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Geschichte der Klinik

 

 

Geschichte der Anästhesiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover

 

Die Anfänge

 

Nach Empfehlung des Wissenschaftsrates zur Gründung von sieben medizinischen Akademien in der Bundesrepublik Deutschland (10. Juni 1961) hat die niedersächsische Landesregierung bereits sieben Tage später den Beschluss zur Gründung einer solchen Akademie in Hannover gefasst. Die ersten 40 Studenten konnten 1965 mit dem vorklinischen Studium, damals noch in den Räumen der Tierärztlichen Hochschule Hannover (Königliche Rossarzneischule von 1763) beginnen. Der klinische Anfang für Lehre, Forschung und Krankenversorgung fand im Krankenhaus Oststadt der Landeshauptstadt Hannover statt, während zur gleichen Zeit der Neubau eines Großklinikums auf der grünen Wiese im Stadtteil Roderbruch voran getrieben wurde.   Damals gab es weder im Krankenhaus Oststadt noch an den anderen kommunalen oder frei gemeinnützigen Krankenhäusern Hannovers – anders als bereits in anderen Groß- und Mittelstädten – hauptamtliche Anästhesieärzte. Der Bedarf an Anästhesieleistungen wurde durch interessierte Mitarbeiter der operativen Fächer oder durch „Leih-Anästhesisten“ gedeckt. Letztere reisten zur Betreuung besonders risikoreicher Patienten oft über Hunderte von Kilometern an. Von Beginn der Akademie-Planungen an gab es Beratungen über die Notwendigkeit der Einrichtung von Wachstationen und einer Anästhesieabteilung, die letztendlich dazu führten, dass man 1965 nach einem geeigneten Wissenschaftler Ausschau hielt, dem man eine Oberarztstelle anbieten wollte mit Zusicherung, 1966 eine Abteilungsvorsteherstelle zu bekommen. Aus einer Umfrage bei den Fakultäten ergab sich die Grundlage für die Liste zur Besetzung der Abteilungsvorsteherstelle für Anästhesiologie. An erster Stelle wurde Dozent Dr. Erich Kirchner (Marburg) und an zweiter Stelle Dozent Dr. Karl Bonhöffer (Köln) vorgeschlagen. Die anschließenden Verhandlungen mit Kirchner führten dazu, dass dieser zum 01. 02. 1966 von der Universität Marburg an die Medizinische Hochschule Hannover versetzt wurde. Am 17. 08. 1967 wurde Erich Kirchner zum Abteilungsvorsteher und Professor für Anästhesiologie ernannt. Am 05. 12. 1968 erfolgte die Ernennung zum ordentlichen Professor für Anästhesiologie. Als Emeritus konnte Erich Kirchner im Herbst 1996 auf eine dreißigjährige anästhesiologische Tätigkeit an der Medizinischen Hochschule Hannover zurückblicken.

 

 

1968 – 1996 Direktorat und Zentrumsleitung Prof. Dr. Erich Kirchner

 

Prof. Dr. med. Erich Kirchner
Geboren am 25. April 1928 in Fürth/Bayern; 1948 – 1954 Studium der Medizin in Erlangen; 1955  Promotion zum Dr. med. an der Medizinischen Fakultät der Universität Erlangen; 1955/1957 Anästhesie bei Rudolf Frey an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg (K. H. Bauer). In dieser Zeit Gastaufenthalte bei Hossli in Zürich und bei Loennecken an der Neurochirurgischen Klinik der Universität Köln (Tönnis). 1957 -1958 Anästhesie an der Chirurgischen Universitätsklinik Erlangen (Hegemann); 1958 – 1959 Assistent an der Anästhesieabteilung (Oehmig) der II. Chirurgischen Universitätsklinik Köln-Merheim (Schwaiger). 1959 Wissenschaftlicher Assistent an der Anästhesieabteilung der Universität Marburg (Oehmig); 1961 Pharmakologie (Schmid), 1962 Innere Medizin (Hartmann); 1963 Facharztanerkennung für Anästhesie; 1965 Habilitation in Marburg; 1966 Berufung als Leiter der Abteilung für Anästhesie an die neu gegründete Medizinische Hochschule Hannover; 1967 Abteilungsleiter und Professor; 1968 Ernennung zum ordentlichen Professor für Anästhesiologie; 1996 Professor emeritus.


 

Ordinariat und Klinik

 

Die den Erfordernissen der chirurgischen Klinik des Krankenhauses Oststadt zunächst genügenden Anästhesiemethoden wurden Zug um Zug an die operativen Maßnahmen der Hochschulkliniken angepasst. In dem primär EKG-freien Anästhesiebereich wurden die jeweils neu verfügbaren Monitoring-Systeme getestet und kombiniert. Dabei folgte das intraoperative Monitoring dem Konzept von Heinz Oehmig (Marburg) und wurde im „Narkoseüberwachungsschrank Modell Hannover“ realisiert, mit dem – nachdem die medizintechnische Industrie alle Forderungen erfüllt hatte – die Anästhesieplätze im Zentralklinikum ausgerüstet wurden.   Von Erich Kirchner wurde das „Prinzip der tiefen Narkose“ kreiert. Die Patienten sollten pharmakologisch so stark blockiert sein, dass ihr Organismus vor der Perzeption des chirurgischen Vorgehens geschützt war und deshalb keine Reaktionen zur „Stressabwehr“ entstehen konnten. Die bis dato gefürchtete „tiefe Narkose“ – man hatte Angst vor dem Blutdruckabfall und seinen Folgen – wurde durch eine „kontrollierte Hypervolämie“ (Kirchner) praktikabel gemacht und bis in die postoperative Phase hinein unter Sympathicus stabilisierenden Maßnahmen aufrecht erhalten.   Bereits im Oststadtkrankenhaus wurde 1968 mit der Herzchirurgie begonnen, und am 19. 12. 1969 fand dort die erste Nierentransplantation statt. Dies war gleichsam der Startschuss für die Entwicklung der Medizinischen Hochschule hin zu einer klinisch und wissenschaftlich führenden Einrichtung der Transplantationsmedizin in der Welt, eine Entwicklung, zu der die anästhesiologische und intensivmedizinische Betreuung der Patienten wesentlich beigetragen hat. Vor dem Umzug in das Zentralklinikum im Roderbruch standen für 40 gebaute Arbeitsplätze drei Oberarztstellen und 17 Stellen für Assistenzärzte zur Verfügung. Es begann die Zeit des Mangels an Anästhesieärzten und Schwestern. Ab Oktober 1971 wurde schrittweise die Operationstätigkeit im neuen Klinikum im Roderbruch aufgenommen, nach drei Jahren lief der Operationsbetrieb voll. 1974 übertrug Erich Kirchner die ärztliche Aufsicht des Bereichs Krankenhaus Oststadt an Frau PD Dr.med. Ina Pichlmayr, später Abteilung IV.

Prof. Dr.med. Ina Pichlmayr
Geboren am  24. 9. 1932 in Wahlstatt/Schlesien; 1950 – 1956 Studium der Medizin an der Ludwig-Maximillians-Universität München; 1956 Promotion zum Doktor der Medizin an der Medizinischen Fakultät der LMU München; 1957 und 1958 Medizinalassistentenzeit; 1959-1963 Facharztweiterbildung an der Anästhesieabteilung (Zürn, Beer) der Chirurgischen Universitätsklinik München (Zenker). Ab 1961 erster Oberarzt der Abteilung; 1963 Facharztanerkennung für Anästhesie; 1968 Habilitation in München; 1968 Anästhesieabteilung der Medizinischen Hochschule Hannover (Kirchner); 1972 Ernennung zur Professorin für Anästhesiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover; 1974-1997 Leiterin der Anästhesieabteilung IV des Instituts für Anästhesiologie der Medizinischen Hochschule Hannover; seit 1.10.1997 Ruhestand.





 

1976 wurde durch Änderung des Hochschulgesetzes die Zentrumsstruktur eingeführt. Damit verbunden war die Ernennung des Direktors der bis dato als Institut benannten Anästhesiologie zum „Mitdirektor“. Es entstanden letztendlich vier autarke Abteilungen mit der nominellen Zusammenfassung als Zentrum. Es gab eine gemeinsame Weiterbildungsermächtigung, die Weiterbildung erfolgte im Austausch (Rotation) der Mitarbeiter zwischen den Abteilungen. Die Abteilung I verblieb bei Erich Kirchner, Ina Pichlmayr wurde 1977 Direktorin der Abteilung IV (Krankenhaus Oststadt). Zusätzlich wurde Prof. Dr. med. Jürgen Hausdörfer 1979 zum Direktor der anästhesiologischen Abteilung für die neu hinzu gekommene Kinderklinik und Zahnklinik (Abteilung III) berufen, 1984 komplettierte Prof. Dr. med. Siegfried Piepenbrock als Direktor der Abteilung II das Quartett.

 

Prof. Dr. med. Jürgen Hausdörfer, FACA
Geboren am 29. 10. 1936 in München; 1957 – 1963 Studium der Medizin in München und Wien; 1963 Promotion in München; 1963 – 1965 Internship in den USA; Medizinalassistentenzeit bis 1967 in München; 1967-1968 Assistenzarzt Anästhesie an der Ludwig-Maximilian-Universität München (Behr); 1968 bis 1971 Facharztausbildung als Resident am Department für Anästhesie des Hospitals der Universität von Pennsylvenia in Philadelphia bei Prof. Dr. J. Downs; Abschluss der Residency mit der Prüfung vor dem American College of Anesthesiologists mit der Anerkennung als fellow (FACA); 1971 Facharztanerkennung für Anästhesie; 1971 bis 1979 Universität Tübingen; 1976 Habilitation, Tübingen; 1979 Berufung an die Medizinische Hochschule Hannover; 1979 Direktor der Abteilung Anästhesie III und seit 1997 auch Direktor der Abteilung Anästhesie IV der Medizinischen Hochschule Hannover; 2000 Emeritierung.




 

Zu betreuen waren durch die Abteilung I die Abdominal- und Transplantationschirurgie, Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Urologie, Traumatologie und die Poliklinik-Notaufnahme und eine interdisziplinäre Intensivstation mit sechs Betten.

 

Der Abteilung II oblagen die anästhesiologische Versorgung der Neurochirurgie, HNO-Klinik und Poliklinik, Augenklinik und Poliklinik, Radiologie, Neuroradiologie, Strahlentherapie, Nuklearmedizin und – als Novum – die Einrichtung einer Schmerzambulanz. Eine interdisziplinäre Intensivstation mit sechs Betten konnte hinzu gewonnen werden, in der Notfallmedizin konnte die Beteiligung am Notarzteinsatzfahrzeug der MHH sowie die komplette Besetzung eines externen Notarzteinsatzfahrzeugs sichergestellt werden. Die studentische Ausbildung sowohl in der Anästhesie als auch in der Notfallmedizin war ein weiterer Schwerpunkt der Abteilung II.

 

Die Abteilung III versorgte die Zahnklinik inklusive der Mund-, Kiefer-Gesichtschirurgie, die Klinik für Kinderchirurgie, Kinderkardiologie, Kinderonkologie, pädiatrische Pulmonologie und pädiatrische Gastroenterologie.

 

Von der Abteilung IV (Krankenhaus Oststadt) waren die Klinik für Allgemeinchirurgie, Klinik für plastische und Wiederherstellungschirurgie, die Frauenklinik, die Radiologie II (Diagnostik und Bestrahlung), die interdisziplinäre Intensivstation und eine Schmerzambulanz anästhesiologisch zu betreuen.

 

Nach Ende der Tätigkeit von Erich Kirchner (1996), Ina. Pichlmayr (1997) und Jürgen Hausdörfer (2000) hatte Siegfried Piepenbrock die Anästhesie im Zentralklinikum zu einer Abteilung unter seiner Leitung zusammenfassen können. Das Krankenhaus Oststadt wurde sukzessive inklusive der Anästhesie (Kommissarische Leitung 2000 - 2003: Prof. Dr. med. Hans-Anton Adams) als Hochschulstandort aufgegeben worden, ein Prozess, der mit der Fertigstellung des Neubaus des Transplantationsforschungszentrums (TPFZ) und der Gynäkologie 2003 abgeschlossen wurde.

 

Die Konzentrierung der Anästhesie in einer Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin hat in Forschung, Lehre und Krankenversorgung Möglichkeiten zur Optimierung der Leistungsfähigkeit eröffnet, was bei den gesteigerten Anforderungen in allen Bereichen dringend notwendig war.

 

 

1996 – 2000 Direktorat und Zentrumsleitung, 2000 – 2009  Direktorat Prof. Dr. Siegfried Piepenbrock

 

 

 

Prof. Dr. med. Siegfried Piepenbrock
Geboren am 20. Februar 1944 in Verl / Westfalen; 1963 bis 1969 Studium der Medizin und auch Veterinärmedizin und Ethnologie in Gießen, Frankfurt a. M., Freiburg und Hamburg 1969-1971 Medizinalassistent an der Frauenklinik Finkenau sowie der Medizinischen und Chirurgischen Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf; 1971 Assistenzarzt am Institut für Anästhesiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (Kirchner); 1974 Promotion zum Dr. med. (Hempelmann); 1975 Facharztanerkennung für Anästhesiologie; 1975 bis 1980 Oberarzt am Institut für Anästhesiologie der Medizinischen Hochschule Hannover; 1978 Habilitation für das Fach Anästhesiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover; von 1980 bis 1984 C3-Professur für Anästhesiologie und stellvertretender Klinikdirektor an der Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin im Klinikum Steglitz der Freien Universität Berlin (Eyrich); 1984 Berufung an die Medizinische Hochschule Hannover zum Direktor der Abteilung Anästhesiologie II; 1996 zusätzliche Leitung der Abteilung von Prof. Dr. E. Kirchner und Zentrumsleitung. Ab 2000 Direktor einer einheitlichen Anästhesieabteilung (Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin) im Zentralklinikum der Medizinischen Hochschule Hannover.

 

Unter Siegfried Piepenbrock entwickelte sich die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin zu einer leistungsstarken Abteilung mit über 120 ärztlichen und mehr als 100 pflegerischen Mitarbeitern. Von der Abteilung werden pro Jahr mehr als 29.000 Anästhesien für operative, interventionelle oder diagnostische Eingriffe in allen klinischen Abteilungen des Hauses durchgeführt. Dabei hatten die Zahl der komplexen operativen Eingriffe bei multimorbiden Patienten und damit auch die Komplexität der Anästhesien deutlich zugenommen. 2008 hatte die MHH den höchsten Case-Mix Index aller Universitätskliniken in Deutschland. 
Eine besondere Herausforderung an Quantität und Qualität der Anästhesieleistungen stellen an der MHH die Transplantationen dar. So waren die Lebertransplantationen im Jahre 2008 auf weit über 100 angewachsen, die Herztransplantationen und die Herz-Lungentransplantationen auf über 40. Einen explosionsartigen Zuwachs hatte es bei den Lungentransplantationen gegeben, hier wurden in der MHH mit ca. 100 mehr als die Hälfte aller Transplantationen in ganz Deutschland erfolgreich durchgeführt. In der großen Herzchirurgie stellten darüber hinaus wachsende Zuweisungen für Aortenbogenchirurgie eine weitere Besonderheit dar. Auch eine große Zahl von speziellen Eingriffen bei Kindern ebenso wie eine Zunahme der traumatologischen Leistungsanforderungen war für die Entwicklung der klinischen Anästhesiologie von Bedeutung.

 

Intensivmedizin

Die Abteilung verfügte 2009 über eine völlig neu gestaltete interdisziplinäre Intensivstation mit 20 Betten, auf der Patienten nach verschiedenen schweren operativen und interventionellen Eingriffen inklusive Organtransplantierte, Schwerverletzte, neurologische, internistische und pädiatrische Intensivpatienten behandelt wurden. Dabei waren neben der Sepsistherapie die Behandlung von Patienten mit Lungenversagen als Schwerpunkt ausgebildet worden, welche mit modernster Respiratortherapie unter Anwendung extrakorporaler CO2-Elimination und externer Negativdruckbeatmung in einem selbst konstruierten „Kammerrespirator“ erfolgreich behandelt wurden.

 

Notfallmedizin

Die traditionell in Hannover eher unterrepräsentierte Notfallmedizin war in der Zwischenzeit zu einem weiteren Schwerpunkt gediehen. Die Abteilung war am notfallmedizinischen Versorgungssystem der MHH beteiligt und besetzte mit einem Drittmittel finanzierten Ärzteteam das Notarzteinsatzfahrzeug in Hannover-Langenhagen. Die von der MHH und den Kliniken in Hannover aufgestellte Dienstgruppe des Leitenden Notarztes (LNA) wurde von Seiten der Anästhesie initiiert und organisiert. Eigene und in Kooperation durchgeführte Fort- und Weiterbildungsangebote vervollständigten die Position in der Notfallmedizin.

 

Schmerztherapie

Der initial in den 70er Jahren im Oststadtkrankenhaus angesiedelte Schwerpunkt für chronische Schmerztherapie (Ina Pichlmayr, Michael Zenz), seit 1984 ergänzt durch eine neu gegründete Schmerzambulanz im Zentralklinikum (Siegfried Piepenbrock, Ingomar Conrad), wurde 2004 im Oststadtkrankenhaus gänzlich aufgegeben worden und befindet sich jetzt im Zentralklinikum. In der Schmerzambulanz der Abteilung wurden 2008 etwa 1.000 ambulante bzw. stationäre chronisch Schmerzkranke pro Jahr therapiert, wobei die Zahl der Patientenkontakte bei über 5.000 lag. Von der Schmerzambulanz wurd auch der Service für akute postoperative Schmerzen gesteuert. Im Vergleich zu anderen anästhesiologisch geführten Schmerzambulanzen in Deutschland lag eine Besonderheit in der Tatsache begründet, dass die schwerpunktmäßigen Schmerztherapeuten der Abteilung die Facharztqualifikation in Anästhesie und die Zusatzqualifikation in Psychotherapie in einer Person vereinigten.

 

Forschung

Durch die Kombination und Engführung von Forschung und Krankenversorgung stellt die MHH ein erstklassiges Umfeld für die Grundlagen-orientierte wie die translationale  und klinische Forschung dar. Die wissenschaftlichen Aktivitäten der Klinik gliedern sich in die Bereiche Neurowissenschaften, Entzündungs- und kardiovaskuläre Forschung sowie perioperative Gerinnung. Thematisch reichen die Aktivitäten von der Aufklärung der molekularen Wirkmechanismen von Anästhetika mittels Patch-Clamp Technik über die Aufklärung der molekularen Ereignisse während der Blutgerinnung bis hin zur molekular-genetischen Dissektion inflammatorischer Regulationsprinzipien und des Remodellings von Geweben nach entzündlichen Erkrankungen. In klinischen Studien beschäftigen sich die Arbeitsgruppen mit so entscheidenden Themen perioperativer Medizin wie der Erforschung der Mechanismen während der Chronifizierung von Schmerzen, dem hochspezialisierten EEG-Monitoring während der Anästhesie und klinischen Strategien der pharmakologisch unterstützten Blutgerinnung bis hin zur Suche nach Möglichkeiten das Auftreten schwerer perioperativer Komplikationen bei Kindern besser vorhersagen zu können. Auch in der Entwicklung neuartiger medizinischer Geräte und Behandlungskonzepte hat die MHH-Anästhesiologie in der Vergangenheit Maßstäbe gesetzt. Synergieeffekte seit Zusammenlegen der einzelnen Abteilungen haben zu einer guten Positionierung der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin im innerdeutschen Vergleich geführt. In der Vergangenheit lagen die Schwerpunkte auf der klinischen Forschung. Sie sind in der jüngeren Vergangenheit durch Etablierung von Arbeitsgruppen, die sich auch der Grundlagenforschung und tierexperimentellen Studien widmen und zuletzt im Jahre 2007 durch die Einrichtung einer Experimentellen Anästhesiologie, die Schaffung einer Schwerpunktprofessur für Experimentelle Anästhesiologie und die Berufung von Prof. Dr. med. Gregor Theilmeier deutlich in Richtung grundlagen-wissenschaftlicher Aktivitäten weiter entwickelt worden.

 

Lehre und Weiterbildung

Der Stellenwert des Faches bis 2009 wurde durch eine adäquate Repräsentanz auf dem Gebiet der studentischen Lehre und auch der ärztlichen Fort- und Weiterbildung ganz entscheidend mit geprägt. Auch hier konnten die Einzelbemühungen der Vergangenheit nach dem Zusammenlegen der Abteilungen gebündelt und koordiniert werden. In der studentischen Lehre wurden von der Abteilung scheinpflichtige Lehrveranstaltungen im Rahmen der Notfallmedizin durchgeführt. Dabei spannte sich der Bogen von der Ersten Hilfe-Ausbildung in der Vorklinik über das Notfallpraktikum im ersten klinischen Studienabschnitt bis hin zum notfallmedizinischen Praktikum im zweiten klinischen Studienabschnitt. Äußere Anerkennung für die Bemühungen der Abteilung in der studentischen Lehre waren der für die Lehrveranstaltung „Notfallmedizinisches Praktikum“ verliehene Wilhelm Hirte Gedächtnis Preis 2001 für herausragenden klinischen Unterricht.   Mit ganz besonderen Akzenten war die Abteilung in der ärztlichen Fort- und Weiterbildung engagiert: Zweimal im Jahr wird in Kooperation mit der Rettungsschule des Deutschen Roten Kreuzes (und der Niedersächsischen Ärztekammer) in Goslar der achttägige Kurs zum Erwerb der Zusatzbezeichnung „Rettungsmedizin“, einmal im Jahr in Kooperation mit der Abteilung Traumatologie der MHH ein LNA-Kurs (Leitender Notarzt) und einmal im Jahr ein achttägiger Schmerztherapiekurs zum Erwerb der Zusatzbezeichnung „spezielle Schmerztherapie“ durchgeführt.

 

 

Anhang:

 

Habilitationen:

 

Hempelmann, Gunter (1973): Respiratorische und hämodynamische Probleme im anästhesiologischen Bereich. Ergebnisse der fortlaufenden Sauerstoffpartialdruckmessung im Blut sowie der Herzzeitvolumenbestimmung mit der Kälteverdünnungsmethode

Piepenbrock, Siegfried (1978): Extrarenale Effekte von Canrenoat-Kalium und Furosemid. Hämodynamische Untersuchungen unter Narkosebedingungen bei herzchirurgischen Patienten

Helms, Uwe (1977): Hämodynamische Studie an geriatrischen Patienten bei unterschiedlicher Narkosevorbereitung und Technik

Schaps, Dagmar (1981): Wirkung von Thiopental und Methohexital auf Myokardstoffwechsel und Hämodynamik nach herzchirurgischen Eingriffen

Zenz, Michael (1981): Klinische und klinisch-experimentelle Untersuchungen zur periduralen Opiat-Analgesie ·      

Lips, Ulrich (1982): Die medikamentöse Therapie der Eklampsie

Tryba, Michael (1984): Histamin-H2-Rezeptorantagonisten zur Prophylaxe des Säureaspirationssyndroms. Experimentelle und klinische Untersuchungen am Beispiel von Cimetidin

Seitz, Wolfgang (1986): Zum Einfluß verschiedener Narkoseverfahren auf endokrine, parakrine und metabolische Parameter: Ergebnisse einer perioperativen Verlaufsstudie bei traumatologischen Patienten

Panning, Bernhard (1987): Zur Behandlung von hypertonen Kreislaufdysregulationen bei Hirnoperationen in Neuroleptanalgesie

Fritz, Karl-Wilhelm (1988): Untersuchungen zur Beatmung mit Helium-Sauerstoff und Stickstoff-Sauerstoff-Gemischen im halboffenen und geschlossenen System

Schäffer, Jürgen (1988): Anästhesie in der Augenheilkunde – Zur Wahl des Anästhesieverfahrens bei geriatrischen Patienten

Pohl, Sönke (1989): Beatmung mit der Eisernen Lunge. Technik – Indikation – hämodynamisches Profil

Lübbe, Norbert (1992): Medikamentöse Beeinflussung des intrapulmonalen Rechts-Links-Shunts und der Oxygenierung unter Ein-Lungenventilation beim Hund

Strauß, Jochen (1992): Untersuchungen über Ausmaß und Bedeutung intraoperativer Ketonaemien bei kieferchirurgischen Langzeiteingriffen unter Allgemeinanästhesie mit Isofluran

Leuwer, Martin (1994): Zur Wirkung nicht depolarisierender Muskelrelaxantien bei Kindern

Schultz, Barbara (1994): Zur Vereinfachung der Elektroenzephalographie bei Intensivpatienten

Schultz, Arthur (1995): Automatische Analyse des Narkose-EEG

Otto, Klaus (1996): Die quantitative Bewertung von Nozizeption und Antinozizeption mit Hilfe der EEG-Frequenzanalyse und des Verhaltens von Herzfrequenz und Blutdruck während der Allgemeinanästhesie bei Hund und Pferd. Experimentelle und klinische Untersuchungen

Bund, M. (1999): Einfluss intravenöser und inhalativer Prostaglandine auf pulmonale und systemische Hämodynamik, Oxygenierung und Atemmechanik während der Ein-Lungenventilation beim Schwein

Sümpelmann, Robert (1999): Experimentelle Untersuchungen zur Transfusion von gewaschenen Erythrozyten bei Kindern

Marx, Gernot (2000): Einfluss von Volumenersatzlösungen auf die Erhaltung des Plasmavolumens und die Albuminextravasation in der Sepsis am Schwein

Heine, Jörn (2001): Einfluss intravenöser Anästhetika auf die Granulozytenfunktion

Jaeger, Karsten (2001): Studien zum Einfluss reaktiver Sauerstoffverbindungen neutrophiler Granulozyten und zur Freisetzung immunologischer Mediatoren nach Lebertransplantation

Haeseler, Gertrud (2001): Effects of phenol derivatives on normal and inactivation-deficient voltage-gated human skeletal muscle sodium channels

Münte, Sinikka (2001): Implicit Memory During Surgical Anesthesia

Karst, Matthias (2002): Akupunktur: klinische Wirksamkeit und physiologische Effekte

Przemeck, Michael (2003): Anästhesiologisches Management der diskordanten Xenotransplantation im Primatenmodell: Kreislaufverhalten und Einfluß auf das Operationsergebnis

Raymondos, Konstantinos (2005): Untersuchung zur Entstehung und Therapie des Atemnotsyndroms des Erwachsenen (ARDS)

Scheinichen, Dirk (2005): Untersuchungen zur Expression von P-Selektinen und Fibrinogenrezeptoren auf humanen Thrombozyten und zur Komplexbildung zwischen Thrombozyten und Leukozyten

Grouven, Ulrich (2008): Quantitative Analyse des Narkose-EEG

Rahe-Meyer, Niels (2008): Perioperative coagulation management in cardiac surgery based on point-of-care methodology

Winterhalter, Michael (2008): Messung der Haut-Impedanz- Ein neuer Weg zur Narkosetiefebestimmung

Ahrens, Jörg (2009): Molecular determinants for the action of positive allosteric modulators of strychnine-sensitive glycine receptors

Bernateck, Michael (2009): Komplexe Regionale Schmerzsyndrome, Diagnostik und Therapie

Osthaus, Alexander (2010): Anästhesiologisches Management in der Kinderherzchirurgie

Jüttner, Björn (2010): Perioperative Funktion und Interaktion von zirkulierenden neutrophilen Granulozyten und Thrombozyten bei Nieren- und Lebertransplantationen

 

Leitende Funktionen:

  

C4-Professuren:

 

Prof. Dr. med. Gunter Hempelmann, Universität Gießen (1976)

Prof. Dr.med. Michael Zenz, Universität Bochum (1982)

Prof. Dr. med. Martin Leuwer, University of Liverpool (2001)