SitemapImpressumDatenschutzerklärungdeutschenglish
MHH Logo
Medizinische Hochschule Hannover | Carl-Neuberg-Str.1 | 30625 Hannover | Tel.:(+49) 0511-532-0

Forschungsbericht 2012

 

I. Forschungsprofil


Die Klinik für Kieferorthopädie betreibt zurzeit interdisziplinäre klinische Forschung und ist Bestandteil des gemeinsamen Forschungsbereichs des Zentrums Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, der thematisch zell- und molekularbiologisch ausgerichtet ist. Einen wesentlichen Forschungsschwerpunkt stellt ein interdisziplinäres Projekt zur Fragestellung der Besiedlung von festsitzenden kieferorthopädischen Behandlungsapparaturen mit Mikroorganismen (sog. „Biofilm“) dar. In diesem Zusammenhang werden auch Materialien mit anti-adhäsiven Oberflächencharakteristika bezüglich ihrer klinischen Wirksamkeit evaluiert. Des Weiteren werden im Zusammenhang mit der Fragestellung des oralen Biofilms mikrobielle und parodontale Veränderungen nach der Insertion individueller lingualer Apparaturen sowie nach kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgischen Behandlungen untersucht. Als weiterer Forschungsschwerpunkt ist das Projekt „Zellregeneration“ zu nennen mit zell- und molekular-biologischen Untersuchungen zum Knochenersatz im Sinne einer zellbasierten regenerativen Medizin (insbesondere bei Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten und bei Bewegung von Zähnen in den Spaltbereich). Weitere Themen sind „Biomaterialien“ und „3D-Imaging“. Diese Projekte erfolgen in Kooperation mit allen Kliniken des Zentrums Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und Kliniken und Instituten der Medizin sowie weiteren Einrichtungen des Wissenschaftsstandortes Hannover. Als weiterer insbesondere klinisch ausgerichteter Forschungsschwerpunkt ist die „Lingualtechnik“ zu nennen.

 


II. Forschungsprojekte


Beschreibung eines ausgewählten Forschungsprojektes:
Titel: Vergleich der Langzeitbiofilmbildung auf Edelstahl- und Keramikbrackets in vivo

 

Inhaltsangabe:
In der Kieferorthopädie können Zähne durch festsitzende Apparaturen dreidimensional kontrolliert auf ihren knöchernen Basen bewegt werden. Festsitzende Apparaturen bieten aber in hohem Maße im Bracketumfeld Retentionsnischen für eine intraorale Biofilmbildung, welche eine Gefahr für die strukturelle Integrität der Hart- und Weichgewebe darstellt. Auch Jahre nach Abschluss einer Behandlung mit festsitzenden Apparaturen ohne spezielle Prophylaxemaßnahmen lassen sich klinische Zeichen von biofilmbedingten Demineralisationsvorgängen im ehemaligen Bracketumfeld als sogenannte „white spot lesions“ nachweisen. Solche initiale kariöse Läsionen stellen eine der wesentlichen iatrogenen Nebenwirkungen im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung dar. Um diese Nebenwirkungen zu reduzieren, sind im klinischen Bereich exzellente Mundhygiene der Patienten und begleitende Maßnahmen der Prophylaxe Voraussetzung für eine erfolgreiche kieferorthopädische Therapie.

 

Das Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, die Langzeitbiofilmbildung auf Edelstahl- und Keramikbrackets unter in vivo Bedingungen vergleichend zu untersuchen. Dabei sollte insbesondere der Einfluss der intraoralen Lokalisation sowie der besiedelten Bracketfläche berücksichtigt werden.


Insgesamt wurden konsekutiv 20 jugendliche Patienten (6 männlich, 14 weiblich) im Alter zwischen 13 und 18 Jahren nach Entfernung einer festsitzenden vestibulären kieferorthopädischen Apparatur in die Untersuchung einbezogen. Die Patienten waren über einen Zeitraum von 18,9 ± 3,2 Monaten mit Edelstahl- oder Keramikbrackets behandelt worden waren. Bei jedem Patienten wurden die Brackets der mittleren Schneidezähne, der Eckzähne und der zweiten Prämolaren einer quantitativen Analyse der Biofilmadhäsion unterzogen. Unter Anwendung der Rutherford backscattering detection - Methode wurden perspektivisch identische rasterelektronenmikroskopische (REM-) Bilder der vestibulären, mesialen, distalen, gingivalen und okklusalen Flächen der zu untersuchenden Brackets angefertigt. Die insgesamt 300 REM-Aufnahmen wurden mittels einer Software zur Flächenanalyse anhand der unterschiedlichen Grauwerte bezüglich der Biofilmbildung digital ausgewertet (Abb. 1 bis 3).

  

Abbildung 1: Edelstahlbracket, viel Biofilm (dunkle Areale) 

 

Abbildung 2: Vergleich Adhäsion Biofilm Edelstahl/ Keramikbracket

 

Abbildung 3: Keramikbracket, wenig Biofilm (dunkle Areale)

Der statistische Vergleich der Daten erfolgte mittels des Mann-Whitney-U-Tests auf einem Signifikanzniveau von p < 0,05.


Je Bracket wurde eine Gesamtoberfläche von 26,3 ± 0,9 mm² (Metall) und 27,2 ± 0,9 mm² (Keramik) analysiert. Auf 12,5 ± 5,7% (3,3 ± 1,6 mm²) der Gesamtoberfläche der Metallbrackets wurde ein adhärenter Biofilm gefunden, während dieser bei Keramikbrackets nur auf 5,6 ± 2,4% (1,5 ± 0,6 mm²) der Flächen nachgewiesen werden konnte. Dieser Unterschied erwies sich im statistischen Test als signifikant (p < 0,05). Der paarweise Vergleich der Daten zeigte eine signifikant geringere Biofilmbildung auf Keramikbrackets im Hinblick auf die intraorale Lokalisation (p < 0,001 für mittlere Schneidezähne, Eckzähne und zweiten Prämolaren) und in Bezug auf die besiedelte Bracketfläche (p < 0,05 für bukkale, mesiale und distale Flächen). Bei beiden Gruppen konnte auf den bukkalen Flächen die geringste Biofilmakkumulation nachgewiesen werden. Die stärkste Besiedelung befand sich bei den Edelstahlbrackets auf den mesialen und distalen, bei den Keramikbrackets auf den okklusalen und gingivalen Flächen.


Unter Anwendung der rasterelektronenmikroskopischen Analyse konnte gezeigt werden, dass vestibuläre Keramikbrackets unter klinischen Bedingungen eine signifikant geringere Langzeitbiofilmadhäsion als vestibuläre Edelstahlbrackets aufweisen.

 

Projektleiter:
A. Demling, I.D. Lindel, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie), W. Heuer, C. Elter, M. Stiesch (Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde) in Kooperation mit T. Heidenblut (Institut für Werkstoffkunde, Leibniz-Universität Hannover)

 

Drittmittelgeber:
10.000 € an Drittmitteln von der Industrie


Weitere Forschungsprojekte:

 

Titel

Projektleiter

Korrektur des Distalbisses mit retrudierter Oberkiefer-Front und Tiefbiss mit einem vollständig individuellen lingualen Behandlungssystem und der Herbst-Apparatur

D. Wiechmann, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie) in Kooperation mit J. Vu (Kieferorthopädische Fachpraxis Bad Essen) und H. Pancherz (Universität Gießen)

Drittmittelgeber:
15.000 € an Drittmitteln von der Industrie

Entwicklung eines Gerätes zur Messung der Übertragung des Torques von lingualen Bracketsystemen auf Zähne

D. Wiechmann, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie) 15.000 € an Drittmitteln von der Industrie

Histologische Evaluation des Osseointegrationsverhaltens von oberflächenmodifizierten Dentalimplantaten aus Zirkoniumdioxidkeramik und Auswirkungen für die Kieferorthopädie

H.-A. Merten, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie),
M. Rücker, N.-C. Gellrich (Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie)

20.000 € an Drittmitteln von der Industrie

Reduktion der Biofilmbildung auf kieferorthopädischen Brackets unter Anwendung einer Polytetrafluoroethylen (PTFE) – Beschichtung

A. Demling, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie),
C. Elter, W. Heuer, M. Stiesch (Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde) in Kooperation mit T. Heidenblut (Institut für Werkstoffkunde, Leibniz-Universität Hannover)

Weiterentwicklung der 3D-Positionierung von Zahnbögen im Rahmen der gelenkbezüglichen kieferorthopädischen Chirurgie unter Verwendung des Modell-Repositionierungs-Gerätes in Kombination mit der Lingualtechnik

D. Wiechmann, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie),
M. Rücker, N.-C. Gellrich (Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie)

Computer- und web-unterstützte Lehre in der Kieferorthopädie

T. Asselmeyer, B. Lohrmann, R. Schwestka-Polly (Klinik für Kieferorthopädie),
H. Matthies (Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik),
V. Fischer (Bereich Studium und Lehre)

III. Publikationen

 

Beberhold K, Sachse-Kulp A, Schwestka-Polly R, Hornecker E, Ziebolz D. The Orthodontic Plaque Index: An oral hygiene index for patients with multibracket appliances. Orthodontics (Chic ) 2012;13(1):94-99.Volltext: http://www.quintpub.com/journals/wjo/fulltext.php?article_id=12072.

 

Breidenbach V, Schwestka-Polly R, Wiechmann D. Gegenüberstellung von Laborprozessen in der Lingualtechnik: gängige Verfahren. Kieferorthopädie 2012;26(2):107-127.

 

Breidenbach V, Schwestka-Polly R, Wiechmann D. Ergebnisqualität von Laborprozessen in der Lingualtechnik: Vergleich der gängigen Verfahren. Inf Orthod Kieferorthop 2012;44(2):99-112.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1314867.

 

Dittmer MP, Demling AP, Borchers L, Stiesch M, Kohorst P, Schwestka-Polly R. Der Einfluss simulierter Alterung auf die mechanischen Eigenschaften orthodontischer elastomerer Ketten ohne intermodularen Steg. J Orofac Orthop 2012;73(4):289-297.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1007/s00056-012-0086-z.

 

Ehmer U, Joos U, Flieger S, Wiechmann D. The University Munster model surgery system for orthognathic surgery. Part I--the idea behind. Head Face Med 2012;8:14.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1186/1746-160X-8-14 .

 

Fink M, Stiesch M, Schwab B, Shapev M, Cay E, Buhck H, Demling A. Einflüsse okklusaler Interventionen auf den Gleichgewichtssinn. Dt Zahnaerztl Z 2012;67(6):364-371.

 

Flieger S, Ziebura T, Kleinheinz J, Wiechmann D. A simplified approach to true molar intrusion. Head Face Med 2012;8:30.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1186/1746-160X-8-30.

 

Grättinger N, Wiechmann D. Aktuelle Aspekte bei der Behandlung der Klasse-II-Malokklusion mit einer vollständig individuellen lingualen Apparatur. Inf Orthod Kieferorthop 2012;44(2):113-119.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1316388.

 

Grauer D, Wiechmann D, Heymann GC, Swift EJ,Jr. Computer-aided design/computer-aided manufacturing technology in customized orthodontic appliances. J Esthet Restor Dent 2012;24(1):3-9.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1111/j.1708-8240.2011.00500.x.

 

Gündel G, Schwestka-Polly R. Troubleshooting in der lingualen Orthodontie unter besonderer Berücksichtigung einer vollständig individuellen lingualen Apparatur. Inf Orthod Kieferorthop 2012;44(2):87-98.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1321736.

 

Sachse T, Schwestka-Polly R, Flieger S, Wiechmann D. A concept to transfer a therapeutic condyle position into permanent occlusion with a customized lingual appliance. Head Face Med 2012;8:16.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1186/1746-160X-8-16.

 

Sachse-Kulp A, Schwestka-Polly R. Multibracketbehandlung: Einfluss der Glattflächenversiegelung auf die Demineralisation. Kieferorthopädie 2012;26(1):25-32.

 

Siekmann H, Trexler A, Wiechmann D. Die Feineinstellung bei kieferorthopädischer Behandlung mit einer vollständig individuellen lingualen Apparatur. Inf Orthod Kieferorthop 2012;44(2):81-86.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1321813.

 

Trexler A, Wiechmann D, Schwestka-Polly R. Auswirkungen der Herbstapparatur und einer vollständig individuellen lingualen Apparatur auf die Inklination der Unterkieferinzisivi und der Okklusionsebene. Inf Orthod Kieferorthop 2012;44(2):75-79.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1055/s-0032-1314861.

 

Vu J, Pancherz H, Schwestka-Polly R, Wiechmann D. Correction of Class II, Division 2 malocclusions using a completely customized lingual appliance and the Herbst device. J Orofac Orthop 2012;73(3):225-235.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1007/s00056-012-0077-0.

 

Ziebura T, Flieger S, Wiechmann D. Mini-implants in the palatal slope - a retrospective analysis of implant survival and tissue reaction. Head Face Med 2012;8:32.
Volltext: http://dx.doi.org/10.1186/1746-160X-8-32.


Übersichtsartikel:
Keine.


Bücher, Buchbeiträge, Lehrbücher:
Wiechmann D. Lingual orthodontics with completely customized appliances. In: Graber LW, Vanarsdall RL, Vig KWL [Hrsg.]: Orthodontics - Current Principles and Techniques. St. Louis, MO: Elsevier-Mosby, 2012. S. 615-638.


Abstracts:
2012 wurden 9 Abstracts publiziert.

 


IV. Habilitationen und Promotionen

 

Abgeschlossene Habilitationen:
Keine.

 
Promotionen:
Schaefer, Winfried (Dr. med. dent.): Pulpavitalität nach kieferorthopädischer Extrusion traumatisierter Oberkieferschneidezähne;
MHH-Signatur: D 79150.


Master of Science in Lingual Orthodontics:
Buckley, John G. (M.Sc. Lingual Orthodontics): An evaluation of the opinions of orthodontists in the Republik of Ireland to lingual orthodontics in 2011;
MHH-Signatur: D 79037.

 

Gallone, Mariano (M.Sc. Lingual Orthodontics): Use of miniscrews between the maxillary first molar and second premolar as anchorage in lingual orthodontic treatment of Class II malocclusion;
MHH-Signatur: D 79038.

 

Havers, Katharina Sigrid Ulrike (M.Sc. Lingual Orthodontics): Condylar positioning in orthognathic surgery in combination with a completely customized lingual appliance;
MHH-Signatur: D 79040.

 

Levens, Lawrence J. (M.Sc. Lingual Orthodontics): The dimensional variability and quality of standard protocol finishing archwires;
MHH-Signatur: D 79041.

 

Olmos, Gema (M.Sc. Lingual Orthodontics): Periodontal response of mandibular incisors in patients treated with a Herbst and a completely customized lingual appliance;
MHH-Signatur: D 79039.

 

Ribeiro, Daniel Passseado Branco (M.Sc. Lingual Orthodontics): A comparative study between resins used for bonding in lingual orthodontics;
MHH-Signatur: D 79042.


Wissenschaftspreise an Mitarbeiter:
Wiechmann, Dirk (Priv.-Doz. Dr. med. dent.) hat die Alain Fontenelle Memorial Lecture als Ehren-Vorlesung der European Society of Lingual Orthodontics mit dem Titel "Changing orthodontics with fully customized lingual appliances" gehalten.


V. Weitere Tätigkeiten in der Forschung


Schwestka-Polly, Rainer (Prof. Dr. med dent.) ist Mitglied des Editorial Board des „Journal of Orofacial Orthopedics“ und der Fachzeitschrift „Kieferorthopädie“.


Wiechmann, Dirk (Priv.-Doz. Dr. med. dent.) ist Honorary Associate Professor der Universität Hongkong und Enseignant Emerite Associe der Universität Montpellier, Frankreich. Er ist Mitglied des Editorial Board der Fachzeitschriften „Informationen aus Orthodontie und Kieferorthopädie“, „International Orthodontics“ und „Head and Face Medicine“.


VI. Patente


Schwestka-Polly, Rainer (Prof. Dr. med. dent.): Verfahren zur Herstellung eines Operationssplints und Vorrichtung zur dreidimensionalen Einstellung eines Oberkiefermodells. Patentschrift DE 41 43 252 C2, München 1994.

Schwestka-Polly, Rainer (Prof. Dr. med. dent.): Articulator for cast surgery and method of use. United States Patent 5,281,135, Washington 1994.

 


PFLEGE-STELLENTICKER

Werden Sie Teil des Pflege-Teams der MHH. Mehr Infos in unserem Stellenticker. Wir freuen uns auf ...

[mehr]

Aktuelle Veranstaltungen

Nierentransplantationskonferenz
18.06.19
17:00 Uhr-18:30 Uhr

TWINCORE Seminar
19.06.19
15:00 Uhr-16:00 Uhr