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Hypothermie

 

Unter einer Hypothermie versteht man einen Abfall der Körperkerntemperatur (KKT) auf unter 35°C. Der Schweregrad wird dabei als mild, moderat oder schwer klassifiziert. Bei der Beurteilung von Schwerverletzen erweist sich jedoch die Verwendung einer modifizierten Skala als sinnvoll (Tabelle 1).
Anhand der Ursache einer Hypothermie unterscheidet man zwischen einer therapeutischen und akzidentellen Hypothermie. Eine therapeutische Hypothermie durch aktive Kühlung wird aufgrund ihrer protektiven Effekte während chirurgischer Eingriffe (z.B. Herz-Thorax-Chirurgie) sowie zur Verbesserung der neurologischen Ergebnisse nach Reanimation angewendet. Die akzidentelle Hypothermie, wie sie häufig bei schwerverletzten Patienten anzutreffen ist, ist gekennzeichnet durch einen unbeabsichtigten Abfall der KKT infolge einer Kälteexposition. Für den schwerverletzten Patienten sind die Effekte der Hypothermie auf die Funktion des Herz-Kreislauf- und Gerinnungssystems besonders relevant. Kardiovaskulär kann eine Hypothermie zunächst Herzrhythmusstörungen und bei weiterem Abfall der KKT einen Herzstillstand verursachen. Weiterhin kommt es zu einer Gerinnungsstörung mit daraus resultierendem erhöhtem Blutverlust.

Traditionell (°C)

Polytrauma (°C)

Milde Hypothermie

< 35 bis 32

< 35 bis 34

Moderate Hypothermie

< 32 bis 28

< 34 bis 32

Schwere Hypothermie

< 28

< 32

Tabelle 1: Schweregrad-Einteilung der Hypothermie

 

In eigenen Studien und in Arbeiten anderer Forschungsgruppen konnte gezeigt werden, dass bis zu 2/3 aller Schwerverletzten in der frühen Behandlungsphase eine akzidentelle Hypothermie aufweisen. Bei Traumapatienten liegt die kritische KKT, unterhalb derer es zu einem signifikanten Anstieg der Sterblichkeit kommt, bei 34°C. Zudem scheint eine akzidentelle Hypothermie mit einem gehäuften Auftreten von posttraumatischen Komplikationen (z.B. Multiorganversagen) assoziiert zu sein. Dementsprechend ist ein zeitnaher und effizienter Ausgleich einer akzidentellen Hypothermie beim Schwerverletzten empfohlen.
Die negativen Auswirkungen der akzidentellen Hypothermie beim Polytrauma stehen im Gegensatz zu den bekannten günstigen Effekten einer therapeutischen Hypothermie im Rahmen von chirurgischen Eingriffen. Ebenso konnten tierexperimentelle Studien positive Effekte einer therapeutischen Hypothermie im Rahmen eines traumatischen Schocks auf das Überleben und die Organschädigung nachweisen. In eigenen experimentellen Studien konnte gezeigt werden, dass eine therapeutische Hypothermie zu einer Hemmung der entzündlichen Immunantwort führt und somit potentiell zu einer verminderten Gewebeschädigung führen kann (Abbildung). Dies könnte  klinische Komplikationen nach Polytrauma reduzieren. Allerdings erscheint auch die Anfälligkeit für Infektionen durch ein Absenken der KKT erhöht.
 
Um den möglichen Einsatz einer therapeutischen Hypothermie in der klinischen Behandlung schwerverletzter Patienten zu überprüfen, werden in Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken Aachen, Düsseldorf, Kiel und Marburg sowie dem Ludwig Boltzmann Institut für experimentelle und klinische Traumatologie in Wien gegenwärtig experimentelle Studien durchgeführt.

 

 

 

Mitarbeiter

Dr. Philipp Mommsen

Dr. Christian Macke

 

 

Literatur:

 

Hildebrand F, Probst C, Frink M, Huber-Wagner S, Krettek C

Importance of hypothermia in multiple trauma patients

Unfallchirurg. 2009 Nov;112(11):959-64

Hildebrand F, van Griensven M, Giannoudis P, Luerig A, Harwood P, Harms O, Fehr M, Krettek C, Pape HC

Effects of hypothermia and re-warming on the inflammatory response in a murine multiple hit model of trauma

Cytokine. 2005 Sep 7;31(5):382-93

Hildebrand F, van Griensven M, Giannoudis P, Schreiber T, Frink M, Probst C, Grotz M, Krettek C, Pape HC

Impact of hypothermia on the immunologic response after trauma and elective surgery

Surg Technol Int. 2005;14:41-50

Hildebrand F, Giannoudis PV, van Griensven M, Chawda M, Pape HC

Pathophysiologic changes and effects of hypothermia on outcome in elective surgery and trauma patients

Am J Surg. 2004 Mar;187(3):363-71