SitemapImpressumDatenschutzerklärungdeutschenglish
MHH Logo

Forschungsbericht 1993

  

Arbeitsbereich Klinische Psychologie

Zentrum Psychologische Medizin

Leiter: Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Dieter Langer

 

A: Forschungsschwerpunkt:

 

Störungen der sexuellen Appetenz bei Frauen:

Erprobung und Evaluation eines innovativen Gruppenprogrammes.

 

Ende der 70er Jahre traten die Störungen der sexuellen Appetenz in den Brennpunkt der Sexualforschung. H. S. KAPLAN erweiterte das biphasische Modell der sexuellen Reaktion und ihrer Störungen zum triphasischen Konzept mit den drei Phasen: Appetenz (Lust, Verlangen), Erregung, Orgasmus. Die Störung der sexuellen Appetenz wurde 1980 im DSM-III als eigenständige diagnostische Einheit anerkannt. In der Revision des DSM-III fand eine Unterscheidung statt zwischen den Erscheinungsformen der Appetenzminderung und der sexuellen Aversion. Nach Schätzungen des DSM-III-R liegt bei etwa 20 % der gesamten Population eine Störung mit verminderter sexueller Appetenz vor, und diese findet sich häufiger bei Frauen.

Aufgrund der hohen Inzidenz, Behandlungsresistenz und negativen Prognose wurde die sexuelle Appetenzstörung bei Frauen zum Forschungsgegenstand gemacht.

 

Hauptziele der Untersuchung

 

1.   Analyse von Entwicklungsbedingungen und Erscheinungsformen der Störung des Sexualverlangens.

2.   Erprobung und Evaluation eines Gruppenbehandlungskonzeptes, das anhand einer Pilotstudie erstellt wurde.

 

Methodik:

 

1.   Rahmenbedingungen: Durchführung einer Therapiegruppe für Patientinnen der Medizinischen Hochschule mit der Diagnose einer Störung mit verminderter sexueller Appetenz ("hypoactive sexual desire", DSM-III-R).

2.   Behandlungsdauer: 25 Sitzungen à 100 Minuten bei wöchentlicher Frequenz

3.   Eingangsmodalitäten: Erhebung ausführlicher Anamnesedaten durch freies klinisches Interview vor Gruppenbeginn.

4.   Therapeutisches Vorgehen:  Methode der tiefenpsychologisch-fundierten Psychotherapie unter Leitung einer weiblichen Therapeutin: Einbezug des Partners der Patientin (Vorgespräch; Gruppengespräch aller Partner)

5.   Inhaltliche Schwerpunkte:

     Sexuelle Entwicklungsbedingungen

     Partnerschaftliche Interaktionsmuster mit Wiederholungen früherer Konflikt­kon­stel­lationen

     Inneres Frauen-/Männerbild mit Idealisierungen/Verzerrungen

     Eigener Körperbezug (Erfahrung mit Körperreaktionen, Wünschen, Abneigungen, Bewertung des Körpers)

     Sexuelle Phantasien und Tagträume (mit ihren Idealbildern, Präferenzen, Mythen, Ängsten)

6.   Veränderungsmessung: Fragebogenerhebung bei Gruppenbeginn und Gruppenabschluß

7.   Therapieprozeßforschung: Untersuchung von Faktoren zu Pathogenese, Erscheinungsformen,   Funktion, Bewältigungsformen der Störung, die in einer Pilotstudie erarbeitet wurden. 

 

B. Weitere Forschungsschwerpunkte: 

 

1.   Angst und Sexualität: Untersuchungen zur Schnittstelle von sexueller Erregung/Orgasmus und Angst bei Patienten mit Panik­störung/Agoraphobie

 

2.   Angsterkrankungen und Immunsystem (in Zusammenarbeit mit der Abteilung Medizinische Psychologie)

 

3.   Multimodale (verhaltenstherapeutische) Behandlung des Panik­syndroms - Untersuchung zur Wirksamkeit einzelner Behandlungs­bausteine

 

4.   Psychotherapeutische Ausbildung - Veränderungen von Normen und Wertvorstellungen

 

5.   Untersuchung der psychophysiologischen Pathomechanismen bei erektilen Dysfunktionen mit Hilfe des Corpus-Cavernosum-EMG's (SPACE). Designplanungen in Anlehnung an die ent­sprechenden Experimente der Gruppe um barlow.

 

6.   Untersuchung der psychophysiologischen Komponenten und Mechanismen der Ejaculatio praecox. Einbeziehung einer Gruppe von Patienten mit gemischter Erektions-/Ejakulationsstörung.

 

7.   Weiterführung, Modifikation und wissenschaftliche Evaluation der multidisziplinären Spezialsprechstunde mit der urolo­gischen Klinik der MHH.

 

8.   Entstehung und Phänomenologie sexueller Probleme bei Männern mit Schlaf-Apnoe (in Zusammenarbeit mit dem Schlaflabor der Universität Marburg).

 

9.   Untersuchungen zur psychosomatischen Ätio-Pathogenese erektiler Dysfunktionen bei Diabetikern (in Zusammen­arbeit mit der Diabetes-Ambu­lanz der MHH und externen Diabetes-Kliniken).

 

10. Langzeit-Katamnesen operierter vaginalaplastischer Frauen.

 

11. Patienten mit Störungen der Geschlechtsidentität: Eine prospektive Studie zur Differential­diagnose, Persönlichkeitsstruktur und Psychopathologie. Bei einzelnen Patienten gutachterliche Prüfung der Voraussetzungen zur Vornamens-/Personenstandsänderung nach dem Transsexuellengesetz.

  

C. Publikationen:

 

Hartmann, U. and Langer, D. (1993): Combination of psychosexual therapy and intrapenile injections in the treatment of erectile dysfunctions: Rationale and predictors of outcome. Journal of Sex Education and Therapy 19:  1 - 12.

 

Djamilian, M., Stief, C.G., Hartmann, U. and Jonas, U. (1993): Predictive value of real-time rigiscan monitoring for the etiology of organogenic impotence. Journal of Urology 149:      1269 - 1271.

 

Hartmann, U. (1993): Patentlösung SKAT? Sexualmedizin, 22: 360 - 366.

 

Thon, W.F., Hartmann, U. und die Studiengruppe (1993): Effektivität und Sicherheit der Schwellkörper-Autoinjektionstherapie mit Papaverin/Phentolamin. Urologe [A], 32: 466 - 469.

 

Kuhr, A. (1993): Assessment of disfluency. In: SDORMP (Hrsg.): Le Bégaiement. Isbergues: L'Ortho-Edition.

 

Kuhr, A. & Rustin, L. (1993): Assessment of Stammering. In: Beech, J.R. & Harding, C.M. (Hrsg.): Assessment in Speech Therapy and Language. Windsor: Routledge.

 

Köhlke, H.-U. & Kuhr, A. (1993): Standard-Symptom-Therapie versus Hintergrund-orientierte Verhaltenstherapie: Vorgeschichte und Fortsetzung einer aktuellen Kontroverse zwischen wissenschaftlicher Therapievorstellung und „renitenter“ Praxiswirklichkeit. Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, Heft 2, 1993, 229 - 246.

 

Rustin, L. & Kuhr, A. (1993): Attitudes dans la thérapie du bégaiement: Le patient et le thérapeute. Est-ce que le thérapeute a besoin du bègue? Glossa, 33, 4 - 7.