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Thoraxtrauma

 

Schwere Verletzungen des Brustkorbes (Thoraxtrauma) stellen beim schwerverletzten Patienten die dritthäufigste Diagnose dar. Das Thoraxtrauma führt bei diesen Patienten zu einer Verlängerung der Beatmungs- und intensivmedizinischen Behandlungsdauer sowie einem erhöhten Auftreten posttraumatischer Komplikationen wie dem akuten Lungenversagen (ARDS) und dem Multiorganversagen. Zudem bedingen Brustkorbverletzungen eine gesteigerte Sterblichkeitsrate bei schwerverletzten Patienten. So weisen 50-75% der verstorbenen Schwerverletzten ein begleitendes Thoraxtrauma auf.
Die Lagerungstherapie (kinetische Therapie) stellt neben der für die Lunge schonenden Beatmungsstrategie während der Intensivbehandlung einen möglichen Therapiepfeiler in der Behandlung von schwerverletzten Patienten mit begleitendem Thoraxtrauma dar. Durch die kinetische Therapie wurde eine Verbesserung der Sauerstoffaufnahme durch die Lunge nach schwerem Trauma nachgewiesen.

 


Die kinetische Therapie ist allerdings nicht bei allen Patienten anwendbar. So konnte beobachtet werden, dass der Hirndruck bei Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma unter kinetischer Therapie ansteigen kann. Ebenso wird in der aktuellen Literatur noch kontrovers diskutiert, ob die Anwendung der kinetischen Therapie zu einer Reduktion posttraumatischer Komplikationen führt. Auch ist die Indikationsstellung zur kinetischen Therapie bisher aus der Literatur nur unzureichend standardisiert, wodurch dieser Frage besonderer Stellenwert beigemessen wird.


Ein möglicher Ansatz zur Identifizierung derjenigen Patienten, die von einer kinetischen Therapie profitieren können, ist die möglichst frühzeitige und korrekte Einschätzung des Schweregrades des Thoraxtraumas. Somit könnten Hochrisikopatienten zeitnah der kinetischen Therapie zugeführt werden. Allerdings bleibt die adäquate Einschätzung der Schwere des Thoraxtraumas trotz der Entwicklung verschiedener Beurteilungssysteme (Scoring-Systeme) schwierig. Die Grundlage der verschiedenen Scoring-Systeme ist sehr unterschiedlich. So gibt es globale Scoring-Systeme, die das Thoraxtrauma lediglich im Rahmen der Gesamtverletzungsschwere beurteilen. Thorax-spezifische Scoring-Systeme basieren überwiegend nur auf anatomischen Veränderungen, z.B. radiologisch nachweisbaren Rippenfrakturen oder Lungeneinblutungen. Nur wenige Scoring-Systeme kombinieren anatomische und physiologische Parameter. Bis zum heutigen Zeitpunkt konnte nicht zweifelsfrei die prognostische Überlegenheit eines der vielen Thoraxtrauma-Scores nachgewiesen werden. Dieser Themenkomplex ist aktuell ebenfalls Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung.

Mitarbeiter

Klinisch

PD Dr. Christian Zeckey / Dr. Philipp Mommsen / Dr. Christian Schröter / Dr. Ulf Brunnemer

Experimentell

Dr. Claudia Neunaber

Literatur:

 

 

Probst C, Pape HC, Hildebrand F, Regel G, Mahlke L, Giannoudis P, Krettek C, Grotz MR

30 years of polytrauma care: An analysis of the change in strategies and results of 4849 cases treated at a single institution

Injury. 2009 Jan;40(1):77-83

Hildebrand F, Giannoudis PV, Griensven M, Zelle B, Ulmer B, Krettek C, Bellamy MC, Pape HC

Management of polytraumatized patients with associated blunt chest trauma: a comparison of two European countries

Injury. 2005 Feb;36(2):293-302

Hildebrand F, van Griensven M, Garapati J, Krettek C, Pape HC

Diagnostics and scoring in blunt chest trauma

Eur J Trauma 2002;28:157-167