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Botenstoffe der posttraumatischen Entzündungsreaktion

 

Im Gegensatz zur Sterblichkeit des Schwerverletzten konnte die Häufigkeit eines posttraumatischen Multiorganversagens bisher noch nicht wesentlich vermindert werden. So kommt es nach Daten des Traumaregisters der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie bei etwa 37% der schwerverletzten Patienten im klinischen Verlauf zum Versagen mindestens eines Organs. Dementsprechend stellt das Organversagen eine der schwerwiegendsten Spätkomplikationen dar und ist neben den Schädel-Hirn-Verletzungen die Hauptursache für das Versterben nach Polytrauma
Das posttraumatische Organversagen entwickelt sich auf dem Boden einer komplexen generalisierten Entzündungsreaktion. Genaue Kenntnisse um die Veränderungen des körpereigenen Immunsystems und der Produktion von Entzündungsstoffen nach dem Polytrauma stellen Möglichkeiten dar, um den klinischen Zustand und das Risikoprofil eines Schwerverletzten einschätzen. Hierzu gehört auch die Analyse erblicher Faktoren, die die Synthese dieser Entzündungsstoffe beeinflussen können. Somit kann durch eine Anpassung der chirurgischen und intensivmedizinischen Behandlung potentiell das Auftreten von Komplikationen reduziert werden.

 

Eine zentrale Rolle in der posttraumatischen Entzündungsreaktion spielt das Interleukin-6 (IL-6), welches sich als einer der zuverlässigsten Parameter zur Quantifizierung der Entzündungsreaktion erwiesen hat. So konnten eigene Studien und klinische Arbeiten anderer Forschungsgruppen einen Zusammenhang zwischen erhöhten IL-6-Konzentrationen und einer hohen Verletzungsschwere nachweisen. Zudem spiegeln die IL-6-Plasmaspiegel das individuelle Risikopotential für die Entwicklung eines Multiorganversagens wieder. Die Bestimmung der IL-6-Konzentration ist weiterhin deshalb von Interesse, weil deren Anstieg einige Tage vor den klinischen Zeichen der posttraumatischen Entzündungsreaktion (z.B. Fieber) zu beobachten ist. Aufgrund dieser Ergebnisse ist das IL-6 neben anderen Entzündungsmediatoren (z.B. Procalcitonin) als Standardparameter in die Behandlung schwerverletzter Patienten in unserer Klinik aufgenommen worden.

 

Trotz der klinischen Ergebnisse führt eine generelle IL-6-Blockade, z.B. durch die Gabe von anti-IL-6 Antikörpern oder Deaktivierung des IL-6-Gens mittels genetischer Manipulation, in experimentellen Studien zu keinen einheitlich positiven Effekten hinsichtlich des Überlebens nach Trauma. Ein möglicher Ansatz in diesem Zusammenhang ist die selektive Blockade der negativen Effekte des IL-6, die im Wesentlichen über den sogenannten „alternativen Signaltransduktionsweg“ vermittelt werden und zu einer Freisetzung weiterer Entzündungsstoffe führen. Erste experimentelle Studien aus unserem Labor haben hierzu sehr vielversprechende Ergebnisse erbracht.

Mitarbeiter

Dr. Claudia Neunaber - Experimentell und klinisch

Dr. Philipp Mommsen

Dr. Christian Macke

 

 

Literatur:

 

Mommsen P, Barkhausen T, Frink M, Zeckey C, Probst C, Krettek C, Hildebrand F

Productive capacity of alveolar macrophages and pulmonary organ damage after femoral fracture and hemorrhage in IL-6 knockout mice

Cytokine. 2011 Jan;53(1):60-5

Haasper C, Kalmbach M, Dikos GD, Meller R, Müller C, Krettek C, Hildebrand F, Frink M

Prognostic value of procalcitonin (PCT) and/or interleukin-6 (IL-6) plasma levels after multiple trauma for the development of multi organ dysfunction syndrome (MODS) or sepsis

Technol Health Care. 2010;18(2):89-100

Frink M, van Griensven M, Kobbe P, Brin T, Zeckey C, Vaske B, Krettek C, Hildebrand F

IL-6 predicts organ dysfunction and mortality in patients with multiple injuries

Scand J Trauma Resusc Emerg Med. 2009 Sep 27;17:49

Hildebrand F, Kalmbach M, Kaapke A, Krettek C, Stuhrmann M

No association between CALCA polymorphisms and clinical outcome or serum procalcitonin levels in German polytrauma patients

Cytokine. 2009 Jul;47(1):30-6

Mommsen P, Frink M, Pape HC, van Griensven M, Probst C, Gaulke R, Krettek C, Hildebrand F

Elevated systemic IL-18 and neopterin levels are associated with posttraumatic complications among patients with multiple injuries: a prospective cohort study

Injury. 2009 May;40(5):528-34

Hildebrand F, Pape HC, van Griensven M, Meier S, Hasenkamp S, Krettek C, Stuhrmann M

Genetic predisposition for a compromised immune system after multiple trauma

Shock. 2005 Dec;24(6):518-22

Hildebrand F, Pape HC, Krettek C

The importance of cytokines in the posttraumatic inflammatory reaction

Unfallchirurg. 2005 Oct;108(10):793-4, 796-803