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Bösartige Weichteiltumore (Weichteilsarkome)

 

Weichteilsarkome sind mit weniger als 1% aller bösartigen Tumore selten. Sie gehen aus Muskulatur, Fettgewebe, Bindegewebe, Gefäßen oder Nervengewebe hervor. Sie kommen am häufigsten im Bereich der Extremitäten (Bein und Arm), aber auch im Bereich des Stamms und selten im Bereich der Körperhöhlen vor. Weichteilsarkome können in jedem Alter auftreten, wobei eine Häufung zwischen dem 50.- und 60. Lebensjahr liegt.


Der Grund für die Entstehung von Weichteilsarkomen ist meistens ungeklärt. In seltenen Fällen ist ein Zusammenhang mit vorbestehenden Erkrankungen (Neurofibromatose), Umweltgiften (Dioxin, Asbest) oder einer vorherigen Strahlentherapie gegeben.


Das Weichteilsarkom entgeht sehr häufig der frühen Feststellung und damit frühen Therapie, da es aufgrund der häufig tiefen Lage unbemerkt bleibt und keine Symptome hervorruft. Es gibt keine Bluttests, die auf ein Weichteilsarkom hinweisen. Das häufigste Zeichen eines Weichteilsarkoms ist die Schwellung. Diese wird vom Patienten nicht selten mit einem Unfall in Verbindung gebracht werden. Frühe Zeichen, die an einen bösartigen Weichteiltumor denken lassen sollten, sind eine Größe von über 5 cm, ein schnelles Wachstum, ein anhaltender Schmerz der Schwellung und ein tiefer Sitz (in der Muskulatur). Lähmungen, Thrombose, Leistungsknick und ungewollte Gewichtsabnahme können Spätzeichen sein.
Der häufigste Weichteiltumor ist das so genannte Lipom (Fettgewebsgeschwulst). Dieses sitzt in der Regel sehr oberflächlich, zeigt ein sehr langsames Wachstum über Jahre und ist selten größer als 3 – 5 cm. Sollten Zweifel an der Gutartigkeit eines Weichteiltumor bestehen, sollte eine Vorstellung in einem spezialisierten Zentrum erfolgen. Wir haben in unserer Klinik einen Algorithmus zur Diagnostik entwickelt.


Bei Verdacht auf einen bösartigen Weichteiltumor sollte in der Regel eine Gewebeprobe zur Sicherung der Diagnose erfolgen. Diese sollte unbedingt in einer spezialisierten Klinik erfolgen, da eine falsche Biopsietechnik die nachfolgende Behandlung komplizieren, ja sogar unmöglich machen kann. Unter bestimmten Umständen (kleiner Tumor, oberflächliche Lage) kann eine so genannte Exzisionsbiopsie durchgeführt werden. Hierbei wird der ganze Tumor entfernt und anschließend vom Pathologen untersucht. Möglicherweise ist jedoch eine Nachoperation erforderlich. In der Regel erfolgt jedoch zunächst eine Probeentnahme aus dem Tumor. Diese kann als so genannte Inzisionsbiopsie durchgeführt werden, d.h. es wird unter Narkose in einem Operationssaal über einen Hautschnitt ein Gewebsstück entnommen. Wir wenden in unserer Klinik seit Jahren in der überwiegenden Zahl der Fälle die so genannte Stanzbiopsie an. Hierbei wird in örtlicher Betäubung über eine Hohlnadel ein Gewebszylinder entnommen werden. Die Vorteile liegen in der sofortigen Durchführbarkeit in der Sprechstunde und somit schnellen Diagnose, dem Verzicht auf eine Narkose und der geringen Komplikationsrate. Nachteilig ist, dass die Aussagekraft leicht verringert ist und bei Zweifel doch auf eine Inzisionsbiopsie gewechselt werden sollte.


Zur Diagnostik eines Weichteiltumors sollte bereits vor der Biopsie ein MRT vorliegen. Weichteilsarkome werden in drei verschiedene Grade unterteilt. Je höher der Grad, umso bösartiger ist der Tumor. Da Weichteilsarkome Tochtergeschwülste (Metastasen) im Körper bilden können, muss vor Einleitung einer Therapie nach diesen gesucht werden. Die häufigste Lokalisation solcher Metastasen betrifft die Lunge, den Bauchraum oder das Skelett.


Die Therapie der Weichteilsarkome erfolgt immer interdisziplinär und sollte daher in spezialisierten Zentren mit Konferenzen erfolgen.  Je nach Grad und begleitender Metastasenbildung wird neben der chirurgischen Therapie eine Chemotherapie und/ oder Bestrahlung empfohlen. Dies kann vor der chirurgischen Entfernung und/ oder nachfolgend notwendig sein. Da speziell über den Nutzen der Chemotherapie zurzeit wenig gesicherte Erkenntnisse bestehen, sollte diese unbedingt in Zentren mit besonderer Erfahrung erfolgen.


Wir wenden in unserer Klinik die so genannte weite, kompartimentorientierte Entfernung der Weichteiltumor an. Hierbei wird an den einzelnen Räumen der Extremität orientiert der Tumor mit einer sicheren Hüllschicht gesunden Gewebes (no-touch) entfernt. Ist der Tumor in Knochen, Gefäße oder Nerven eingebrochen, müssen diese mit entfernt werden. Die komplette Entfernung des Tumors mit einer Sicherheitsschicht hat höchste Priorität. Trotz dieser Maxime sind Amputationen, die noch vor einigen Jahren die Standardtherapie darstellten, selten geworden. Je nach notwendiger Gewebsentfernung ist jedoch mit Funktionseinschränkungen zu rechnen, die ggf. durch Muskelverlagerung gebessert werden können. Gewebeverpflanzungen sind bei größeren Weichteildefekten notwendig.
 

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