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Die Wechseloperation

 

Die guten Ergebnisse nach Implantation einer Hüft-TEP haben zu einer Ausweitung der Indikationen auf jüngere und aktive Patienten geführt. Zusammen mit der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung sind in der Folge eine rasch steigende Zahl von Wechsel- und Mehrfachwechseloperationen zu beobachten.


Eine häufige Ursache für die Prothesenlockerung und damit verantwortlich für eine Wechseloperation ist der Abrieb im Pfannenlager. Dabei kommt es abhängig von der Intensität und der Dauer der Nutzung zu einem feinen Abrieb von Partikeln, die eine lokale Entzündungsreaktion hervorrufen. Damit wird die Prothesenlockerung in Gang gesetzt. Intensive Forschung wird auf dem Gebiet der Tribologie, d.h. der Gleitpaarung zwischen den verschiedenen Komponenten der Prothese betrieben. In den letzten 10 Jahren ist es gelungen, durch weitere Verbesserungen von Materialien wie Keramik und hochvernetztem Polyethylen eine weitere Reduktion des Abriebes zu erreichen.

Der Chirurg sieht sich bei einer Wechseloperation häufig einer vielfältigen Problematik gegenüber. Bei diesen Patienten liegt häufig eine Beinverkürzung von bis zu mehreren Zentimetern vor, die bei dem folgenden Eingriff möglichst behoben werden sollte. Weitere Probleme sind eine nach oben gewanderte Pfanne mit fehlender Knochensubstanz zur Verankerung einer neuen Pfanne. Am Schaft kommt es ebenfalls zu einer Ausdünnung des Knochens; zudem kann hier der Zement aus der ersten Operation vorliegen.


Die Vorbereitung zur Operation und der Eingriff selbst weichen damit deutlich vom Standardeingriff ab. Im Vorfeld muss geklärt werden, warum die Prothese ausgelockert ist. Regelmäßig schließen wir daher einen Infekt der Prothese aus. Dies erfordert eine Blutentnahme und die Nadelpunktion des Gelenkes.

 

 

Abb. 10a: Gebrochener Schaftanteil nach schon durchgeführter Wechseloperation

 

Abb. 10b: Röntgenbild nach Einbringen eines neuen Schaftanteils („proximaler Femurersatz"), der Pfannenanteil konnte belassen werden

Abb. 11a: Jahre nach Implantation einer Hüft-TEP Auftreten einer Infektion im Bereich der rechten Hüfte

Abb. 11b: Röntgenbild nach Entfernen der ursprünglich einliegenden Hüft-TEP und Implantation einer Langschaftprothese nach Beseitigung der Bakterien 

Der Neueinbau der Pfanne macht unter Umständen ebenfalls die Verwendung einer Revisionspfanne erforderlich, bei erhebliche Knochendefekten auch die Verwendung von Spenderknochen oder Spezialimplantaten. Beispielhaft kann hier die Verwendung eines zellenartigen “Biomaterials” mit ähnlichen strukturellen  und mechanischen Eigenschaften von Knochen genannt werden. Dieser Werkstoff gewährleistet aufgrund seiner zellenartigen, dreidimensionalen und offenporigen Struktur bei gleichzeitiger mechanischer Abstützung eine schnelle und großflächige Knocheninfiltration und somit den möglichen den Ersatz großer Knochendefekte im Pfannenbereich (Abbildung 12).

 

Abb. 12a: Gebrochene Hüftpfanne (Spezialimplantat)- es besteht aufgrund der Voroperationen ein großer Knochendefekt am Becken

 

 

 

Abb. 12b: Röntgenbild nach Implantation einer neuen Hüftpfanne (Spezialimplantat)- der Schaft konnte belassen werden