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Therapie der ALS

Therapiemöglichkeiten

 

 

1. Therapie

Da die Ursache der ALS noch nicht bekannt ist, gibt es bislang keine ursächliche Behandlung, die einen Stillstand oder gar Heilung der Krankheit bewirken kann.

In den letzten Jahren wurde die Wirksamkeit verschiedener Medikamente, die den Verlauf der Erkrankung verzögern sollen, in aufwendigen Studien geprüft. Bisher konnte nur für den Wirkstoff Riluzol (Rilutek®), der die zellschädigende Wirkung des Nervenbotenstoffes Glutamat verringert, . eine moderate Verlängerung der Lebenserwartung gezeigt werden

Die erste Verordnung dieses Medikaments sollte nach Möglichkeit durch einen in der Behandlung der ALS erfahrenen Neurologen erfolgen und der Verlauf der Erkrankung in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden.

Andere Medikamente befinden sich in unterschiedlichen Phasen der klinischen Prüfung und werden möglicherweise in den nächsten Jahren zugelassen.  

Daneben steht eine Reihe von Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung, die die Symptome mildern und die Lebensqualität der Kranken bessern können. Ein wesentlicher Teil der Behandlung ist die Krankengymnastik. Die Übungen trainieren und aktivieren die vorhandenen Muskelfunktionen, verhindern Gelenk und Muskelversteifungen (Spastik) und Krämpfe. Immer ist darauf zu achten, dass die Übungen der individuellen Leistungsgrenze angepasst werden. Der Patient darf nach der Krankengymnastik allenfalls angenehm ermüdet, jedoch nicht erschöpft sein. Sinnvoll sind zwei- bis dreimalige Anwendungen pro Woche unter fachlicher Anleitung, die durch tägliche Übungen zu Hause ergänzt werden. Schwimmen und Gymnastik im Wasser sind empfehlenswert. Ein intensives Krafttraining, das zu starker Ermüdung oder gar zu Muskelschmerzen führt, soll jedoch vermieden werden. Bei fortgeschrittener Erkrankung soll nicht zu spät entschieden werden, ob spezielle Hilfsmittel (z. B. Stock, Hand- und Beinschienen, Rollstuhl, Toilettenhilfe u. a.) in Anspruch genommen werden sollen.

Medikamente können helfen, den spastischen Muskeltonus zu vermindern und Muskelkrämpfe zu lindern, die Speichelsekretion zu verringern und Phänomene wie Zwangslachen und Zwangsweinen zu verbessern.

Bei Kau- und Schluckstörungen ist eine individuell angepasste Speisezubereitung notwendig. Passierte und breiige Kost kann günstiger sein als reine Flüssigkeit. Ist Schlucken nicht mehr möglich bzw. kommt es zum häufigen Verschlucken, so stehen gut entwickelte Sondensysteme, die entweder über die Nase in den Magen oder auch durch die Bauchwand in den Magen geführt werden können. Letztere (transkutane Magensonde, sog. PEG) können heutzutage sehr schonend und ohne Gefährdung gelegt werden und stellen für viele Patienten eine große Erleichterung dar.

Bei beginnender Sprachstörung sind logopädische Übungen sinnvoll. Ist die Sprache unverständlich, so stehen verschiedene, insbesondere auch moderne elektronische Kommunikationshilfen zur Verfügung.

Bei Schwächung der Atemmuskulatur ist Atemgymnastik hilfreich. Geräte zum Absaugen von Schleim und Speiseresten aus Mund und Rachen können notwendig werden. Sauerstoffgaben über eine Nasensonde werden von den Patienten häufig als angenehm empfunden. Die Frage von technischen Atemhilfen, insbesondere von intermittierender Beatmung über eine Maske, gewinnt heute zunehmend an Bedeutung. In einem vertrauensvollen Gespräch zwischen Patient, seinen Angehörigen und dem behandelnden Arzt muß entschieden werden, ob auf solche technische Atemhilfen zurückgegriffen werden soll.

Für den Erkrankten ist es sehr hilfreich, wenn er mit seinen Angehörigen, dem Pflegepersonal, Sozialarbeitern und Ärzten offen über seine Probleme und Ängste sprechen kann. Auch den Angehörigen muss Gelegenheit zur Aussprache gegeben werden.

 

 

2. Zukunftsperspektiven

Weltweit wird intensiv an der Erforschung der Ursachen der ALS gearbeitet. Die Forschungsgruppe von Frau Prof. Dr. med. S. Petri der neurologischen Abteilung der MHH befasst sich wissenschaftlich mit der Ursachenforschung und der neuer Therapieformen.

 

Motoneuronerkrankungen/Neurodegeneration

 

Neueste therapeutische Überlegungen beschäftigen sich neben der o.g. Beeinflussung des Glutamatstoffwechsels u.a. mit der Untersuchung von Signalmechanismen, die für das Überleben von Nervenzellen notwendig sind, der Suche nach genetischen Veränderungen, die für die Entstehung der ALS bedeutsam sein können sowie auch mit Studien zum Einsatz von Stammzell- und Gentherapie als Alternative zu herkömmlichen medikamentösen Behandlungsversuchen. Die Hoffnung, dass in absehbarer Zeit weitere und wirksamere Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen, die entweder direkt an der Ursache der Erkrankung oder in die Entwicklung der Symptomatik eingreifen, ist durchaus berechtigt. Hierfür sind jedoch groß angelegte Therapiestudien notwendig, für die die Kooperation der Betroffenen unbedingt erforderlich ist. Die Erkrankten selbst können auf diese Weise Forschern und Ärzten helfen, den Ursachen der ALS auf die Spur zu kommen und wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln.