StartseiteSitemapImpressumdeutschenglish
MHH Logo

7

Modulation der Entzündungsreaktion nach Trauma

 

Trotz intensiver Forschung und stetiger Verbesserung der Behandlung von schwerverletzten Patienten kommt es bei vielen Patienten im Rahmen der Intensivbehandlung immer noch zur Entstehung einer unkontrollierten systemischen Entzündungsreaktion (SIRS). Im weiteren posttraumatischen Verlauf tritt dann häufig eine erhöhte Infektanfälligkeit der Patienten auf, die mit einer Erschöpfung des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsuppression) zu erklären ist.

 

Sowohl die überschießende Entzündungsreaktion als auch die Immunsuppression stellen wesentliche Faktoren für die Entstehung eines Multiorganversagens dar. In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass Frauen vor der Menopause eine abgeschwächte Entzündungsreaktion und damit assoziiert weniger posttraumatische Komplikationen aufweisen als gleichaltrige Männer. Ein vergleichbarer Zusammenhang konnte für ältere Frauen und Männer nicht nachgewiesen werden. In Übereinstimmung mit experimentellen Studien kann somit vermutet werden, das hohe zirkulierende Östrogen-Spiegeln bei Frauen mit einem günstigen klinischen Verlauf vergesellschaftet sind, wohingegen das bei Männern erhöhte Testosteron ungünstige Eigenschaften auf die Immunfunktion wirkt.
In diesem Zusammenhang konnte durch unsere Arbeitsgruppe in Kooperation mit dem Center for Surgical Research der University of Alabama at Birmingham (Direktor: Prof. Dr. Irshad M. Chaudry) gezeigt werden, dass Kupffer-Zellen, spezielle Abwehrzellen der Leber, die Hauptquelle für die Produktion wesentlicher Botenstoffe der Entzündungsreaktion (Zytokine) nach einer schweren traumatischen Blutung darstellen. Zytokine spielen bei der Entstehung des posttraumatischen Multiorganversagens eine wesentliche Rolle, da sie u.a. das Einwandern von speziellen körpereigenen Abwehrzellen in das Organgewebe initiieren können und somit die Gewebeschädigung (Ödembildung) begünstigen. Die Bildung dieser Zytokine können durch eine Gabe von 17 beta-Estradiol (Östrogen) deutlich reduziert werden, was auch zu einer Verminderung der Organschädigung führte. Hierbei scheinen die wesentlichen Effekte des 17 beta-Estradiols in der Leber durch den Östrogenrezeptor-α vermittelt zu werden.


In weiteren experimentellen Studien konnte gezeigt werden, dass durch die medikamentöse Blockade von Rezeptoren des Testosterons sowie durch die Inhibierung bestimmter Reaktionen im Testosteronstoffwechsel ein positiver Effekt auf die Immun- und Organfunktion nach Trauma erreicht werden kann. Die Applikation von Dehydroepiandrostenediol (DHEA) und Androstendiol, beides Vorläufersubstanzen sowohl von Östrogen als auch von Testosteron, führten in experimentellen Studien ebenso zu einer günstigen Beeinflussung der Immunfunktion und der posttraumatischen Organfunktion. In weiteren zur Zeit laufenden Projekten wird ein zukünftiger klinischer Einsatz dieser Substanzen überprüft.

Mitarbeiter

Dr. Claudia Neunaber

PD Dr. Christian Zeckey

 

 

Literatur:

 

Neunaber C, Zeckey C, Andruszkow H, Frink M, Mommsen P, Krettek C, Hildebrand F

Immunomodulation in polytrauma and polymicrobial sepsis - where do we stand?

Recent Pat Inflamm Allergy Drug Discov. 2011 Jan 1;5(1):17-25

Barkhausen T, Hildebrand F, Krettek C, van Griensven M

DHEA-dependent and organ-specific regulation of TNF-alpha mRNA expression in a  murine polymicrobial sepsis and trauma model

Crit Care. 2009;13(4):R114

Frink M, Hsieh YC, Hu S, Hsieh CH, Pape HC, Choudhry MA, Schwacha MG, Bland KI, Chaudry IH

Mechanism of salutary effects of finasteride on post-traumatic immune/inflammatory response: upregulation of estradiol synthesis

Ann Surg. 2007 Nov;246(5):836-43

Frink M, Pape HC, van Griensven M, Krettek C, Chaudry IH, Hildebrand F

Influence of sex and age on mods and cytokines after multiple injuries

Shock. 2007 Feb;27(2):151-6

Hildebrand F, Thobe BM, Hubbard WJ, Choudhry MA, Pape HC, Chaudry IH

Effects of 17beta-estradiol and flutamide on splenic macrophages and splenocytes after trauma-hemorrhage

Cytokine. 2006 Nov;36(3-4):107-14

Hildebrand F, Hubbard WJ, Choudhry MA, Frink M, Pape HC, Kunkel SL, Chaudry IH

Kupffer cells and their mediators: the culprits in producing distant organ damage after trauma-hemorrhage

Am J Pathol. 2006 Sep;169(3):784-94

Hildebrand F, Hubbard WJ, Choudhry MA, Thobe BM, Pape HC, Chaudry IH

Effects of 17beta-estradiol and flutamide on inflammatory response and distant organ damage following trauma-hemorrhage in metestrus females

J Leukoc Biol. 2006 Oct;80(4):759-65

Hildebrand F, Hubbard WJ, Choudhry MA, Thobe BM, Pape HC, Chaudry IH

Are the protective effects of 17beta-estradiol on splenic macrophages and splenocytes after trauma-hemorrhage mediated via estrogen-receptor (ER)-alpha or ER-beta?

J Leukoc Biol. 2006 Jun;79(6):1173-80