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Versorgungsstrategien von Oberschenkelbrüchen

 

Die Unfallchirurgische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover versorgt jährlich ca. 150 polytraumatisierte Patienten. Frakturen der langen Röhrenknochen, wie beispielsweise Frakturen des Oberschenkels (Femurfraktur), stellen in diesem Zusammenhang gemeinsam mit Kopf- und Thoraxtraumata die häufigsten Verletzungen des schwerverletzten Patienten dar. Daraus resultieren für die klinische Versorgung operative und intensivmedizinische Herausforderungen. Insbesondere stellt sich die Frage, in welcher Form Oberschenkelbrüche direkt nach dem Unfallereignis stabilisiert werden sollten.
Hierzu stehen prinzipiell zwei mögliche operative Versorgungsstrategien zur Verfügung:
Bei dem sogenannten Early Total Care (ETC) erfolgt die umgehende und endgültige Stabilisierung der Oberschenkelfraktur, in der Regel durch einen Nagel im Markraum. Hierdurch soll eine schnellstmögliche Mobilisierung des Patienten erreicht werden. Das Konzept des Damage Control Orthopedics (DCO) hingegen sieht zunächst einen deutlich kürzeren und somit weniger belastenden operativen Eingriff vor, indem die Fraktur zunächst mit einem sogenannten Fixateur externe stabilisiert wird (Abbildung DCO). Hiernach erfolgt zunächst die Stabilisierung des Patienten auf der Intensivstation. Nach einigen Tagen erfolgt dann in einem erneuten operativen Eingriff die enggültige Versorgung wie beim ETC.


Bei schwerverletzten  Patienten in einem stabilen Zustand sollte das ETC-Konzept angewendet werden, wohingegen bei schwerverletzten Patienten mit schlechter Lungen- und Kreislauffunktion eher das DCO-Konzept zur Anwendung kommen. Allerdings sind viele schwerverletzte Patienten nicht eindeutig einer dieser Gruppen zuzuordnen. Bei diesen Patienten bleibt das klinische Vorgehen in der Literatur umstritten. Ein bereits langjähriger Forschungsschwerpunkt der Unfallchirurgischen Klinik liegt daher in der Identifizierung derjenigen Patienten, die von einem Vorgehen nach dem DCO-Konzept profitieren könnten. Hierzu wird u.a. die Wertigkeit von Botenstoffen der Entzündungsreaktion untersucht.

 


In weiteren Studien werden in internationalen Kooperationsstudien die operativen Versorgungsstrategien in verschiedenen Ländern verglichen. Durch den Vergleich des unterschiedlichen Vorgehens und dem damit assoziierten klinischen Verlauf der schwerverletzten Patienten soll eine optimierte Behandlung der Patienten erreicht werden. Neben den im Vordergrund stehenden klinischen Aspekten werden auch ökonomische der unterschiedlichen Behandlungsstrategien beleuchtet.

Mitarbeiter

 

Dr. Philipp Mommsen

 

 

Literatur:

 

Stübig T, Mommsen P, Krettek C, Probst C, Frink M, Zeckey C, Andruszkow H, Hildebrand F

Comparison of early total care (ETC) and damage control orthopedics (DCO) in the treatment of multiple trauma with femoral shaft fractures: benefit and costs

Unfallchirurg. 2010 Nov;113(11):923-30

Pape HC, Griensven MV, Hildebrand F, Tzioupis CT, Sommer KL, Krettek C, Giannoudis PV, Epoff Study group.

Systemic inflammatory response after extremity or truncal fracture operations

J Trauma. 2008 Dec;65(6):1379-84

Hildebrand F, Giannoudis P, Krettek C, Pape HC

Damage control: extremities

Injury. 2004 Jul;35(7):678-89