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Biologische Sicherheit in der MHH                              16.12.2013

 

 

Die neue Biostoffverordnung

 

Die Novelle der Biostoffverordnung enthält eine Reihe von Neuerungen, die für die Wissenschaftler an der MHH von Bedeutung sind. Teilweise kursierten auch schon Emails versendet vom Verband der Deutschen Biologen (VBiol) die für Verwirrung unter den Projektleitern sorgten.

Wichtig ist, dass das bestehende Schutzstufensystem im Forschungsbereich erhalten bleibt. Das bedeutet bei gezielten Tätigkeiten der Schutzstufe 1 (z. B. Kultivierung von Zelllinien), die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung, die aber bereits nach der alten Biostoffverordnung gefordert war.

Bei Tätigkeiten ab der Schutzstufe 2 (z. B. Infektion von Zellen mit Wildtyp-Erregern der Risikogruppe 2) muss eine Anzeige beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt erfolgen. Für diese Anzeige wurde von der Biologischen Sicherheit ein Formblatt entwickelt, welches ab Januar verschickt wird. Das Formblatt muss von einer fachkundigen Person ausgefüllt sein. Das sollte an der MHH ein Wissenschaftler oder Arzt pro Abteilung durchführen. 

Die Biostoffverordnung sieht weiterhin vor, dass es für Tätigkeiten in der Schutzstufe 3 ein Biostoffbeauftragter benannt werden muss. Dieser soll analog zum BBS den Betreiber in allen sicherheits-relevanten Fragen beraten. Dr. Mertsching wird für die MHH diese Tätigkeit ausüben.

 

 

 

Inaktivierung von Flüssigabfällen bei Durchflusszytometern im S1 oder S2-Bereich

 

Bei der durchflusszytometrischen Analyse werden oftmals Zellen untersucht, die gentechnisch verändert sind. Dabei geht es um transfizierte Zellen (S1), aber auch um Zellen, die mit lenti-/retroviralen Partikeln transduziert wurden (S2) oder um Zellen die Pathogene der Risikogruppe 2 abgeben.

 

Für S1-Zellen:

Vor Beginn der Arbeiten:

 Entleerung des Abfallbehälters. Vorlage von 160 ml einer 0,5 M Natriumhydroxid-Lösung (= 20 g NaOH/L).

 

Dies entspricht bei einem 4 Liter Abfallbehälter einer Endkonzentration von 20 mM NaOH. Bei dieser Konzentration kommt es zur Zelllyse (Originalveröffentlichung).

 

Transduzierte S2-Zellen, die ausreichend mit Paraformaldehyd fixiert wurden, werden wie S1-Zellen behandelt.

 

 

Für S2-Zellen:

Hier haben wir in Absprache mit der Zentralen Forschungseinrichtung Zellsortierung an der MHH eine allgemeine Vorgehensweise entwickelt. Dies gilt für Zellen die Humanpathogene der Risikogruppe 2 (S2) abgeben oder Zellen, die z. B. mit adenoviralen Vektoren transduziert wurden.

 

Vor Beginn der Arbeiten:

 Entleerung des Abfallbehälters. Vorlage von Natriumhypochlorit-Lösung.

 

Natriumhypochlorit wird chargen-abhängig in unterschiedlichen Aktivitäten geliefert. Vom Hersteller Sigma wird eine Mindestaktivität von 6 % aktivem Chlor garantiert:

40 ml Natriumhypochlorit für 4 Liter Abfallbehälter vorlegen. Nach Beendigung der Arbeiten spülen des Gerätes nach Vorgaben des Herstellers und zusätzlich weitere 10 min Inkubation und dann Entsorgung über den Ausguss.

 

Weitere Fakten zu Natriumhypochlorit:

 

- Was soll bestellt werden?

Natriumhypochlorit, Sigma # 13440

Bei der Verwendung anderer Gebrauchslösungen muss der Gehalt an freiem Chlor beachtet werden und bei der Berechnung der zu verwendenden Konzentrationen berücksichtigt werden.

 

 

- Wie bestelle ich?

         Über das Chemikalienzentrum

 

 

Ein detailliertes Protokoll kann auf Wunsch von der Biologischen Sicherheit zur Verfügung gestellt werden.

 

Sollten in den Abteilungen bereits etablierte Vorgehensweisen zur Abfallinaktivierung bestehen, so können diese natürlich weiter geführt werden.

Eine Variante ist z. B. die Vorlage von Korsolex basic oder plus in einer Endkonzentration von 3 % im externen Abfallbehälter.

 

 

Der Laborpass – Teil eines integrierten Sicherheitsmanagements

 

Für Laborräume, die als Teil einer gentechnischen Anlage angemeldet werden sollen, gilt zunächst die grundsätzliche Anforderung, dass eine technische Lüftungsleistung mit einem 8-fachen Luftwechsel gegeben sein muss. In den letzten Jahre gab immer wieder Probleme bei der Dokumentation der Luftwechselleistung im Rahmen von Gentechnikanmelde- und Genehmigungsverfahren, da die Fachfirmen für Lüftungstechnik im Falle der Sanierungs- und Neubauten die notwendigen Luftmengenmessprotokolle nicht rechtzeitig liefern konnten. Als Konsequenz werden seit einiger Zeit die Zustimmungen des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamts zu neuen Genlaboratorien der MHH direkt vom Vorliegen dieser Prüfprotokolle abhängig gemacht.

Die dokumentierte Lüftungsleistung ist auch eine Voraussetzung dafür, dass in S1-Laboratorien auf Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung (z.B. mit Blick auf flüchtige Chemikalien) die Luftwechselrate auf 5-fach abgesenkt werden kann.

Das Technische Gebäudemanagement (TGM) der MHH erörterte mit dem Leiter der Biologischen Sicherheit, für welche Laborräume die Anforderungen an die Lüftung mit hoher Priorität sichergestellt werden müssen und wie dies in der Praxis erfolgen kann. Das Ergebnis war die Entwicklung des Laborpasses.

 

 

 

 

Der Laborpass enthält einheitlich für alle Labore vorher festgelegte Kriterien (Schutz-/Sicherheitsstufe, Medien wie Wasser u Gase, usw.), unabhängig vom Labortyp. Die technischen Daten der jeweiligen Labore sind in dem Pass als Sollwerte aufgeführt und werden in einem regelmäßigen Turnus überprüft. Die tatsächlichen Werte sind hierbei zu erfassen (z.B. die Luftwechselrate) und ggf. zu korrigieren und zu dokumentieren.

Der Laborpass soll dazu dienen, die in ihm aufgeführten Sollwerte darzustellen um den Nutzern permanent die Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung des Labors vor Augen zu halten. Weiterhin liefert die Erstellung des Passes Daten, die das Tagesgeschäft des Technischen Gebäudemanagements unterstützten.

Das Konzept “Laborpass“ ist ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit von Technischem Gebäudemanagement und Biologischer Sicherheit, die in Zukunft fortgesetzt werden soll.