeren Zahl an Adenomen im Dickdarm einhergeht. Auch hierbei besteht aber ein stark erhöhtes Krebsrisiko.
Die rechtzeitige Entfernung des Kolons (Proktokolektomie) zur Verhinderung eines kolorektalen Karzinoms entscheidend. 
 
 

Klinische Diagnostik
 
Der Verdacht auf eine FAP muss durch eine Darmspiegelung abgeklärt werden. Werden in der Darmspiegelung zahlreiche adenomatöse Polypen festgestellt, sollte eine entsprechende molekulargenetische Diagnostik veranlasst werden. 
  

 
Molekulargenetische Diagnostik
 
Heterozygote Mutationen im APC-Gen sind mit einer FAP assoziiert. In Familien mit einer klassischen FAP lässt sich in ca. 80 - 90% eine Mutation im APC-Gen nachweisen, bei der attenuierten Form in maximal 20 - 30%. Bei 10 bis 15 Prozent der Neumutationen besteht
ein somatisches APC-Mosaik (d. h. die Mutation ist nur in einem Teil der Zellen eines Menschen vorhanden). FAP-ähnliche Symptome finden sich bei Mutationen im MUTYH-Gen. 

 

 

Methodik
Mutationsanalyse des APC-Gens 
   
Alle kodierenden Exone des APC-Gens sowie die flankierenden Bereiche werden mittels Sequenzierung analysiert. Zusätzlich wird eine Analyse zum Nachweis großer genomischer Deletionen und Duplikationen im APC-Gen (MLPA, Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification, MRC-Holland) durchgeführt. Die Mutationsanalyse sollte, wann immer möglich an einer Blutprobe eines betroffenen Familienmitgliedes (sog. Indexpatient/ Indexpatientin) durchgeführt werden.

 

 

Material und Versand
  
5 bis 10 ml EDTA-Blut, ungekühlter postalischer Versand in bruchsicherer Verpackung. Im Einzelfall (z. B. bei Neugeborenen) kann die Diagnostik auch aus 1-2 ml EDTA-Blut erfolgen. Nach telefonischer Rücksprache mit der Laborleitung (0511 532 8719) ist gegebenenfalls auch die Untersuchung aus Mundschleimhautabstrichen oder anderen Geweben möglich.
 
Zusätzlich zum Untersuchungsmaterial benötigen wir:

  1. das ausgefüllte und unterschriebene Formular „Auftrag zur molekulargenetischen Diagnostik“
    (Zum Auftragsformular)
  2. sowie einen Laborüberweisungsschein (10) bei Kassenpatienten bzw. eine Angabe zur Kostenübernahme bei Privatpatienten.

 

 Dauer
 
  
 ca. 4 Wochen

 

 

Beratung
 
   
Gerne bieten wir betroffenen Familien und Ratsuchenden eine genetische Beratung an. Im Rahmen einer genetischen Beratung lassen sich Fragen zur Vererbung, zur Erkrankungswahrscheinlichkeit, zur Bedeutung molekulargenetischer Testergebnisse etc. ausführlich besprechen.
 
Anmeldung zum genetischen Beratungsgespräch am Institut für Humangenetik unter:
0511-532-4529
.
 
Weitere genetische Beratungsstellen finden Sie unter www.gfhev.de/.
 
  

Früherkennungsempfehlungen
  
   

ab dem 10. Lebensjahr jährlich:

-  körperliche Untersuchung
-  Ultraschall-Untersuchung des Bauches (Abdomen-Sonographie)
-  Enddarm-Spiegelung (Rekto-Sigmoidoskopie); bei Nachweis von Adenomen soll eine jährliche Spiegelung
   des gesamten Dickdarms erfolgen (komplette Koloskopie)
 

ab dem 15. Lebensjahr bei weiblichen FAP-Patienten jährlich:

Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse (Das Ultraschall-Screening wird für weibliche FAP-Patienten angeboten, da ca. 95 % aller Schilddrüsenkarzinome bei Frauen aufgetreten sind.
 

ab dem 25. - 30. Lebensjahr alle 3 Jahre:

Spiegelung von Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie) mit besonderer Inspektion der Papillenregion (Mündung des Ausführungsganges); in Abhängigkeit vom Schweregrad der nachgewiesenen Adenome im Zwölffingerdarm (Duodenum) sollte das Intervall auf bis zu einem Jahr verkürzt werden; bei schwergradiger Duodenalpolyposis (Spigelman IV) besteht eine Indikation zur operativen Resektion.

  

 

Selbsthilfe 
 

Weitere Informationen zur Erkrankung, Hinweise auf Veranstaltungen der Selbsthilfevereinigungen und Ansprechpartner.
 
Familienhilfe Polyposis coli e.V.

 

 

Ansprechpartner 
 

Dr. med. Bernd Auber
Oberarzt
  
  
  +49 (0)511 532-8719
  +49 (0)511 532-5865  
 
  auber.berndmh-hannover.de