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Forschungsbericht 2000

 

Arbeitsbereich Klinische Psychologie in der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie

Leiter: Prof. Dr. Dipl.-Psych. Uwe Hartmann

 

1. Forschungsschwerpunkt:

 

Gruppenpsychotherapie

 

Die Gruppentherapie hat in der Psychotherapieforschung bislang eine verschwindend geringe Rolle gespielt, ja die Gruppenpsychotherapie läßt sich als Stiefkind der Psychotherapieforschung betrachten. Dies ist insbesondere dann besonders bedauerlich, wenn man bedenkt, daß die Gruppentherapie im stationären Behandlungssetting nahezu in allen Kliniken eine zentrale Behandlungsmethode darstellt.

Einen Beitrag zur Behebung des beschriebenen Forschungsdefizits leistet ein Projekt, welches 2000 auf der Psychotherapiestation der Abteilung Klinische Psychiatrie und Psychotherapie der MHH etabliert wurde. Im Mittelpunkt dieses Projektes steht eine umfangreiche und über den Therapieprozeß hinweg kontinuierlich erfolgende Befragung aller am gruppentherapeutischen Prozeß beteiligen Personen (Patienten, Psychotherapeuten und Co-Therapeuten). 

Es sollen über den Zeitraum von mindestens 1,5 Jahren diverse standardisierte Meßinstrumenten zum Einsatz kommen: Verfahren zur Statusdiagnostik interpersonaler Prognosefaktoren in der Gruppentherapie, Verfahren zur Wirkfaktorendiagnostik und solche zur gruppenspezfischen Ergebnisdiagnostik. Darüber hinaus sollen standardisierte Fragebogenverfahren einbezogen werden, mit deren Hilfe eine umfassende Diagnostik des Therapieprozesses möglich ist.

Zu den Fragestellungen, die mit dem zu erwartenden Datenmaterial bearbeitet werden sollen, gehören u.a. folgende:

  • Welches sind die Voraussetzungen für günstige und weniger günstige Therapieergebnisse („Welche Patienten können mit dem gegebenen stationären Gruppenpsychotherapie-Konzept besonders wirkungsvoll behandelt werden und welche profitieren weniger? Woran lassen sich erfolgreich und weniger erfolgreich behandelte Patienten bereits zu Therapiebeginn erkennen?“), 
  • Welche Therapiephasen sind für das Gelingen der Behandlung von besonderer Bedeutung?
  • Welche Gruppenzusammensetzungen fördern den therapeutischen Fortschritt, welche wirken sich weniger förderlich aus?
  • Welchen Beitrag leisten die einzelnen Therapeuten zum Gruppengeschehen? Welche Bedeutung haben die Gruppentherapeuten im Hinblick auf den Therapieerfolg?
  • Auf welchen Dimensionen lassen sich Interventionsunterschiede zwischen einzelnen Therapeuten beschreiben?
  • Wie groß ist die Übereinstimmung zwischen Patienten und Therapeuten im Hinblick auf Wahrnehmung und Bewertung von Therapieprozeß und Therapieergebnis?

 

Antworten auf diese und andere Fragen erweitern das vorhandene Wissen über die Gruppenpsychotherapie und tragen letztlich dazu bei, Therapiekonzepte noch effektiver als bisher auf die Bedürfnisse und Besonderheiten von Patienten zuzuschneiden.

Beteiligte Wissenschaftler: Liebler, Dittmer, Koch.

 

2. Weitere Forschungsschwerpunkte:

 

Effekte sexueller Erregung und Orgasmus auf neuroendokrine Parameter: Mechanismen und klinische Relevanz. Beteiligte Wissenschaftler: U. Hartmann (Hannover), T. Krüger, M. Schedlowski, N. Leygraf, B. Saller (Essen); Förderung: DFG

 

Psychogene Impotenz: Untersuchung des neurobiologischen und pathophysiologischen Substrats psychogener erektiler Dysfunktionen durch Bestimmung cavernöser Neurotransmitter und Neuropeptide bei gesunden Probanden und erektionsgestörten Patienten. Interdisziplinäres Projekt der Klinischen Psychologie, Abt. für Urologie, Abt. für Nuklearmedizin, Abt. für Klinische Pharmakologie und weiterer Abteilungen der MHH (Prof. Dr. U. Hartmann, Dr. A. Becker, Dr. S. Ückert, cand.med. S. Schütze, Prof. Dr. C.G. Stief). Förderung: DFG.

 

Appetenzstörungen in der Partnerschaft. Untersuchung von Veränderungen in Paarbeziehungen im Zusammenhang zu Problemen der sexuellen Appetenz. Mitarbeiter: Prof. Dr. U. Hartmann, Dr. K. Heiser, cand. med. F. Trienekens.

 

Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit und Sicherheit neuer Phophodiesterase-5-Hemmer zur Behandlung von Männern mit erektiler Dysfunktion. Mitarbeiter: C. Rüffer-Hesse, K. Heiser, G. Kloth, U. Hartmann.  Förderung: Industrie.

 

Untersuchung zur Frage spezifischer Selbstwert-Regulationsmechanismen bei Frauen mit Appetenzstörungen. Mitarbeiter: G. Kloth, U. Hartmann.

 

Appetenzstörungen bei Frauen. Erarbeitung eines integrativen Behandlungskonzeptes. Mitarbeiter: K. Heiser, C. Rüffer-Hesse, G. Kloth, U. Hartmann.

 

Forschungsschwerpunkt Zwangsstörung: Aktueller Stand des Projektes: Auf dem Hintergrund der Fragestellung, ob sich die in der klinisch-therapeutischen Literatur beschriebenen typischen Merkmale Zwangskranker (übermäßige Verantwortungsübernahme, Perfektionismus, Isolierung von Affekten etc.) empirisch nachweisen lassen, wurden diverse Fragebogenverfahren aus verschiedenen psychologischen Bereichen auf die Brauchbarkeit der Items zur Befragung von Zwangskranken hin untersucht. Wo bislang keine geeigneten Items existierten, mußten passende Items entwickelt werden. Es wurden die Items zu praktikablen Instrumenten zusammengestellt, mit denen gegenwärtig eine größere Stichprobe von Zwangskranken sowie eine klinische Vergleichsgruppe (Angstpatienten) und eine Gruppe Normaler per Fragebogen untersucht werden.

Mitarbeiter: A. Liebler, K. Bubenzer, U. Hartmann

 

Einfluss familiärer Faktoren auf die Entstehung und Aufrechterhaltung der Zwangsstörung: Mit einer Fragebogenbatterie werden eine Gruppe von Zwangskranken, eine Gruppe von Angstkranken sowie eine normalen Vergleichsgruppe untersucht. Darüber hinaus sollen die Eltern und Geschwister der Probanden der verschiedenen Gruppen in die Studie einbezogen werden. Es sollen sowohl standardisierte als auch selbstkonstruierte Fragebögen zur Erfassung zwangsspezifischer Merkmale verwendet werden. Mitarbeiter: K. Bubenzer, A. Liebler, U. Hartmann. Förderung: Graduiertenförderung der MHH

 

Prognostische Bedeutung von Bindungscharakteristika bei Erwachsenen für den Behandlungserfolg nach stationärer Gruppenpsychotherapie: Im Rahmen dieses Projektes wurden stationäre Psychotherapiepatienten einem strukturierten Interview zu ihren Beziehungserfahrungen in der Kindheit unterzogen und während des Interviews gefilmt. Anhand von Ratings des im Interview gezeigten und berichteten Bindungsverhalten wurden die Untersuchungsteilnehmer einem von drei Bindungstypen (sicher, ambivalent gebunden, vermeidend) zugeordnet. Zentrale Fragestellung dieses Projektes sind die Auswirkungen des Bindungsstils auf Behandlungsverlauf und Behandlungserfolg stationärer Psychotherapie. Zur Beantwortung dieser Fragestellung werden die Daten zum Bindungsverhalten zu verschiedenen Therapieverlaufs- und Therapieerfolgsmaßen in Beziehung gesetzt. Mitarbeiter: Hartmann, Liebler, Heuser-Gochna

 

Ergebnisqualität stationärer Psychotherapie: Subjektive Erfolgseinschätzung und objektive Veränderungskriterien: Die Qualität einer stationären psychotherapeutischen Behandlung läßt sich auf unterschiedliche Arten messen. Eine Möglichkeit besteht darin, Art und Ausmaß der therapierelevanten Symptome zu Therapiebeginn (prae) mit Art und Ausmaß der Symptome nach Therapieende (post) zu vergleichen. Alternative zu dieser indirekten, mehr „objektiven“ Veränderungsmessung stellt die direkte Veränderungsmessung dar, in der der Patient und/oder Therapeut nach Abschluß der Behandlung  eine globale Erfolgseinschätzung abgibt. Das Forschungsvorhaben fragt nach der Übereinstimmung zwischen „objektiven“ Therapieerfolgsmaßen und der subjektiven Therapiebewertung von 270 Patienten der Psychotherapiestation der MHH.  Mitarbeiter: Meyer, Liebler, Hartmann

 

Entspannungstechnik im Vergleich. Weiterführung der Untersuchung über die vergleichende Beurteilung von verschiedenen Entspannungsverfahren anhand psychophysiologischer Parameter und Selbsteinschätzung der Probanden (Dr. R. Schmidt).

 

Biofeedback im verhaltenstherapeutischen Behandlungsverlauf: Weiterentwicklung und Erprobung automatisierter Anwendungs- und Aufzeichnungsverfahren für Therapiesitzung und Selbstanwendung (Dr. R. Schmidt, N.N.)

 

3.    Publikationen

 

3.1   Originalarbeiten:

1.       Hartmann, U. (2000): Psychosomatische Aspekte bei Erektionsstörungen. Deutsches Ärzteblatt, 97: A615 - 619.

 

2.       Exton, N.G., Truong, T.C., Exton, M.S., Wingenfeld, S., Michel, M., Leygraf, N., Hartmann, U., Schedlowski, M. (2000): Neuroendocrine response to film-induced sexual arousal in men and women. Psychoneuroendocrinology, 25: 187- 199.

 

3.       Becker, A.J., Ückert, S., Stief, C.G., Truss, M.C., Machtens, S., Scheller, F., Knapp, W.H., Hartmann, U., Jonas, U. (2000): Cavernous and systemic testosterone levels in different phases of human penile erection. Urology, 56: 125 - 129.

 

4.       Becker, A.J., Ückert, S., Stief, C.G., Truss, M.C., Machtens, S., Scheller, F., Knapp, W.H., Hartmann, U., Jonas, U. (2000): Plasma levels of cavernous and systemic norepinephrine and epinephrine in men during different phases of human penile erection. Journal of Urology, 164: 573 - 577.

 

5.       Becker, A.J., Ückert, S., Stief, C.G., Truss, M.C., Hartmann, U., Sohn, M. Jonas, U. (2000): Systemic and cavernous plasma levels of endothelin 1 in healthy males during different functional conditions of the penis. World Journal of Urology, 18: 227 - 231.

6.       Becker, A.J., Ückert, S., Stief, C.G., Truss, M.C., Machtens, S., Scheller, F., Knapp, W.H., Hartmann, U., Jonas, U. (2000):

Possible role of human growth hormone in penile erection. Journal of Urology, 164: 2138 - 2142.

 

7.       Hartmann, U., Kockott, G. (2000): Somato-Psychotherapie bei Erektionsstörungen: Ansätze zu einer integrativen Behandlung sexueller Dysfunktionen. Psychotherapie in Psychiatrie, Psychotherapeutischer Medizin und Klinischer Psychologie, 5: 247 - 254.

 

8.       Heiser, K., Rüffer-Hesse, C., Kloth, G., Hartmann, U. (2000): Weibliche Sexualität und ihre Störungen aus psychologischer Sicht. Zentralblatt für Gynäkologie, 122: 566 - 570.

 

9.       Beier, K.M., Hartmann, U., Bosinski, H.A.G. (2000): Bedarfsanalyse zur sexualmedizinischen Versorgung. Sexuologie, 7: 63 - 95.

 

3.2   Übersichtsarbeiten:

1.          Beier, K.M., Hartmann, U., Loewit, K. und die Kommission der Praxisleitilinien (2000): Praxisleitlinien der Akademie für Sexualmedizin zur Diagnostik und Therapie von sexuellen Störungen. Sexuologie, 7: 170 – 181.

 

2.          Heiser, K., Rüffer-Hesse, C., Kloth, G., Hartmann, U. (2000): „Die Migräne des Mannes“. Die Bedeutung von Erektionsstörungen für die Partnerin. Sexualmedizin, 22: 103 – 106.

 

Diplomarbeiten / Dissertationen:

Strobach, J. (Dr. med.): Prädiktoren der Therapiezufriedenheit von Patienten nach Abschluß einer stationären Psychotherapie.