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Therapie

MS lässt sich nicht heilen, jedoch lässt sich der Krankheitsverlauf in vielen Fällen verändern.

 

Therapieoptionen der schubförmigen MS

 

Akute Therapie:

Kortison: Die intravenöse Gabe bewirkt eine schnellere Rückbildung neu aufgetretener Symptome. Bevorzugt sollte Kortison nur kurz (3 - 5 Tage) hoch dosiert verabreicht werden. Bei einer hochdosierten, kurzen Gabe kommt es nur selten zu Nebenwirkungen.

Plasmapherese: Bei sehr schweren Schüben, die auf Kortison nicht oder nur unzureichend ansprechen, führen wir in unserer Klinik als akute Eskalationstherapie eine mehrmalige Blutwäsche (Plasmapherese) durch. Dies kann allerdings nur stationär erfolgen.

 

Dauertherapie:

Hier wird zwischen einer Basistherapie und einer Eskalationstherapie unterschieden.

 

Zur Basistherapie zählen folgende Medikamente der ersten Wahl.

Interferone (Avonex®, Betaferon®, Extavia®, Rebif®) senken die Häufigkeit der Schübe und verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung. Sie bessern keine bestehenden Symptome. Diese Medikamente müssen regelmäßig gespritzt werden (Avonex® 1x wöchentlich in den Muskel, Betaferon® und Extavia® jeden zweiten Tag unter die Haut, Rebif® dreimal die Woche unter die Haut), was die meisten Patienten selbst durchführen können.

 

Glatiramerazetat (Copaxone®) ist für die Behandlung der schubförmigen MS zugelassen und senkt in gleichem Maße wie die Interferone die Schubhäufigkeit und das langsame Fortschreiten der Erkrankung. Bestehende Symptome werden durch die Therapie mit Copaxone® nicht gebessert. Copaxone® muss einmal täglich unter die Haut gespritzt werden.

  

Teriflunomid (Aubagio®) wurde im September 2013 zur Basistherapie der MS zugelassen. Anders als die älteren Basismedikamente ist Aubagio® als Tablette erhältlich, die einmal täglich eingenommen wird. Vor allem zu Beginn der Behandlung sind regelmäßige Blutabnahmen zur Kontrolle der Leberwerte notwendig.

 

Fumarsäure (Tecfidera®) ist derzeit noch nicht zur MS-Behandlung erhältlich, die Marktzulassung wird für Anfang 2014 erwartet. Bei Tecfidera® handelt es sich um die abgewandelte Form eines Medikaments, das bereits seit Jahren erfolgreich in der Behandlung der Schuppenflechte (Psoriasis) eingesetzt wird. In Studien konnte gezeigt werden, dass Fumarsäure auch bei MS-Patienten die Krankheitsaktivität wirksam unterdrückt. Tecfidera® wird ebenfalls als Tablette erhältlich sein.

  

Alemtuzumab (Lemtrada®) steht seit September 2013 zur Verfügung. Lemtrada® ist ein monoklonaler Antikörper, der die Anzahl der Entzündungszellen im gesamten Organismus vorübergehend stark reduziert. Dies führt vermutlich zu einer „Umprogrammierung“ des Immunsystems, so dass die nachwachsenden Abwehrzellen weniger aggressiv gegen das eigene Nervensystem vorgehen. Zu Beginn der Behandlung erhält der Patient an fünf aufeinanderfolgenden Tagen je eine Infusion mit Lemtrada®. Der nächste Infusionszyklus erfolgt dann ein Jahr später an drei aufeinanderfolgenden Tagen. Mit diesen Behandlungsschritten kann die Krankheitsaktivität bei vielen Patienten für lange Zeit unterdrückt werden. Allerdings können bei Lemtrada® schwerwiegendere Nebenwirkungen auftreten als bei den älteren Medikamenten. So kommt es bei etwa ¼ der Patienten zu Schilddrüsenerkrankungen, die wiederum medikamentös behandelt werden müssen.

  

Eskalationstherapie:

Für eine Eskalationstherapie (Medikamente der zweiten Wahl) kommen Patienten infrage, die unter der oben genannten Basistherapie immer noch, oder wieder Schübe entwickeln. Zusätzlich können auch Patienten ohne vorherige Therapie die Medikamente der zweiten Wahl erhalten, wenn sie einen sehr aktiven Krankheitsverlauf haben. Das Begleitungsprofil dieser Medikamente kann deutlich schwerwiegendere Nebenwirkungen beinhalten, daher ist die Indikation einer Therapie, als auch einer Umstellung streng zu diskutieren.

 

Folgende Medikamente der Eskalationstherapie stehen aktuell zur Wahl:

Fingolimod (Gilenya®) ist ein Rezeptorblocker, der nach Einnahme verhindert, dass die körpereigenen Abwehrzellen in das Blut freigesetzt werden. Somit können diese nicht als Entzündungszellen das zentrale Nervensystem angreifen. Die von Gilenya® blockierten Rezeptoren befinden sich unter anderem auch auf Herzzellen und können den Herzrhythmus beeinflussen. Die Ersteinstellung auf das Medikament erfolgt daher unter 6-stündlicher Kontrolle des Herzrhythmus. Gilenya® ist seit 2011 in der EU als Medikament der zweiten Wahl zur Therapie der schubförmigen MS zugelassen. Gilenya® wird als Medikament einmal täglich eingenommen. 

 

Natalizumab (Tysabri®) ist ein monoklonaler Antikörper, durch dessen Gabe die Einwanderung von Entzündungszellen (Abwehrzellen) in das Gehirn geblockt wird. Tysabri® ist seit 2006 für die Behandlung der schubförmigen MS als Medikament der zweiten Wahl (Eskalationstherapie) zugelassen. Tysabri® wird einmal im Monat als Infusion gegeben. Die Infusion läuft über eine Stunde, danach schließt sich eine weitere Stunde Nachbeobachtungszeit an, da unter Tysabri® (bei ca. 4%) allergische Reaktionen auftreten können.

 

 

Therapieoptionen der nicht-schubförmigen MS

 

Mitoxantron (Ralenova®) ist ein Mittel, welches das Zellwachstum hemmt und das Abwehrsystem des Körpers dämpft und aus der Chemotherapie kommt. Mitoxantron ist für die Behandlung der sekundär schleichend fortschreitenden MS mit und ohne aufgesetzten Schüben zugelassen. Mitoxantron wird als Infusionstherapie wiederholt in Abständen von mehreren Wochen gegeben. Es kann so die langsam schleichende Verschlechterung vermindern oder aufhalten. Aufgrund Nebenwirkungen am Herzen kann Mitoxantron nur bis zu einer begrenzten Dosis gegeben werden.

 

 

Reservemedikamente zur Therapie der MS

 

Neben dem Mitoxantron können in Einzelfällen auch andere Immunsuppressiva eingesetzt werden, wie z.B. bei sehr aktiven progredienten Verläufen Cyclophosphamid angewendet werden kann. Allerdings gibt es hierfür keine Zulassung.

 

Rituximab (MabThera®) ist ein monoklonaler Antikörper, der sich gegen B-Zellen richtet. B-Zellen sind für die Produktion von Antikörpern zuständig. Nach Gabe von Rituximab werden alle B-Zellen aus dem Blut eliminiert. Rituximab ist nicht für die Therapie der MS zugelassen. Es wird in ganz seltenen Fällen als Eskalationstherapie oder bei Patienten mit einem Devic´s Syndrom eingesetzt. Rituximab wird im Abstand von 14 Tagen zweimal als Infusion gegeben. Meistens muss nach einem halben Jahr eine erneute Therapie erfolgen.

 

 

Symptomatische Therapie der MS

 

Viele Funktionen können durch krankengymnastische oder logopädische Übungen verbessert werden. Gegen viele Beschwerden wie z.B. Spastik (Steifigkeit der Muskulatur), Blasenfunktionsstörungen, Müdigkeit (Fatigue) oder Depressionen gibt es medikamentöse symptomatische Therapien.

 

 

Außerdem werden regelmäßig neue Therapieansätze in klinischen Studien geprüft, an denen wir teilnehmen. Zurzeit werden vor allem neue Medikamente in Tablettenform für Patienten mit schubförmigen Verlauf und neue monoklonale Antikörper, die als Infusionen gegeben werden, getestet.

 

 

Welche Therapien für Sie infrage kommen, richtet sich nach dem Krankheitsverlauf, anderen möglicherweise bestehenden Erkrankungen oder Therapien und auch nach dem Nebenwirkungsprofil der einzelnen Medikamente. Gerne besprechen wir dies mit Ihnen in unserer Ambulanz.