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Die Implantation einer Hüft-TEP nach einem Unfall

 

Die Implantation einer Hüft-TEP nach einem Unfall stellt einen Schwerpunkt der endoprothetischen Versorgung in unserer Klinik dar. Diese operativen Eingriffe stellen aufgrund der häufig schweren Vorerkrankungen der Patienten (v.a. bei hüftgelenksnahen Oberschenkelfrakturen) und der durch stattgehabte Brüche der Hüftpfanne veränderten Anatomie besondere Anforderungen an den Operateur.


Zur Versorgung von Patienten mit schweren Vorerkrankungen sollten neben der operativen Fachabteilung weitere Spezialisten (Kardiologen, Pneumolgen etc.) in dem Krankenhaus vertreten sein, um eine adäquate Versorgung zu gewährleisten. Dies ist in der MHH als Haus der Supramaximalversorgung gewährleistet.

 

Hüftgelenksnahe Brüche des Oberschenkelknochens

Eine wesentliche Ursache, die bei alten Menschen eine Prothesenimplantation erforderlich macht, sind hüftgelenksnahe Brüche des Oberschenkelknochens (z.B. Schenkelhalsbrüche) (Abbildung 7). Insbesondere bei stark verschobenen Brüchen wird durch die Implantation einer Prothese gewährleistet, dass die betroffenen Patienten rasch wieder möglichst mit Vollbelastung mobilisiert werden können. Für gesunde Patienten gelten die gleichen Behandlungsgrundsätze wie bei andere Indikationen für eine Hüft-TEP (z.B. bei Arthrose).

Abb. 7a: Bruch des Schenkelhalses

Ca. 3/4 der Patienten mit hüftgelenksnahen Brüchen weisen allerdings zumindest eine schwere Vorerkrankung auf. 2/3 der Patienten sind über 80 Jahre alt. Aufgrund dieses eingeschränkten Gesundheitszustandes kann die Implantation einer sogenannten bipolaren Prothese sinnvoll werden (Abbildung 7b). Hierbei wird keine separate Pfanne implantiert, so dass die Operationszeit, die Operationsbelastung und der Blutverlust während der Operation erheblich reduziert werden können. Weiterhin konnte eine sehr niedrige Ausrenkungsrate nach der Implantation einer bipolaren Prothese beobachtet werden. Coxarthrotische Veränderungen bzw. Beschwerden bereits vor der Fraktur sprechen gegen eine bipolare Prothese.

 

Abb. 7a: Röntgenbild nach Implantation einer bipolaren Prothese

 

Weitere Spezialfälle sind Patienten mit stattgehabten Brüchen des Oberschenkels in Hüftnähe, die mit speziellen Implantaten versorgt wurden. Beim Versagen dieser Implantate wird die Versorgung mit einer Hüft-TEP nötig (Abbildung 8).

 

Abb. 8a: Patient mit einem mit Nagel versorgtem hüftgelenksnahen Oberschenkelbruch, die eingebrachte Schraube ist aus dem Hüftkopf ausgebrochen

 

 

Abb. 8b: Röntgenbild nach Implantation einer Hüft-TEP

 

 

Brüche der Hüftpfanne

Die Implantation einer Hüft-TEP aufgrund von Verschleißerscheinungen des Gelenks oder einem Absterben des Oberschenkelkopfes nach einem Bruch der Hüftpfanne stellen große Herausforderungen an den Operateur (Abbildung 9).


So wird in wissenschaftlichen Veröffentlichungen von einer längeren Operationszeit, einem erhöhten Blutverlust sowie einer  erhöhten Rate von Entzündungen und Ausrenkungen nach Implantation einer Hüft-TEP bei Patienten nach Hüftpfannenbruch berichtet. Weiterhin können knöcherne Anbauten an der Hüftpfanne sowohl den Einbau des künstlichen Hüftgelenks erschweren als auch die Beweglichkeit der implantierten Prothese behindern. Diese Schwierigkeiten bei der Prothesenimplantation nach Bruch der Hüftpfanne im Vergleich zur Hüftendoprothetik ohne zuvor stattgehabtes Trauma zeigen sich insbesondere auch in einer erhöhten Rate von nötig werdenden Zweitoperationen.
Häufig sind jüngere Menschen von einer Hüftgelenksarthrose nach einem Unfall betroffen, so dass davon auszugehen ist, dass nahezu alle dieser Patienten mit einem Prothesenwechsel im Laufe ihres Lebens rechnen müssen. Daher sind Erfahrungen mit der Versorgung von Hüftpfannenbrüchen selbst sowie der Hüft-TEP Implantation nach solchen Brüchen von größter Bedeutung. Beide Faktoren sind in unserer Unfallchirurgischen Klinik erfüllt.

Abb. 9a: Nicht-operativ behandelter Hüftpfannenbruch rechts - Der Oberschenkelkopf hat sich durch die Hüftpfanne gearbeitet

 

 

Abb. 9b: Röntgenbild nach Implantation einer Hüft-TEP- es wurde eine Spezialpfanne verwendet, die den Knochendefekt in der Hüftpfanne überbrückt